Fahrbericht

Kia Optima Hybrid: Cruiser mit Elektro-Herz

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Automatische Steuerung des E-Motors

Doch kommen wir zum interessanten Teil: dem Fahrerlebnis. Betätigt der Fahrer den Start/Stopp-Schalter geschieht erstmal – nichts. Jedenfalls nichts was für den Fahrer erkennbar wäre. Man muss sich erst dran gewöhnen, dass ein Elektromotor im Stillstand auch wirklich still ist. Beim morgendlichen Kaltstart schaltet die Steuerung automatisch den Benziner zu, bevor der E-Motor nach ein paar Minuten hinzugeschaltet wird. Leise und gut abgedämmt geht es los, die Automatik schaltet sanft. Mit warmen Motor und sanftem Gasfuß fällt der Start an der Ampel überraschend geräuschlos aus und was besonders für die Emissionen wichtig ist: elektrisch! Erst später schaltet der Benzinmotor zu, der häufig und unbemerkt vom E-Motor unterstützt wird. Das können unterschiedliche Situationen sein: beim Beschleunigen, beim Gaswegnehmen oder beim Segeln auf langsameren Autobahnetappen wie in Baustellen oder Tempobegrenzten Zonen. Ein Display informiert über den aktuellen Stand des Energieflusses und die wechselnde Batteriekapazität. Relaxt für den Fahrer, da er – anders als beim reinen Elektrofahrzeug – nicht von der elektrischen Batterieladung abhängig ist.

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Nervöse Automatik

Negativ fällt das schwächelnde Drehmoment von 180 Newtonmeter des Benzinmotors auf. Insbesondere beim zügigen Beschleunigen aus langsameren Abschnitten schaltet die Sechsgang-Automatik leicht zwei Gänge runter, was der Schaltung einen leicht nervösen Charakter verleiht und gegen das bislang angenehme Orchester der Stille spricht. Auch wenn der E-Motor in vielen Beschleunigungs-Situationen hinzuschaltet und das Drehmoment im Gesamtsystem auf maximal 319 Newtonmeter anhebt, dürfte die Automatik dennoch einem guten Verbrauchsergebnis im Wege stehen.

Cruisen statt rasen

Der kombinierte Kraftstoffverbrauch nach EU-Drittelmix wird von Kia mit 5,1 Liter auf 100 Kilometer angegeben, was für eine Mittelklasse-Limousine ein guter Wert wäre. Wir kamen im Testverbrauch mit Autobahnen, Landstraßen und Stadtanteilen allerdings auf mindestens 6,6 Liter und bei zügiger Fahrweise durchaus noch nach oben ausbaubar. Die Beschleunigung auf 100 Stundenkilometer erreicht der Optima Hybrid in durchschnittlichen 9,4 Sekunden, dennoch zeigte er sich beim Beschleunigen und bei schneller Autobahnfahrt (Höchstgeschwindigkeit 190 km/h) von einer subjektiv starken Seite. Überhaupt ist das Fahrzeug bei hohen Geschwindigkeiten sehr spurstabil, das sportlich gestylte Fahrwerk bleibt ohne Fehl und Tadel. Doch auch wenn der Optima sich auf der linken Spur kaum eine Blöße gibt – ein Sportler ist er nicht, seine Qualitäten liegen woanders.

Die tägliche Elektro-Show

Er ist ein Cruiser und lädt zum täglichen Elektro-Ereignis ein. Selten schaut der Fahrer so viel lieber der momentanen Energie beim Fließen zu, als dass Fahrdynamik oder Beschleuinigungsexzesse im Vordergrund ständen. Die Benutzung der elektrischen Ströme verändert aber auch das Fahrverhalten. Bei vorausschauender Fahrweise gefällt die Möglichkeit, den Optima Hybrid durch Gaswegnehmen zu bremsen, da dann die Synchronmaschine mit eingebettetem Permanentmagent, so die offizielle Bezeichnung, also das E-Aggregat geladen wird. Maximal 1.500 Meter können ausschließlich elektrisch zurückgelegt werden, ausreichend für den Stop and Go Verkehr in der Rush Hour oder im Stau. Mit der Hybrid-Limousine lernt man die Freude am Sparen, ohne die Freude am Fahren zu vermissen.

Ernster Diesel-Wettbewerber

Im Gesamteindruck hat sich der Kia Optima Hybrid als das vollständigere E-Fahrzeug präsentiert. Da wo Reichweiten das Ergebnis der reinen Elektrofahrzeuge verhageln, kann der Hybrid mit der Kombination aus beiden Motoren deutlich punkten. Bei einem Tankvolumen von 65 Litern Benzin mit dem Elektromotor als Antriebsunterstützung im Gepäck sind Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern drin, sodass der Optima Hybrid mit niedriger Steuerbemessung nach Euro 5 durchaus eine Alternative zum Diesel darstellen kann und nicht nur für Vielfahrer interessant sein dürfte. Wer sich zudem von der Masse abheben will, ist hier genau richtig. Im vergangenen Jahr verkaufte der koreanische Importeur in Deutschland gerade mal rund 400 Optima-Limousinen, knapp 50 davon mit Hybrid. Schade eigentlich, der Wagen kann deutlich mehr als die Zulassungsstatistik vermeldet.

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