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Neue Mobilität Kickscooter: Wie profitabel ist das Geschäft mit dem E-Roller?

| Redakteur: Maximiliane Reichhardt

Bald schon können E-Roller auch auf deutschen Straßen fahren. Wunder Mobility hat analysiert, wie profitabel das Geschäft mit den Kickscootern für Anbieter, Anwender und die Umwelt sein kann.

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Kickscooter sind jetzt auch auf deutschen Straßen erlaubt. Doch ist der E-Roller-Trend auch lohnenswert?
Kickscooter sind jetzt auch auf deutschen Straßen erlaubt. Doch ist der E-Roller-Trend auch lohnenswert?
(Bild: Ninebot by Segway)

Seit dem 17. Mai ist auch in Deutschland der Weg auf den Straßen frei für elektrische Kickscooter. In vielen Metropolen der Welt sind sie bereits unterwegs – meist als Leihgeräte, die direkt gemietet und genutzt werden können. Ein kurzfristiger Hype oder ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Mobilität? Die Antwort auf diese Frage wird auch davon abhängen, wie profitabel das Geschäft mit den Kickscootern in Zukunft für die Anbieter sein wird. Das Hamburger Unternehmen Wunder Mobility hat deshalb aktuelle Marktzahlen, eigene Daten und Brancheninsights zusammengestellt, um zu analysieren, ob Kickscooter Sharing einen sinnvollen Beitrag zur Mobilitätswende leisten kann.

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Kickscooter können profitabel sein

Laut Wunder gibt es sechs Faktoren, mittels derer sich die Effizienz und Profitabilität des Geschäftsmodells steigern lassen:

  • 1. Prepaid Konten: Transaktionsgebühren sind ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, gerade bei den geringen Summen, um die es beim Verleih der wendigen Roller geht. Eine Lösung können In-App-Wallets sein, auf die die Nutzer auch größere Beträge laden können. So wird aus vielen Kleinsttransaktionen eine Größere, für die der Anbieter nur einmal Gebühren zahlt. Für die Nutzer haben aufgeladene Konten den Vorteil, dass sie das Ausleihen vereinfachen und beschleunigen.
  • 2. Der Mietpreis: Aktuell wird für die Nutzung der Kickscooter meist ein Grundpreis von einem Euro sowie ein Minutenpreis von ca. 14 Cent berechnet. Marktstudien zeigen aber, dass Nutzer durchaus bereit sind mehr zu zahlen und die Preisakzeptanz bei bis zu 35 Cent pro Minute liegt.
  • 3. Sicherheit: Moderne und qualitativ hochwertige Schlösser verlängern die Lebensdauer der Kick-scooter. Die Nachrüstung lässt die Fahrzeug-Flotte sicherer vor Diebstahl und Beschädigung werden.
  • 4. Qualität: Die Widerstandsfähigkeit der Kickscooter wurde bereits häufig diskutiert. Die durch-schnittliche Lebensdauer eines Kickscooters ist heute noch begrenzt. Die Hersteller entwickeln ihre Modelle aber stetig weiter und passen sie für die Anforderungen des Sharingbetriebs an. Die nächste Generation hochwertiger Fahrzeuge wird zum Jahresende auf den Markt kommen und mit einer Lebenserwartung von bis zu 15 Monaten deutlich länger im Einsatz bleiben können als heutige Modelle. Das ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit überaus wichtig.
  • 5. Batterie: Die Batteriequalität gehört ebenfalls zu den effizienzsteigernden Faktoren. Neue, langlebigere Batterien ermöglichen bis zu 14 Fahrten mehr und reduzieren damit die Kosten, die pro Fahrt für den Anbieter entstehen.
  • 6. Ladeverhalten: Neben den Anschaffungskosten für die Kickscooter, die etwa 20 Prozent der Kosten ausmachen, ist die Wartung mit 30 bis 40 Prozent ein wesentlicher Kostenfaktor. Anbieter beschäftigen meist Subunternehmer, die die Kickscooter einsammeln und aufladen und für jeden eingesammelten Roller bezahlt werden. Daher ist es sinnvoll, ein Mindestlevel zu definieren - empfohlen werden 25 Prozent -, ab dem erst ein erneuter Ladevorgang durchgeführt wird. Das reduziert die Wartungskosten und erhöht langfristig die Haltbarkeit der Batterien.

Nutzungszahlen belegen: Kickscooter sind angesagt

Zur Analyse der Potenziale des Kickscooter-Markts bietet sich der Markt für Car-Sharing zum Vergleich an. Dort gibt es erste Angebote bereits seit rund 20 Jahren und seit ca. sechs Jahren wachsen die Modelle mit stationsunabhängigen Angeboten. Entsprechend profund ist hier die Datenbasis. In etwa 700 Städten in Deutschland werden etwas mehr als 20.000 Autos von über zwei Millionen Menschen gemeinsam genutzt. Beim Kickscooter-Sharing ist zu erwarten, dass die Verbreitung und die Annahme der Angebote in Deutschland wesentlich schneller gehen wird. Darauf weisen auch die hohen Nutzungszahlen in anderen europäischen Metropolen oder in den USA hin.

Entsprechend schnell steigt die Adaptionsrate: Während im Carsharing erst nach zehn Jahren eine Rate von drei Prozent erreicht wurde, ist sie laut Forschungsergebnissen von Populus bei Kickscootern bereits nach einem Jahr so hoch. 30 Prozent der Nutzer greifen anstelle eines Autos auf einen Kickscooter zurück, 27 Prozent nutzen ihn als Ergänzung zum ÖPNV. Auch deutsche Befragungen vor Einführung der Kickscooter weisen auf eine hohe Nutzerakzeptanz hin. So sind 69 Prozent der Deutschen überzeugt, dass die praktischen Roller ein guter Weg sind, die Mobilität zu verbessern. 55 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gehen laut dem Vd-Tüv davon aus, dass sie sie in ihre alltäglichen Mobilitätsgewohnheiten integrieren werden.

Kickscooter könnten innerstädtische Verkehrsprobleme lösen

Eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Bildung zeigt, dass 40 Prozent des innerstädtischen Verkehrs durch Strecken unter fünf Kilometern entsteht. Kickscooter haben hier großes Potenzial, eine echte Alternative zum Auto zu werden und damit den Verkehr in städtischen Ballungszentren spürbar zu reduzieren.

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