Software Knapp 2.400 Euro pro Fahrzeug: Wie der Wert von Software steigt

Autor: Svenja Gelowicz

Der Wert von Fahrzeugsoftware könnte sich bis zur Ende der Dekade fast verdreifachen. Bei welchen Software-Bereichen die höchste jährliche Wachstumsrate winkt und warum einige OEMs hier mit Automobilzulieferern konkurrieren.

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(Bild: Volkswagen)

Vor einigen Jahren schmückten sich Autobauer gerne mit dem Begriff „Mobilitätsanbieter“. Mittlerweile hat die „Tech-Company“ der Bezeichnung den Rang abgelaufen. Die Konzerne arbeiten unter Hochdruck an eigenen Betriebssystemen, und Volkswagen will gar hinter SAP der zweitgrößte deutsche IT-Konzern werden.

Die Automobilberatung Berylls hat nun ausgerechnet, dass der Wert an Fahrzeug-Software im Jahr 2030 knapp 2.400 Euro am Fahrzeugwert ausmachen könnte. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 820 Euro.

Wachstumstreiber des Software-Markts

Wachstumstreiber sind dabei vor allem Software für automatisiertes Fahren (ADAS), Plattformen und sogenanntes High-Performance-Computing (HPC). Die jährliche Wachstumsrate bei HPC-Software liegt bei 37 Prozent laut der Analyse von Berylls. Zum Vergleich: Software für automatisiertes Fahren liegt bei 16 Prozent. Laut Berylls-Partner Matthias Kempf liege dies an der „Mischung aus Durchdringungseffekten und Steigerung der Rechenleistung bei gleichzeitig zunehmender Komplexität.“

OEMs werden zur Konkurrenz für Zulieferer

Für Zulieferer, sagt Kempf, bietet vor allem der Bereich Programmierung neue Chancen. Der Software-Bereich sei insbesondere für Unternehmen, die Chips herstellen – wie Nvidia oder Mobileye – interessant. „Bei Plattformen und ADAS gilt ähnliches, wobei allerdings bei Plattformen einige OEMs selbst die Wertschöpfung übernehmen werden. Zumindest versuchen das beispielsweise VW und Mercedes-Benz.“

Denn gerade bei den sogenannten Betriebssystemen („Vehicle Operating System“) verfolgen die Autobauer unterschiedliche Strategien. Hersteller wie die beiden genannten oder auch Volvo wollen diese Plattformen selbst entwickeln. Andere wiederum wollen sich die Technik einkaufen. „Google wird künftig im Bereich Infotainment vermutlich sehr viel dominieren“, sagt Kempf. „Es bleibt die Frage, wie weit OEMs Google darüber hinaus noch ins Fahrzeug lassen.“

Volkswagen steckt Zulieferer-Zusammenarbeit neu ab

Volkswagen beispielsweise steckt die Zusammenarbeit mit Zulieferer deutlich ab. Im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ erhöhte Cariad-Chef Dirk Hilgenberg den Druck auf die Lieferanten, in dem er deutlich machte, Cariad wolle die Software-Entwicklung genau diktieren. „Für die großen Systemlieferanten, die bisher von der Integration von Hard- und Software in einem intelligenten, dezentralen Steuergerät gelebt haben, werden sich die Zeiten ändern“, sagt auch Kempf. Auch die Arbeitsmodelle änderten sich, würden agiler. „Es tun sich neue Chancen durch spezifische Services auf, aber wer auf dem Status Quo beharrt, wird ein böses Erwachen erleben.“

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Svenja Gelowicz

Redakteurin im Ressort Management