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Leichtbau-Gipfel 2014 Leicht ist nicht immer leicht

| Redakteur: Christian Otto

Leichtbau bietet auch zukünftig ein enormes Potenzial. Um dieses zu heben, müssen Zulieferer einige Hürden überwinden. Das es vor allem am Preis haken kann, führte Dr. Andreas Rennet von der PA Consulting aus. Er stellte deshalb Guidelines vor, die helfen sollen, Leichtbauansätze leichter zu verkaufen.

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Dr. Andreas Rennet von PA Consulting gab Zulieferern eine Guideline für die sichere Einführung von Leichtbaukonzepten in den Markt.
Dr. Andreas Rennet von PA Consulting gab Zulieferern eine Guideline für die sichere Einführung von Leichtbaukonzepten in den Markt.
(Foto: Automobil Industrie/ Stefan Bausewein)

Dr. Andreas Rennet von der PA Consulting näherte sich mit seinem Vortrag dem Thema Leichtbau aus einem anderen Blickwinkel: „Der Vortrag nimmt stärker die Sicht des Marktes und weniger die der Technik ein.“ Und so nahm er als Basis seiner Ausführungen auch eine oft an ihn und seine Kollegen gestellte Frage: „Wie sehen sie als Beratungshaus das Thema des Preises beim Leichtbau?“

Diese Frage umtreibe sowohl die Zulieferer als auch die OEMs und es gäbe darauf auch keine einfache Antwort. Klare Aussagen konnte Rennet aber bezüglich der Entwicklung des Marktes machen: „Die Gewichtsspirale ist durch die Intensivierung des Leichtbaudesigns sowie durch neue Werkstoffe in den letzten zehn Jahre durchbrochen worden.“ Das sei vor dem Hintergrund steigender Funktionalitäten, beispielsweise im Sicherheitsbereich beachtlich.

Überall noch Potenzial

Die Gewichtsreduktion wurde dabei laut dem Berater vor allem in den Bereichen Karosserie, Fahrwerk und Sitzstrukturen vorangetrieben. Nichtsdestotrotz identifiziert PA Consulting immer wieder neue Potenziale für den Leichtbau. Das Unternehmen sieht bis 2020 dieses Leichtbaupotenzial zwischen 20 bis 30 Prozent. Mit Blick auf die Komponenten scheint noch „überall Potenzial vorhanden.“

Und Andreas Rennet betont: „Der Markt für den Leichtbau ist da, aber nicht so schnell wie erwartet.“ Der Blick auf die Fülle aktueller Ansätze bestätige das. Doch diese in Serie zu bringen, sei oft schwierig. Vor allem für die Zulieferer gebe es dabei nämlich einige Herausforderungen zu überwinden: Hohe Komponentenpreis, fehlende Referenzen und Wissenslücken bilden demnach nur einige Probleme, den es sich zu stellen gilt.

Knackpunkt Preis

Vor allem am Preis aber scheitern aus Sicht des PA Consulting-Manns Rennet viele innovative Ansätze. Zudem verfolge der jeweilige Verkauf der betroffenen Unternehmen andere Ziele. Der Blick dieser Abteilungen gehe meist nicht über Systemgrenzen hinweg. „Es ist schwierig den Einkauf davon zu überzeugen, dass eine Leichtbau-Lösung besser ist, auch wenn sie höhere Kosten mit sich bringt“, so Rennet.

Es stehe aber auch fest, dass die OEMs die Zulieferer brauchen, um alle Leichtbaupotenziale zu heben. Nur gemeinsam können sie nämlich die vorhandenen Risiken minimieren. Zu diesen zählen beim OEM beispielsweise höhere Entwicklungskosten oder fehlendes Know-how für neue Technologien während die Zulieferer Entwicklungen am Markt vorbei vermeiden müssen oder die späte Einbindung in den Entwicklungsprozess fürchten.

Guidelines befolgen

Andreas Rennet hielt vor diesem Hintergrund fest das „Leicht nicht leicht ist“. Und er forderte die Zulieferer auf, Methoden zur Risikominimierung sowie einen auf die Leichtbaulösung zugeschnittenen Business Case zu konzipieren. Zudem gilt es den konkreten Mehrwert der Lösung zu vermarkten. Erst so könne man auch den OEM überzeugen.

Um den Leichtbau dann auch „leicht“ zu verkaufen sollten die Zulieferer einige Guidelines befolgen. Die Einhaltung mehrerer Schritte ist dabei zielführend. So empfahl Rennet zuerst eine Portfolio-Analyse, die beispielsweise Fehlinvestitionen vermeiden soll. Danach könne ein systematischer Innovationsprozess für die Konzeptentwicklung angestoßen werden, um einen klaren Arbeitsraum zu generieren.

Langsamer ist hier sicherer

Als dritten Punkt nannte Rennet die gesamtheitliche Kostenbewertung, durch die alle Effekte berücksichtigt werden und so auch ein finanzieller Mehrwert der Leichtbauansätze erkennbar sei. Dazu zähle natürlich auch die Berechnung eines Business Case. Viertens gilt es eine so genannte Value Proposition zu entwickeln. Kosten werden dafür bewertet, Argumente hierzu gesammelt und als Ergebnis sollen Verkaufsunterlagen stehen, die den Business Case transparent machen.

Zuletzt empfahl der Berater die frühzeitige Einbindung in den Produktentwicklungsprozess. Das biete sowohl für den OEM (oder Tier1) als auch für den Zulieferer (Tier 1 oder Tier n) deutliche Vorteile für die Entwicklung von neuen Leichtbaukonzepten und Bauteilen. Rennet machte deutlich, dass dieses Vorgehen zwar den Eintritt in den Markt verlangsamt. Er betonte aber gleichzeitig, „dass so das Risiko sinkt, in falsche Richtungen zu gehen.“

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