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Detroit Autoshow

Leistungsschau ohne Alternativen

| Autor/ Redakteur: Stefan Grundhoff / Jens Scheiner

Die Detroiter Autoshow sucht nach ihrem Platz im internationalen Messereigen. Dass sie nicht mehr zu den Top-Adressen gehört, zeigt aktuell das Ausbleiben der Europäer. Doch der Messerundgang öffnet einen unverstellten Blick auf die Vorlieben des US-Markts.

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Auf der NAIAS in Detroit dominieren bullige US-SUV und Pick-up-Trucks die heimischen Neuheiten. Die Importeure steuern leistungsstarke Sportwagen bei.
Auf der NAIAS in Detroit dominieren bullige US-SUV und Pick-up-Trucks die heimischen Neuheiten. Die Importeure steuern leistungsstarke Sportwagen bei.
(Bild: NAIAS)

Es wäre eine echte Chance gewesen und zwar eine große. Nachdem die europäischen Automarken der Detroit Autoshow in diesem Jahr in breiter Front den Rücken gekehrt haben, hätten die amerikanischen Hersteller der Heimmesse zu einem Neustart verhelfen können. Doch die Auftritte blieben blass.

Das letzte Mal findet die NAIAS (North American International Auto Show) in diesem Jahr als Jahresauftaktveranstaltung im Monat Januar statt. Ab 2020 wandert die Show in der Automobilhochburg Detroit in der Hoffnung auf eine größere Akzeptanz in den Juni. Es erscheint mehr als zweifelhaft, dass dadurch die geflüchteten Hersteller aus Europa zurückkommen nach Motown. Denn grundsätzlich war vielen internationalen Ausstellern das Signal zum Jahresauftakt schon wichtig. Umso mehr überrascht der diesjährige Auftritt der Heimspieler: Sie gaben nicht zum ersten Mal eine blutleere Vorstellung in der grauen Cobo Hall.

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NAIAS ohne internationaler Relevanz

Echte Neuigkeiten mit internationaler Relevanz haben auf der NAIAS 2019 Seltenheitswert. General Motors, Ford und Chrysler haben zwar einige Neuheiten im Gepäck, doch die Messe in Downtown Detroit hat einen Unterhaltungswert, der dem imaginären Autosalon von Castrop-Rauxel zur Ehre gereichen würde. Entertainment und Show gehören bei einer wichtigen Leistungsschau eben dazu – gerade wenn die Neuigkeiten imposanter sein könnten und viele Stars fehlen.

Immerhin: Volkswagen kämpft mit seinem neuen Passat gegen das nordamerikanische Limousinen-Sterben, Toyota will sich mit dem bayerisch angehauchten Supra (mit viel BMW-Technik) und der seriennahen Studie des Lexus LC Cabrio mehr Emotionalität verleihen und Cadillac unternimmt den nächsten Versuch, sich als Premiummarke gegen die geflohene europäische Konkurrenz in Szene zu setzen.

Doch auch der Ausblick für die Messe ist wenig überzeugend: Die Flucht vor dem Winterwetter (so eine offizielle Erklärung für den Schritt) auf den neuen Termin im Juni (ab 2020) zerstört den letzten Rest vom Nimbus der ersten internationalen Automesse im Jahr. Vor diesem Hintergrund erscheint ein internationales Comeback der NAIAS unwahrscheinlich. Vielmehr wird man sich in Detroit mittelfristig mit der Motorshow in Chicago zusammentun müssen, die bisher im Februar stattfindet. Zwei US-Automessen im Nordosten der USA ohne nennenswerte internationale Bedeutung sind kaum zu halten.

Die Fabrikate und ihre Neuheiten

So knüpft Volkswagen zwar große Hoffnungen an seinen neuen Passat, doch das Modell hat nichts mit der europäischen Version zu tun, da die US-Variante noch auf der alten PQ35-Plattform beruht und allein mit einem 174 PS starken Zweiliter-Turbo verfügbar ist, der obligatorisch an Frontantrieb und Sechsstufenautomatik gekoppelt bleibt. Wem die Mittelklasse-Limousine aus Chattanooga zu müde sein sollte, wird auf der NAIAS am Subaru-Stand fündig. Ohne großen Pomp stellen die japanischen Allradspezialisten mit dem „STi 209“ das sportlichste Serienmodell aller Zeiten vor. Der 2,5 Liter große Turbomotor mit 341 PS trägt dabei echte Nürburgring-Gene in sich. Leider ist die auf 200 Fahrzeuge limitierte Sportvariante für die USA vorgesehen.

Audi, Porsche, Jaguar, BMW, Mercedes und Tesla stellen ihre neuen Modelle lieber an anderer Stelle vor und bespielen die Messe nicht mehr. So hätten die amerikanischen Hersteller eine gute Möglichkeit gehabt, die vor Jahren verlorene Heimatshow wieder unter die eigene Herrschaft zu holen. Doch die lokalen Marken haben derzeit andere Sorgen, weil die immer schlechter laufenden Limousinen der Mittel- und Oberklasse dafür sorgen, dass Portfolios ausgedünnt, Modelle gestrichen und Werke geschlossen werden. Das interessiert viele Besucher der NAIAS 2019 mehr als die neuen Modelle.

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Pick-ups, Sportwagen und große SUV stehen im Fokus

Der Handelsstreit mit China tut sein Übriges, dass es in den USA derzeit trotz eines Neuwagenmarktes von stabilen 18 Millionen Fahrzeugen nicht rund läuft. Wenn etwas verkauft wird, sind es die mächtigen Pick-ups von Ford, Chevrolet und Dodge, die hier den Namen Full Size Trucks tragen und auch im vergangenen Jahr 2018 mit Abstand die meistverkauften Modelle auf dem US-Markt waren. Überhaupt ist auf der NAIAS 2019 mit alternativen Antrieben nicht viel zu holen. Pick-ups, Sportwagen und insbesondere große SUV geben in Motown einmal mehr den Ton an. Besonders fett: der RAM 3500 Heavy Duty von Dodge, der nicht nur mit 6,4 Liter großen V8-Benziner, sondern auch einem mächtigen 6,7-Liter-Turbodiesel zu bekommen ist, der gigantische 1.350 Nm leistet und knapp 16 Tonnen ziehen kann. Und wem das noch nicht genug den Atem raubt, steigt einfach in den über 700 PS starken Ford Mustang Shelby GT. „Carroll arbeitete immer an dem nächstschnelleren Shelby. Ich denke, er würde diesen Mustang mehr lieben als jeder andere“, sagte Ford-Vize Jim Farley.

Ford zeigt in Detroit darüber hinaus erstmals seinen neuen Explorer, der ähnlich wie sein Sportwagenvorbild Mustang Chancen haben dürfte, nach Europa zu kommen. Der Oberklasse-SUV ist nicht nur als Benziner und einer 400 PS ST-Sportversion, sondern auch als 318 PS starker Hybride zu bekommen. Ungewiss ist die europäische Zukunft für den neuen Cadillac XT6, der mit etwas blassem Design und entsprechenden Antrieben hinter den Erwartungen zurückblieb. So dürfte er Modelle wie einen BMW X5 oder den Mercedes GLE kaum unter Druck setzen. Zumindest hat er kaum eine echte Chance in Europa und dürfte sich selbst in seiner Heimat USA gegen die starke Konkurrenz aus Asien und Europa schwertun.

Elektrostudie von Callidac

Cadillac soll zudem zur elektrischen Speerspitze des General Motors Konzerns werden. Ein Ausblick in diese Zukunft gibt die Studie eines elektrischen SUV. Erste Elektromodelle dürften jedoch kaum vor 2021 zu den Kunden rollen. Und nicht nur von General-Motors-Verantwortlichen ist zu hören, dass die Nachfrage außerhalb von China sehr überschaubar sei. „Cadillacs EV wird das Herz des Crossover-Marktes treffen und die Bedürfnisse der Kunden auf der ganzen Welt erfüllen", unterstreicht Cadillac-CEO Steve Carlisle vollmundig. Nicht ganz so edel wie der über fünf Meter lange Luxus-Siebensitzer aus dem Hause Cadillac ist der neu aufgelegte Chevrolet Blazer.

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Abgesehen vom 340 PS starken Toyota Supra als geschlossenem Zwillingsbruder des BMW Z4 sind die wichtigsten Neuheiten ganz überwiegend SUV. Denn neben dem Ford Explorer und dem Cadillac XT6 enthüllt Kia mit dem Telluride den größten SUV, den die Koreaner jemals entwickelt haben. Angetrieben wird dieser über fünf Meter lange Allradler von einem 3,8-Liter-V6 mit 291 PS. Ebenfalls ein SUV, aber elektrisch angetrieben, ist die Studie Infiniti QX Inspiration.

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