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Übernahmen in der Autoindustrie M&A-Spezialist: „Es kündigt sich eine neue Welle an“

| Autor: Christian Otto

Christian Saxenhammer, Managing Director der Berliner M&A Boutique Saxenhammer & Co. Corporate Finance, gibt Einblicke in die derzeitige Konsolidierung der mittelständischen Zulieferindustrie. Er weiß, welche Gewerke am meisten unter Druck stehen und warum Made in Germany immer noch überzeugt.

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M&A-Spezialist Christian Saxenhammer betreut Zuliefererkunden bei der Exit-Strategie.
M&A-Spezialist Christian Saxenhammer betreut Zuliefererkunden bei der Exit-Strategie.
(Bild: Saxenhammer)

Herr Saxenhammer, gerade Mittelständler aus der Zulieferindustrie stehen derzeit vor der Frage, ob sie sich aufgrund des Transformationsdrucks als M&A-Ziel anbieten. Welche Gewerke kommen am meisten ins Bedrängnis?

Es betrifft natürlich vor allem Firmen im Bereich Antriebsstrang. Da herrscht derzeit der größte Druck. Ich glaube aber, dass es davon losgelöst derzeit einen Trend zur Größe gibt. Die OEMs und Tier-1-Zulieferer wollen mit größeren Einheiten zu tun haben, um stabilere Partner zu haben. Diese müssen eine gewisse Finanzkraft für neue Technologien mitbringen und einen globalen Footprint haben. Ein Mittelständler mit 100 Millionen Euro Umsatz kann das nicht leisten.

Wie viele Firmen dürften in Deutschland jährlich die Exit-Strategie wählen? Hat deren Zahl zugenommen?

Die Transaktionen sind gestiegen. Das ist aber dem allgemeinen Markttrend geschuldet. Der M&A-Markt ist gewachsen. Es kündigt sich aber eine neue Welle an. Das ist relativ aktuell, da der Switch zu Elektromobilität, der vor allem von VW getrieben wird, noch relativ frisch ist. Nun überlegen die Mittelständler, ob sie sich diesen Wandel leisten können. Sie sollten sich auf jeden Fall die Frage stellen, ob sie den Wandel in den nächsten fünf bis zehn Jahren mitgehen können oder ob sie sich damit überheben.

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Zur Person

Christian Saxenhammer ist Managing Director der Berliner M&A Boutique Saxenhammer & Co. Corporate Finance GmbH. Vor seiner Tätigkeit bei Saxenhammer & Co. arbeitete er bei der Lincoln International AG als Managing Director der der von ihm gegründeten Special Situations Group. Christian Saxenhammer hat mehr als 200 M&A-Transaktionen begleitet. Den Schwerpunkt bilden dabei Transaktionen in Sondersituation. Er hat zudem GSS, ein internationales Netzwerk von M&A-Boutiquen mit Fokus auf Sondersituation mit Partnerfirmen in China, den USA, Brasilien, Großbritannien, Singapur und Indien, gegründet. Vor seiner Zeit bei Lincoln International war er u.a. als Senior-Consultant im Roland Berger Restructuring Team Berlin und als Analyst bei der Commerzbank London tätig.

Wird es trotzdem auch im schwierigen Verbrenner-Umfeld Firmen geben, die Mitbewerber aufkaufen, um zumindest mittelfristig sein Geschäft nochmals auszubauen und zu sichern?

Es ist ja nicht so, dass der Verbrenner morgen abgeschafft wird. Ich glaube, dass er mindestens noch zehn Jahre produziert wird und dann kommt noch die Ersatzteilversorgung, denn die Flotten laufen ja noch weiter. Somit wird die Technologie auch noch in den kommenden 20 Jahren in großen Stückzahlen benötigt, aber mit abnehmender Tendenz. Das ist ein Marktumfeld, in dem man konsolidieren muss, um Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen. Und wenn man da eine marktführende Stellung hat, kann man davon auch finanziell profitieren. Sie können nämlich zum einen die Kapazität anpassen und zum anderen einen Verhandlungsdruck bei den Herstellern aufbauen, um gute Margen zu bekommen.

Was sind neben dem Transformationsdruck noch weitere Gründe zu verkaufen? Ist es auch das Thema Nachwuchsmangel bei inhabergeführten Firmen?

Auch. Aber hier steht uns eine Veränderung vor, da viele Unternehmer nochmals zehn Jahre ran gehangen haben und nun in den Siebzigern sind. Gerade die Millenials haben andere Vorstellungen von ihrem Leben als die Eigner und Gründer.

Wer sind die Hauptinteressenten für den Kauf – andere Wettbewerber, Privat-Equity-Firmen oder ausländische Investoren?

Also Finanzinvestoren sind eher auf der Verkaufsseite und verabschieden sich aus der Branche, weil sie das Risiko streuen wollen. Es gibt strategische Käufer und zunehmend welche aus dem Ausland. Gerade bei Motorenteilen haben wir ausschließlich Interesse aus China. Solche Prozesse laufen auch immer in Abstimmung mit dem Hersteller ab und da wünscht der OEM sich oftmals eine chinesische Firma.

Um sich hübsch zu machen, empfehlen Sie zuerst eine überzeugende Investorenstory zu konzipieren. Was heißt das konkret?

Made in Germany ist weiterhin ein überzeugendes Element. Trotzdem hat man im Segment des klassischen Antriebsstrangs eher durchwachsene Zukunftschancen. Entsprechend muss man überlegen, was die konkreten Stärken sind und wo es Anknüpfungspunkte gibt, in andere Bereiche auszuweichen. Vielleicht kann man beispielsweise in der Metallbearbeitung auch Kunden in anderen Branchen auf- und ausbauen. Man muss es gut verpacken, um Interesse zu generieren.

Gehen Sie konkret in die Unternehmen hinein, um Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten?

Das machen wir. Und wir entwickeln zusammen auch ein Zukunftskonzept, um in ein bis zwei Jahren gut aufgestellt zu sein. Vielleicht gibt es die Möglichkeit zur Branchendiversifikation. Und wir klären, wie wir den Anteil der Non-Automotive-Kunden erhöhen.

Sie verweisen auf einen Vorlauf von mindestens sechs Monaten. Welche Probleme entstehen durch zu kurze oder aber zu lange M&A-Prozesse?

Das ist ein Erfahrungshorizont. Zu kurze Prozesse suggerieren dem potenziellen Investor oder Erwerber, dass es Probleme im Unternehmen gibt. Es kommt der Eindruck auf, dass man Probleme durch einen schnellen Verkauf kaschieren will. Das ist ein fatales Signal, weil es Misstrauen mit sich bringt und nicht förderlich für den Verkaufserlös ist. Und zu lang ist ebenfalls schwierig, da ein solcher Prozess auch Ressourcen kostet, insbesondere beim Thema Personalkapazitäten. Das bindet Arbeitszeit und es entwickelt sich zudem eine gewisse Müdigkeit – beim Unternehmen wie bei den Investoren.

Als M&A-Berater suchen Sie auch aktiv Investoren. Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Wir haben eine sehr hohe Erfolgsquote, wenn die Bereitschaft beim Unternehmer ist. Sie liegt bei über 90 Prozent. Die Fälle, die das reduzieren, sind die, wo der Unternehmer wankelmütig ist, denn so eine Transaktion ist ein emotionales Thema.

Wie viele Mandate haben Sie derzeit?

Wir machen etwa 30 Transaktionen pro Jahr und haben derzeit 20 Mandate.

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Über den Autor

 Christian Otto

Christian Otto

stellvertretender Chefredakteur, AUTOMOBIL INDUSTRIE