Der Zulieferer Mahle hat die Trendwende geschafft. „Wir haben das Geschäftsjahr 2023 mit Gewinn abgeschlossen“, freute sich CEO Arnd Franz bei der Bilanzvorlage.
Das automatisierte Positioniersystem von Mahle zum kabellosen Laden von E-Fahrzeugen wurde im Jahr 2023 zum globalen Standard erklärt.
(Bild: Mahle)
Das Geschäftsjahr 2023 schloss Mahle mit einem Rekordumsatz und schwarzen Zahlen ab. Der Umsatz stieg – bereinigt um Wechselkurseffekte – organisch um gut acht Prozent auf 12,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) stieg von 60 Millionen Euro (2022) auf 304 Millionen Euro. Das Konzernergebnis fiel mit 26 Millionen Euro positiv aus, nicht zuletzt durch die unerwartete Sonderkonjunktur im Verbrennergeschäft, teilt der Zulieferer mit. Die Zahl der Beschäftigten blieb 2023 mit knapp 72.500 weltweit stabil.
„Wir befinden uns im Aufwind“, sagte Arnd Franz, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CEO, am Dienstag (16.4.) auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens. „Auch wenn wir aktuell ein weiteres äußerst volatiles Jahr vor uns haben. Die Richtung stimmt.“
Mahle trennt sich von Unternehmensteilen
Mahle-CEO Arnd Franz: „Wir tun alles, um E-Mobilität attraktiver und erschwinglicher zu machen”
(Bild: Mahle)
Die Neuausrichtung des Konzerns im Zuge der Strategie „Mahle 2030+“ auf die drei Felder Elektrifizierung, Thermomanagement und nachhaltige Verbrennungsmotoren zahle sich aus, sagte Franz weiter. Der Zulieferer habe seine Ertragskraft verbessert und sein Portfolio bereinigt. Als Beispiele nannte er den Verkauf des 50 Prozent-Anteils am Joint Venture BHTC und den Verkauf des Thermostate-Erstausrüstergeschäfts.
Das wolle man 2024 fortführen: „Ziel ist es, unsere Profitabilität kontinuierlich zu verbessern.“ Als Beispiele nannte CFO Markus Kapaun Initiativen in Einkauf, Produktion, Vertrieb und Verwaltung. Mittelfristig strebe der Zulieferer eine EBIT-Marge von etwa sieben Prozent an.
Umsatzplus bei Verbrennertechnik
Zum Umsatzwachstum trugen alle Geschäftsbereiche und Weltregionen bei. Insbesondere in Europa und Nordamerika legten die Geschäftsbereiche, die überwiegend mit dem Verbrennungsmotor verbunden sind, deutlich zu. So wuchs der Umsatz bei Motorsystemen und -komponenten global wechselkursbereinigt um über neun Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Der Geschäftsbereich Filtration und Motorperipherie wuchs wechselkursbereinigt um fast zehn Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Sehr gute Ergebnisse erzielte der Geschäftsbereich Aftermarket mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro (+22 Prozent).
Insgesamt erzielt Mahle über 60 Prozent des Umsatzes mit Produkten, die nicht unmittelbar am Pkw-Verbrennungsmotor hängen. Konkret steigerte die Sparte Elektronik und Mechatronik ihren Umsatz leicht auf 1,4 Milliarden Euro, das Geschäftsfeld Thermomanagement wuchs wechselkursbereinigt um vier Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Geld habe man allerdings mit der E-Mobilität keines verdient, bestätigte Franz auf Nachfrage: „Dafür brauchen wir Stückzahlen. Die erwarteten Abrufe kamen nicht.“ Dennoch sei die Elektrifizierung das Zukunftsthema. „Unser Fokus liegt dabei auf elektrischen Antrieben und intelligentem Laden. Wir tun alles, um E-Mobilität attraktiver und erschwinglicher zu machen.“
Mit einem neuen Baukasten für E-Motoren bietet Mahle Antriebe für Pkw und Nutzfahrzeuge, die laut Mitteilung sehr effizient dauerhaft hohe Spitzenleistung erbringen und dabei ohne Seltene Erden auskommen. Beim kabellosen Laden von E-Fahrzeugen wurde das neue automatisierte Positioniersystem von Mahle zum globalen Standard erklärt.
Großaufträge im Bereich Thermomanagement
Für sein neues Thermomanagement-Modul hat Mahle jüngst zwei Großaufträge erhalten, deren Gesamtauftragsvolumen knapp 1,5 Milliarden Euro beträgt. Die Module kombinieren eine Reihe von Komponenten zum Heizen und Kühlen verschiedenster Systeme im Fahrzeug. Neben kleineren Bauräumen und drastisch reduziertem Montageaufwand bringe der Modulansatz deutlich mehr Effizienz. So könne die Reichweite eines E-Autos um bis zu 20 Prozent und auch die Ladegeschwindigkeit deutlich steigen.
Insgesamt erhielt Mahle im Jahr 2023 Neuaufträge im Erstausrüstungsgeschäft mit einem Gesamtvolumen von deutlich mehr als zehn Milliarden Euro. Dies betraf laut Mitteilung alle drei Strategiefelder von Mahle sowie alle Fahrzeugklassen und Antriebsformen. Die F-&-E-Aufwendungen erhöhten sich 2023 auf gut 670 Millionen Euro. Dies entsprach mehr als fünf Prozent des Umsatzes. Daraus resultierten 340 neue Patentanmeldungen, 70 Prozent davon betrafen die Elektrifizierung.
Multipfadstrategie bei Antrieben notwendig
Seine Expertise für Verbrennungsmotoren hat Mahle im Jahr 2023 genutzt, um den Weg für nachhaltige Kraftstoffe motorseitig freizumachen. Denn eines sei klar, betonte Franz: „Allein mit der E-Mobilität werden wir die Klimaziele nicht erreichen.“ Insbesondere in Schwellenländern und einigen Bereichen des Nutzfahrzeugsektors würden Verbrennungsmotoren auf absehbare Zeit der Antrieb der Wahl bleiben. Franz erneuerte seine Forderung nach einer Multipfadstrategie bei Antrieben, wie sie Japan, China oder Nordamerika bereits verfolgen: „Wir brauchen verantwortungsvolles regulatorisches Handeln, das an der Realität ausgerichtet ist – auch für eine wirtschaftlich und beschäftigungspolitisch machbare Transformation.“
Stand: 08.12.2025
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„Gerade als Stiftungsunternehmen ist für Mahle die gesellschaftliche Teilhabe und die Verantwortung für Mensch und Umwelt Teil unseres Selbstverständnisses. Dafür brauchen wir, wie andere Unternehmen auch, richtige Rahmenbedingungen“, schloss Franz mit einem Appell. Deutschland müsse international wettbewerbsfähig sein und wieder zum Motor Europas werden. Mit schnellem Bürokratieabbau, wettbewerbsfähigen Energiekosten, zuverlässiger Infrastruktur, politischer und regulatorischer Stabilität und Planbarkeit sowie Behebung des Fachkräftemangels; mit Techniknachwuchs aus Schulen und Hochschulen, der den Willen habe, Zukunft zu gestalten.
Die Wahl zum Europäischen Parlament im Juni werde hier eine zentrale Rolle spielen, weshalb Mahle bei seiner Belegschaft dafür werben werde, zur Wahl zu gehen. Der Zulieferer hofft in der nächsten Legislaturperiode auf eine starke Industriepolitik, die Wettbewerbsfähigkeit und Standortbedingungen in den Fokus rückt. „Wir plädieren für eine sachorientierte Politik, die bei Technologie nicht auf Verbote setzt, sondern auf Vielfalt“, bekräftigte der CEO.