Suchen

Nutzfahrzeuge MAN stellt neue Lkw-Generation vor

Autor / Redakteur: dpa/Thomas Günnel / Thomas Günnel

Fahrermangel und knappe Gewinnmargen fordern Transportunternehmen heraus. Der Münchner Lkw-Hersteller MAN will mit seinen neuen Trucks Spediteuren vor allem diese beiden Themen helfen.

Firmen zum Thema

Premiere für die neuen Modelle von MAN in Bilbao. Es sind die ersten neuen Trucks des Herstellers seit 20 Jahren.
Premiere für die neuen Modelle von MAN in Bilbao. Es sind die ersten neuen Trucks des Herstellers seit 20 Jahren.
(Bild: MAN Truck & Bus SE)

Nach 20 Jahren bringt MAN wieder eine neu entwickelte Lastwagen-Generation auf den Markt. Vorstandschef Joachim Drees präsentierte die Modellreihen am Montagabend (10. Februar) in der spanischen Hafenstadt Bilbao Spediteuren und großen Transportunternehmen aus ganz Europa – die die Trucks in den nächsten Tagen testen können.

Der Zeitpunkt scheint auf den ersten Blick ungünstig: Die Konjunktur schwächelt, MAN erwartet dieses Jahr einen Auftragseinbruch um mindestens zehn Prozent, streicht Schichten und schickt Leiharbeiter nach Hause. Aber die Branchenexperten der Schweizer Bank UBS erwarten, dass das Unternehmen mit dem Modellwechsel Marktanteile gewinnen kann. Und: Das Transportvolumen in der EU – wo MAN den größten Teil seiner Lkw verkauft – soll in den kommenden 20 Jahren um 40 Prozent zulegen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Acht Prozent geringerer Verbrauch

Autokäufern sind das Aussehen und der Kaufpreis ihres Fahrzeugs wichtig. Ein Transportunternehmen dagegen muss Geld damit verdienen und schaut vor allem auf die Kosten über die gesamte Laufzeit, wie Martin Bulheller vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) erklärt. Die neue Lkw-Generation des Herstellers verbraucht entsprechend bis zu acht Prozent weniger Diesel – neue Software, bessere Aerodynamik und digitale Hilfen für eine effizientere Fahrweise sollen es ermöglichen. Außerdem soll die Wartung durch neue Bauteile und die Vernetzung mit Zentrale und Werkstatt einfacher und schneller sein. Updates für neue digitale Dienste erfolgen unterwegs.

Ich komm' zu dir, wenn du mir einen Scania hinstellst.

Die Gesamtkosten sind inzwischen nicht mehr der einzige Maßstab, sagt Bulheller. Heute haben Fahrer ein gewichtiges Wort mitzureden. Denn allein in Deutschland fehlen in den kommenden zwei Jahren 150.000 Berufskraftfahrer. „Früher hatten viele Transportunternehmen eine einzige Marke. Heute sind die Fuhrparks bunt gemischt. Durch den Fahrermangel ist da Bewegung reingekommen“, sagt Bulheller. Ein Fahrer könne heute sagen: „Ich komm' zu dir, wenn du mir einen Scania hinstellst.“ Oder einen Mercedes, Volvo, DAF oder MAN: „Jede Marke hat ihre Fans.“

Fahrer haben mitentwickelt

Um aus erster Hand zu erfahren, wie der ideale Arbeitsplatz und Lebensraum im Lkw aussehen muss, besuchten die MAN-Entwickler Autohöfe und Rastplätze und zeigten 700 Fahrern verschiedene Prototypen. „Das Feedback der Profis und ihre persönlichen Wünsche flossen direkt in die neuen Baureihen ein“, sagt ein Sprecher. Raumangebot, Schlafkomfort, anwenderfreundliche Bedienung seien am Fahreralltag ausgerichtet, denn das könne im Wettbewerb um Lkw-Fahrer ein entscheidender Vorteil sein. Im neuen MAN TGX oder TGL gibt es weiter Außenspiegel statt Außenkameras. Viele Knöpfe und Schieberegler wurden bewusst belassen, nicht aufs Display verlegt. Die Tonnagespanne reicht von 7,5 bis 41 Tonnen, bei Schwertransportanwendungen sind 250 Tonnen zulässiges Gesamtzuggewicht möglich.

Mit Spurwechsel- und Stauassistent soll der neue MAN Fahrern das Leben erleichtern und für mehr Sicherheit sorgen – auch mit einem Abbiege-Assistenten ab Werk, der Radler und Fußgänger schützen soll. Der Abbiege-Assistent ist allerdings nicht serienmäßig, wohl auch, weil er noch nicht vorgeschrieben ist.

Elektrische Trucks ab 2024

Der neue MAN-Truck fährt mit Diesel, die Motoren decken Leistungsklassen zwischen 160 und.640 PS ab. Außerdem sollen sich alle neuen Antriebe leicht integrieren lassen. „Wir planen, ab dem Jahr 2024 auch Elektroantriebsvarianten der Neuen Truck-Generation in das Serienangebot aufzunehmen. Bis dahin wird es Kleinserien geben“, sagt ein Unternehmenssprecher. Die Nachfrage nach E-Lastwagen für den Schwerverkehr sei gering: Sie sind teuer, die Infrastruktur fehlt. Die EU verpflichtet die Lkw-Hersteller, den CO2-Ausstoß innerhalb der kommenden zehn Jahre um 30 Prozent zu senken. Sonst drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

Die Unternehmensberatung BCG erwartet, dass bis dahin auch schwere E-Lastwagen auf die Straße kommen und der Verkauf von Diesel-Lastwagen dann weltweit um zehn Prozent sinkt. Gebaut werden die neuen MAN-Lastwagen im Stammwerk München, Steyr, Krakau und später auch in St. Petersburg. Die Motoren kommen aus Nürnberg. Weit mehr als 6.000 Beschäftigte arbeiteten an den neuen Trucks, Tendenz steigend, teilte das Unternehmen mit.

MAN hat im Jahr 2018 gut 95.000 Lastwagen verkauft – die meisten in Europa – und damit 9,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Mit dem schwedischen Hersteller Scania und der südamerikanischen VW Caminhoes gehört MAN zur VW-Tochter Traton. In den beiden größten Lkw-Märkten, China und USA, ist MAN nicht unterwegs. In China spielen Zuverlässigkeit und Fahrer-Komfort eine geringere Rolle. Traton ist dort nur am Hersteller Sinotruk beteiligt. In den USA will Traton den US-Hersteller Navistar gerade komplett übernehmen.

(ID:46358622)