Transformation E Mercedes-Benz baut Elektromotoren in Berlin-Marienfelde

Von Thomas Günnel

Das Werk in Berlin-Marienfelde ist das älteste im Produktionsnetz von Mercedes-Benz. Künftig werden dort Hochleistungs-Elektromotoren von Yasa montiert – und ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung entsteht.

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Mercedes-Benz baut in seinem Werk in Berlin-Marienfelde Axialflussmotoren selbst.
Mercedes-Benz baut in seinem Werk in Berlin-Marienfelde Axialflussmotoren selbst.
(Bild: Mercedes-Benz)

Im Juli dieses Jahres hat Daimler den britischen Hersteller für Elektromotoren, Yasa, übernommen; und mit ihm sein Know-how zu Axialflussmotoren. Die Motoren fertigt Mercedes künftig im eigenen Werk in Berlin-Marienfelde, ihren ersten Einsatz haben sie in AMG-Modellen. Ob die Motoren später auch in Großserienfahrzeugen eingesetzt werden, ist noch offen. „Wir beginnen jetzt mit der Produktion der Motoren. Wegen der Eigenschaften der Motoren hat ihr Einsatz bei AMG für uns zunächst Priorität“, sagte Jörg Burzer, Produktionsvorstand bei Mercedes-Benz, bei einer Presseveranstaltung.

Axialflussmotoren haben konstruktionsbedingt bei geringem Bauraum eine hohe Leistungsdichte und ein andauernd hohes Drehmoment. Ihr deutlichster Vorteil ist, dass der sich drehende Rotor einen größeren Durchmesser hat – er dreht sich entlang des Stators und nicht in ihm. „Das Drehmoment ist gleichzusetzen mit der Kraft multipliziert mit dem Radius. Bei einer Axialfluss-Konstruktion ist der Radius größer als bei einem herkömmlichen Radialmotor – entsprechend ist das Drehmoment bei gleicher Kraft höher“, beschreibt es das Start-up Yasa.

Bei gleichem Dauermagneten und gleicher Kupferwicklung sei ein höheres Drehmoment verfügbar. Daraus resultiere eine rund 30 Prozent bessere Drehmomentdichte gegenüber einem herkömmlichen Radialmotor. Yasa beziffert die Daten seiner eigenen Motoren designbedingt auf „einen Leistungsdichtevorteil von mehr als 30 Prozent und einen Reichweitenvorteil von fünf Prozent gegenüber radialen Elektromotoren“.

Daimler produziert E-Motoren selber

Axialflussmotoren benötigen bauartbedingt weniger Platz als Radialflussmotoren und haben eine höhere Leistungsdichte.
Axialflussmotoren benötigen bauartbedingt weniger Platz als Radialflussmotoren und haben eine höhere Leistungsdichte.
(Bild: Mercedes-Benz)

„Für uns bedeutet das eine neue Wertschöpfungstiefe, weil wir bisher keine Elektromotoren produziert haben“, sagte Jörg Burzer. Die Entwicklung bleibt am Sitz von Yasa in Oxford, „wir entwickeln künftige Motoren gemeinsam“, erklärte der Produktionsvorstand.

Am Standort in Marienfelde baut der Automobilhersteller zudem aktuell seinen „Digital Factory Campus Berlin“ auf, ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung im Produktionsnetzwerk. Das Ziel: den weltweiten Rollout von Releases und Apps des Produktionsökosystems „MO360“ unterstützen. Der Campus wird außerdem Trainings- und Qualifizierungszentrum für die Software; und Ausbildungszentrum.

Das heißt: Schulungsprogramme für das Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz werden hier basierend auf einer digitalen Lernplattform entwickelt und implementiert. „Die Plattform ist ein eigenes System, das wir mit einigen Partnern betreiben“, beschrieb Burzer, „Wir bauen gerade sehr viel selbst und wollen uns stark virtuell ausrichten.“

Qualifizieren statt neu einzustellen

Ganz real ist der Kampf um die Fachkräfte, bei dem Daimler mit dem nur rund 50 Kilometer entfernten Tesla in Grünheide konkurriert. Aber: „Wir wollen nicht neu einstellen, sondern die Menschen die hier schon arbeiten weiterqualifizieren“, erklärte Jörg Burzer, und zeigte sich zuversichtlich, dass er mit dem Berliner Team die richtigen Leute hat: „Es ist unglaublich, wie viele Menschen die jetzt in der Fertigung arbeiten auch coden können“, sagte er.

Neue Jobs soll der Digital Factory Campus dennoch bringen, wie viele sei aber noch nicht klar. In Marienfelde sind aktuell rund 2.300 Menschen beschäftigt. Ein Teil von ihnen fertigt noch den V6-Dieselmotor, „in sehr reduziertem Umfang“. Das Ende der Fertigung ist absehbar, lediglich das Datum steht offiziell noch nicht fest.

Insgesamt will das Unternehmen in den nächsten sechs Jahren einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in das Werk Berlin-Marienfelde investieren. Bis zum Jahr 2030 will Mercedes-Benz vollelektrisch sein, „wo es die Marktbedingungen zulassen“.

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