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Kommentar Mit Wasserstoff in die Zukunft

| Autor / Redakteur: Claus-Peter Köth / Svenja Gelowicz

Die Automobilindustrie baut weiterhin vor allem Komponenten für und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Mit den Kaufprämien für E-Autos kann sie deshalb nur wenig anfangen. Vielversprechender sind die sieben Milliarden Euro für den Hochlauf der Wasserstofftechnologie: Ein Kommentar von »Automobil Industrie«-Chefredakteur Claus-Peter Köth.

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»Automobil Industrie«-Chefredakteur Claus-Peter Köth
»Automobil Industrie«-Chefredakteur Claus-Peter Köth
(Bild: Stefan Bausewein)

„Das Coronavirus hat die Welt in 14 Tagen verändert“, sagte jüngst Michael Roesnick, Interimschef des Automobilzulieferers Preh bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2019. Diese Aussage gilt symptomatisch für die Branche: Bis Anfang März war die Welt noch in Ordnung – trotz erster Stillstände in China. Dann aber spitzte sich die Lage durch die Werksschließungen in Europa und Nordamerika massiv zu. Ab Mitte Mai rollte die erste Insolvenzwelle durch Deutschland. Sie könnte im Juni/Juli zum Tsunami werden.

„Ohne Kaufprämien würden Zigtausende Kurzarbeiter bei Herstellern, Zulieferern, Händlern und Werkstätten bald arbeitslos sein“, warnte etwa Brose-Patriarch Michael Stoschek in seinem Brandbrief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Und er holte zu einem Verteidigungsschlag für deutsche Verbrennungsmotoren aus, deren Emissionswerte E-Antrieben „in nichts nachstehen“.

Konjunkturpaket unterstützt keine Verbrenner

Mittlerweile wissen wir, dass sich die Autolobby mit dem Wunsch nach einer Kaufprämie, auch für moderne Verbrenner, nicht hat durchsetzen können. Sie scheiterte insbesondere am SPD-Slogan „Kein Cent für Benziner und Diesel“. Das Problem: Eine Konzentration der Förderung nur auf E-Autos macht schon deshalb keinen Sinn, weil es zu wenige Käufer dafür gibt. 90 Prozent der Mitarbeiter in der Branche sind aktuell noch mit dem Bau von Fahrzeugen oder Komponenten für Autos mit Verbrennungsmotoren beschäftigt.„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir über Kündigungen sprechen müssen, ist sehr, sehr hoch“, legte jüngst Continental-Chef Elmar Degenhart noch einmal nach. Auch er hatte vergebens auf einen starken Impuls durch das Konjunkturprogramm der Bundesregierung gehofft.

Wasserstoff rückt in den Fokus

Von der Mehrwertsteuersenkung verspricht sich die Branche – zu Recht – keinen großen Effekt. Zumindest mittelfristig bieten da die sieben Milliarden Euro Förderung für den Markthochlauf von Wasserstofftechnologien plus zwei Milliarden für internationale Partnerschaften schon mehr Anlass zum Optimismus. Zumal viele Automanager Wasserstoff-Fahrzeuge im Vergleich zu batterieelektrischen ohnehin für die bessere Lösung erachten – vor allem mit Blick auf die Wertschöpfungstiefe. Einige Automobilzulieferer haben das früh erkannt. Andere sollten spätestens jetzt beginnen, den großen Zukunftsmarkt für sich zu erschließen.

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 Claus-Peter Köth

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