Suchen

Wirtschaft Preh: „Die Welt veränderte sich in 14 Tagen“

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Der fränkische Zulieferer hat seine Geschäftszahlen vorgelegt. Preh-Interimschef Michael Roesnick fordert Hilfe vom Staat und prognostiziert „große Probleme“ für finanzschwache Unternehmen ab Juni.

Firmen zum Thema

Preh-Interimschef Michael Roesnick.
Preh-Interimschef Michael Roesnick.
(Bild: Automobil Industrie/Claus-Peter Köth )

Der fränkische Automobilzulieferer Preh hat am Montag (18. Mai) seine Geschäftszahlen vorgestellt. Der Spezialist für Fahrerbediensysteme und Steuergeräte präsentiert ein Wachstum bei Umsatz und Ergebnis. Im Vergleich zum Vorjahr klettert der Umsatz um 14 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Das liege an einem verhältnismäßig großen Neugeschäft.

Das operative Ergebnis (Ebitda) lag zwar mit 174,4 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahreswert (134,3 Mio. Euro). Darin sei jedoch ein großer positiver Sondereffekt enthalten, nämlich der Verkauf von Preh Car Connect (PCC) – mittlerweile „Joynext“ – an den chinesischen Konzern Joyson.

„Preh bleibt mit einer Minderheitsbeteiligung Teil von Joynext“, betonte Michael Roesnick, Interimschef der Preh GmbH, bei der Vorstellung der Zahlen. „PCC hat in China außerhalb der VW-Gruppe neue Kunden gewinnen können. Dort sehen wir auch kurzfristig das größte Wachstum.“

Der unterfränkische Automobilzulieferer klagte unlängst über Wachstumsschmerzen: „Die Ertragskraft konnte mit dem hohen Umsatzwachstum nicht Schritt halten“, heißt es in einer Mitteilung. Und auch „erhöhte Einsparanforderungen von Kundenseite, gestiegene Materialkosten und Probleme mit komplexen Produktanläufen“ drücken auf das Ergebnis. Preh hatte deshalb bereits Ende 2019 ein Sparprogramm geschnürt und in diesem Zuge unter anderem 80 Jobs am Hauptstandort Bad Neustadt an der Saale abgebaut. Aktuell arbeiten dort 1.781 Beschäftigte.

Preh und die Coronakrise

Nachdem auch Preh wegen der Corona-Pandemie alle Werke im März schrittweise herunterfahren musste, laufen die Fertigungen laut des Automobilzulieferers seit Anfang Mai schrittweise wieder an. „Die Welt veränderte sich in 14 Tagen“, so Roesnick.

An den Standorten Bad Neustadt (Bayern) und Dippach (Thüringen) arbeite man kurz, das Management verzichte auf 20 Prozent des Gehalts, bis Preh wieder bei 90 Prozent Planauslastung liege. Weitere Personalmaßnahmen seien vorerst nicht geplant. „Im ersten Quartal 2020 haben wir die Rückschläge im Umsatz und Auftragseingang noch robust überstanden. Im April betrug das Umsatzvolumen allerdings nur noch 30 Prozent des Plans, der Auftragseingang war sogar negativ“, sagte Roesnick weiter.

In der gegenwärtigen Krise profitiere Preh davon, dass das Unternehmen seine „Hausaufgaben rechtzeitig gemacht“ habe und jetzt auf einer deutlich verbesserten Kostenbasis stehe. „Allerdings übersteigt die Coronakrise die Auswirkungen der Finanzkrise 2008/2009 bei weitem“, so Roesnick. „Wir müssen daher in punkto Kostendisziplin Kurs halten und unsere Ausgaben weiter strikt kontrollieren.“ Das Unternehmen rechne mit einem Rückgang der Pkw-Produktion um 20 Prozent im laufenden Jahr.

Blick nach vorne: Keine Prognose, viel Zuversicht

Eine Prognose hält Roesnick angesichts der dynamischen Situation nicht für sinnvoll. „Wir können aktuell nur auf Sicht fahren und müssen flexibel auf die Anforderungen unserer Kunden reagieren.“ Im ersten Quartal 2020 habe Preh einen Umsatzrückgang von neun Prozent verzeichnet, im April brachte der Lockdown einen Einbruch von 70 Prozent.

Hoffnung gebe das klassische HMI-Geschäft des Zulieferers, das zuletzt überproportional gewachsen sei. Der jüngere Bereich E-Mobility habe sein Umsatzvolumen mit einem Plus von 96 Prozent sogar fast verdoppelt. Außerdem helfen neue Aufträge, unter anderem Systeme für den Porsche Taycan: Preh liefert für den E-Sportler die Bedieneinheit in der Mittelkonsole, Klimabediensysteme, Hochvolt-Booster und Gleichspannungs-Wandler.

Roesnick: „Aktuelle Diskussion hilft nicht“

Roesnick fordert nun Hilfen von der Politik. „Maßnahmen um den Absatz anzukurbeln wären für Automobilzulieferer, Hersteller und Händler in gewissem Maße nötig und sinnvoll.“ Ein Instrument sei eine Neuauflage der Abwrackprämie. „Die aktuelle Diskussion darüber hilft jedoch nicht, weil potenzielle Käufer erst mal abwarten, ob sie nun kommt oder nicht.“ Entscheidend würden nun die Monate September bis Dezember sein. Bis dahin müssen Unternehmen wohl erst einmal durchhalten. Roesnick: „Unternehmen, deren Liquidität schon vor der Krise knapp bemessen war, werden ab Juni große Probleme bekommen.“

Ab Juni gibt es auch bei Preh eine große Veränderung: Der neue Chef Stephan Weng wird seinen Posten antreten. Fest steht: Auf ihn warten einige Herausforderungen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46587192)