Rohstoffe Nächster Engpass bei Magnesium

Quelle: dpa

Einkaufsexperten warnen nicht erst seit gestern vor einer drohenden akuten Verknappung des unersetzbaren Werkstoffes. Die Problemlage war absehbar.

Qualitätsprüfung an einem Instrumententafelträger aus Magnesium.
Qualitätsprüfung an einem Instrumententafelträger aus Magnesium.
(Bild: BMW)

Nach der Halbleiterkrise erwarten der ehemalige Audi-Einkaufsvorstand Bernd Martens und der Ingolstädter Wirtschaftsprofessor Dirk Hecht den nächsten Engpass bei Magnesium. China beherrsche den Halbleitermarkt und habe bei Magnesium mit 87 Prozent der weltweiten Produktion fast ein Monopol, sagte Hecht am Montag (10. Januar).

Die starke Verknappung von Magnesium führe bereits zu Rekordpreisen, erzeuge weltweite Verzerrungen am Markt und „kündigt enorme Störungen in der Lieferkette an“. Politisch-strategische Maßnahmen zur Sicherstellung des Lieferflusses seien ausgeblieben.

Bereits im Oktober berichtete »Automobil Industrie« von stillgelegten Magnesium-Hütten in China. Um die eigenen Klimaziele zu erreichen, hat die chinesische Regierung im Herbst 2021 die Produktion in energieintensiven Branchen gedrosselt.

Fehler im System

Der heutige Halbleitermangel sei nicht nur von der Corona-Pandemie verursacht worden, sagte der Professor für Beschaffungsmanagement an der TH Ingolstadt. China setze Fünf-Jahres-Pläne bei Kerntechnologien effizient um.

Martens kritisierte, Einkäufer orientierten sich immer noch maßgeblich an den Kosten. „Das aktuelle Beispiel der Versorgungsengpässe und Rekordpreise beim Magnesium oder auch vor ein paar Jahren bei den seltenen Erden zeigen, wie die bisherige Vorgehensweise in eine Sackgasse führt.“

Die deutsche und europäische Industriepolitik habe es vernachlässigt, in die Produktion von Rohmaterialien und Kerntechnologien wie Batterien, Halbleiter und Telekommunikation zu investieren. Damit habe man eine bedenkliche Abhängigkeit von anderen geschaffen.

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