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Welche Funktionen, die aus Endverbraucher-Geräten bekannt sind, fehlen aktuellen Serienfahrzeugen aus Ihrer Sicht noch?
Danny Shapiro (Nvidia): Obwohl Apps enorm wichtig für Endverbraucher sind, ist das Angebot in aktuellen Autos sehr gering. Es gibt einige Anforderungen rund um „In-Car-Apps“. Sie müssen so implementiert sein, dass der Fahrer sie sicher und ablenkungsfrei benutzen kann. Außerdem müssen sie für verschiedene Fahrzeug-Hardwaresysteme kompatibel sein. Diesbezüglich arbeiten wir bei Nvidia mit App-Entwicklern an Standard-APIs (Application Programming Interfaces), mit denen Entwickler nicht für jede Fahrzeug-Hardware ihre Apps neu schreiben müssen.
Ein weiteres Feature, das Endverbraucher schätzen, ist die Individualisierung ihres Device mit Bildern und Apps, die ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechen. Nvidia hat bereits ein Softwaretool namens „UI Composer“, womit OEMs digitale Cockpitanzeigen und HMIs designen. Dieses Tool ermöglicht Entwicklern, schnell neue Designs umzusetzen und kann künftig Fahrzeugbesitzern dazu dienen, die Infotainment-Optik zu personalisieren. Hier ist vom Retro-Look über Holz- und Leder-Optik, futuristisches Design oder die Farben Ihres Lieblingssportvereins fast alles möglich.
Lars Reger (NXP): Die Steuergeräte in einem modernen Fahrzeug müssen miteinander kommunizieren. Dies geschieht z.B. über sogenannte Can- oder FlexRay-Datenbusse. Diese Systeme entwickeln wir. Für höhere Datenraten übernehmen wir momentan den aus der Computerindustrie bekannten Ethernet-Standard. Das große Know-how welches in der Computerindustrie bzgl. Ethernet schon existiert wird damit für die Automobilindustrie nutzbar. Als Marktführer für Radio-Empfangslösungen im Auto fertigen wir Produkte, die die neusten digital Empfangs-Standards ins Auto einführen.
Ein wichtiger Bereich ist zudem IT-Security. Wenn Sie ihr Auto nach außen vernetzten, möchten Sie selbstverständlich auch eine sichere Datenübertragung. Das Letzte was man in dnen Nachrichten lesen möchte ist, dass ein Hacker 500 Autos auf einem Parkplatz öffnet. Auch hier profitieren wir wieder von Innovationen aus anderen Märkten. Unsere Geschäftsbereich „Identification“ entwickelt sogenannte Krypto-Controller, die in Bankkarten oder Pässen verbaut werden und Bezahlsysteme und Zugangskontrollen ermöglichen. Mit diesen Lösungen sichern wir auch bei Fahrzeugen die Luftschnittstelle, was nicht zuletz auch beim Autoschlüssel oder einer Konfiguration des Autos per Smartphone wichtig ist.
Das automatisierte Fahren gehört zu den Megatrends in der Automobilindustrie. Inwieweit unterstützt Nvidia die OEMs auf diesem Weg?
Danny Shapiro (Nvidia): Computer sind der Kern des autonomen Fahrens. Neben vielen Kameras sind äußerst leistungsfähige und energieeffiziente Prozessoren nötig, die optimiert suchen, natürliche Sprache verarbeiten und Objekte erkennen. Sie müssen interpretieren können, was ein Straßenschild, ein Auto, ein Fußgänger, ein Hund oder ein Ball ist, der auf die Straße rollt. Leistungsfähige GPUs (Graphics Processing Units) werden innerhalb der Assistenzsysteme dabei für die Fußgänger-, Fahrspur- und Verkehrsschilderkennung eingesetzt.
Nvidia arbeitet mit führenden Autoherstellern an Systemen, die es dem Fahrer ermöglichen, in bestimmten Situationen, wie einem Verkehrsstau, die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Das Auto folgt automatisch der Spur und hält den Abstand zu den anderen Verkehrsteilnehmern. Ist die Straße frei, übernimmt der Fahrer wieder das Steuer.
Lars Reger (NXP): NXP ist Markführer für elektronische Schnittstellen vom, zum und im Auto. Das heißt, wir stellen sicher, dass Daten die von außen ins Fahrzeug gelangen, sicher an der richtigen Stelle ankommen. Dafür bieten wir robuste Breitbandlösungen. Egal ob Car-to-Car Kommunikation, Telematik-Informationen, Radio- oder Radarsignale oder auch Radgeschwindigkeiten. Diese Daten nehmen wir auf, wandeln sie in digitale Signale um und übergeben sie an den entsprechenden Mikrocontroller. Dieser kann damit arbeiten und Fahranweisungen für die Assistenzsysteme errechnen.
Zur Person:
Danny Shapiro leitet die „Automotive Business Unit“ des Computerchip-Herstellers Nvidia und entwickelt dort Lösungen für Infotainment, Navigation, digitale Instrumentenanzeigen und Fahrerassistenzsysteme. Shapiro hat Electrical Engineering and Computer Science an der Princeton University studiert und verfügt über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Computergrafik und Halbleiterindustrie.
Lars Reger studierte von 1991 bis 1997 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, wo er mit einem Diplom in Physik absolvierte. Von 2002 bis 2004 erwarb er an der London Business School den MBA. 1997 trat Reger bei der Siemens AG als Produkt Ingenieur im Bereich Halbleiter ein. Nach weiteren beruflichen Stationen bei Siemens und – von 1999 bis 2004 bei Infineon – ist er seit 2008 für NXP Semiconductors tätig, wo er aktuell die Position des Head of Strategy, New Business and R&D, Automotive Business Unit innehat.
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