Umweltschutz Null-Emissions-Zonen in 36 Städten bis 2030 geplant

Von Thomas Günnel

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Emissionsfreie Zonen bis zum Jahr 2030: Dazu haben sich laut einer Untersuchung von Berylls mindestens 36 Städte weltweit verpflichtet. Das betrifft insgesamt 170 Millionen Menschen.

Weltweit haben sich 97 Städten zur „C40 Cities Climate Leadership Group“ zusammengeschlossen. Sie wollen sogenannte Null-Emissions-Zonen in Städten einrichten.
Weltweit haben sich 97 Städten zur „C40 Cities Climate Leadership Group“ zusammengeschlossen. Sie wollen sogenannte Null-Emissions-Zonen in Städten einrichten.
(Bild: Volvo)

Um die Grenzwerte des Pariser Klima-Abkommens einzuhalten, planen viele Städte sogenannte Null-Emissions-Zonen (NEZ). Was das konkret bedeutet ist nicht einheitlich festgelegt: „Derzeit existiert keine global allgemeingültige Definition für Null-Emissions-Zonen. Wir gehen aber davon aus, dass nur Busse, Lkw und Pkw ohne Abgasemission sowie Fußgänger und Radfahrer in diese Zonen einfahren und sich darin bewegen dürfen“, beschreibt Alexander Timmer von der Strategieberatung Berylls.

Timmer und sein Team haben analysiert, wo so genannte Null-Emissions-Zonen eingerichtet werden sollen und welche Auswirkungen sie voraussichtlich auf die Anwohner und den Fahrzeugbestand haben werden. Weltweit hat sich laut der Untersuchung eine Gruppe von 97 Städten zur „C40 Cities Climate Leadership Group“ zusammengeschlossen. Sie steht für ein Zwölftel der Weltbevölkerung und ein Viertel der Weltwirtschaft und wurde bereits 2005 gegründet. In Europa sind laut der C40-Übersicht aktuell vertreten:

  • Amsterdam
  • Athen
  • Barcelona
  • Berlin
  • Kopenhagen
  • Heidelberg
  • Istanbul
  • Lissabon
  • London
  • Madrid
  • Mailand
  • Oslo
  • Paris
  • Rom
  • Rotterdam
  • Stockholm
  • Warschau

Startdaten und Fahrzeugtypen noch unklar

Noch haben sich nur wenige Städte offiziell dazu verpflichtet, ein Startdatum für ihre Null-Emissionen-Zonen festzulegen. Auch die Spezifikation der Fahrzeugtypen die von ihnen betroffen sein werden, steht noch aus. Außerdem fehlen verbindliche Zugangsvoraussetzungen, die zum Beispiel auf Emissionsrichtlinien basieren. „Beispiele, die diese vier Bedingungen erfüllen, gibt es aktuell vor allem in Europa, das bei den NEZ Vorbildcharakter besitzt. Nicht zuletzt, weil ab dem Jahr 2035 EU-weit ein Zulassungsverbot für Diesel und Benziner gelten soll. Dass sich weitere Nationen am europäischen Vorbild orientieren, gilt als wahrscheinlich“, erklärt Timmer.

36 Länder weisen Null-Emissionen-Zonen bis 2030 aus

36 C40-Mitglieder werden verpflichtend NEZ ausweisen, um die Emissionen in den Stadtzentren zu reduzieren. Zu ihnen gehören unter anderem Berlin, London, Mexiko-Stadt und Tokio. In ihrer „Green and Healthy Streets Declaration“ verpflichten sich die Metropolen, bis zum Jahr 2030 einen bedeutenden Teil ihrer Stadtfläche als NEZ einzurichten. In der Folge werden bis 2030 170 Millionen Menschen im Umkreis von 25 km einer NEZ leben und dadurch in ihrer Mobilität und künftigen Fahrzeug-Kaufentscheidungen beeinflusst. Diese Länder weisen das Ziel 2030 aus:

  • Amsterdam
  • Auckland
  • Austin
  • Barcelona
  • Bergen
  • Berlin
  • Birmingham
  • Bogota
  • Cape Town
  • Heidelberg
  • Honolulu
  • Jakarta
  • Kopenhagen
  • Liverpool
  • London
  • Los Angeles, West Hollywood, Santa Monica
  • Madrid
  • Mailand
  • Manchester
  • Medellin
  • Mexiko City
  • Oslo
  • Oxford
  • Paris
  • Quito
  • Rio de Janeiro
  • Rom
  • Rotterdam
  • Santiago
  • Seattle
  • Seoul
  • Tokio
  • Vancouver
  • Warschau

Aktuell repräsentieren diese 170 Millionen Menschen eine Fahrzeugflotte von etwa 80 Millionen Pkw. Die Einführung der NEZ wird in der Folge einen schnelleren Ersatz dieser Flotte erfordern. Analysten rechnen damit, dass zwischen 2022 und 2030 rund 230 Millionen Elektrofahrzeuge weltweit produziert werden. Mehr als ein Drittel von ihnen wird nötig sein, um die Diesel und Ottomotoren zu substituieren, die heute in jenen 36 Metropolen fahren, die künftig auf NEZ setzen.

Niederlande beschränken Güterverkehr ab 2025

In den Niederlanden greifen bereits 2025 Beschränkungen für den Güterverkehr in 29 Städten. NEZ beschränken sich jedoch nicht auf Europa. Laut der Studie haben sich auch Städte in Emerging Markets und Entwicklungsländern zu NEZ verpflichtet. Das Team um Alexander Timmer geht aber davon aus, dass nicht alle dieser Städte an den Zielen festhalten werden, wenn sich kurzfristig dringendere Probleme oder politische Veränderungen ergeben.

„Die E-Mobilitätsnation Nummer 1, China, hält sich beim Thema NEZ bedeckt“, erklärt Timmer. „Die Nation, die für rund ein Drittel der weltweiten Fahrzeugverkäufe steht, weist aktuell keine Städte aus, in denen NEZ entstehen sollen. Ansätze dafür gibt es jedoch in Metropolen wie Shenzhen und Luoyang. Hier wurden bereits spezielle Zonen für den Güterverkehr eingeführt oder sollen dort eingerichtet werden.“

Eine Änderung der Politik in den chinesischen Megacitys, könnte die Auswirkungen der NEZ auf die weltweite Autonachfrage nach BEV und Wasserstoff-Fahrzeugen laut der Untersuchung erheblich beeinflussen. Hintergrund: Würden sich die aktuellen chinesischen C40-Städte ebenfalls verschreiben, NEZ zu etablieren, wären hier über 90 Millionen Personen betroffen. Auch ohne ein chinesisches Engagement sei aber die Lenkungswirkung der Städte, die sich zur Einführung von NEZ verpflichtet haben, erheblich.

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