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Marktanalyse

Perspektiven der Engineering-Dienstleister

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Engineering-Dienstleister – Die Anbieterperspektive

Bei aller Euphorie über die scheinbar positiven Zukunftsperspektiven stehen die Engineering-Dienstleister derzeit vor der Frage, wie sie nachhaltig ein profitables Wachstum stemmen können. Die Antworten lauten: Profilschärfung, Umsatzmix und Netzwerk. Profilieren können sich die Engineering-Dienstleister künftig vor allem durch ein fokussiertes, überlegenes Kompetenzprofil auf Top-Niveau. Statt eines breiten Leistungsspektrums ist tiefes, spezifisches Know-how erforderlich, das auch zum Kern der Marken- und Marktkommunikation wird.

Der passende Umsatzmix aus Projektgeschäft und Personalgestellung beziehungsweise „verlängerter Werkbank“ entscheidet wesentlich über eine dauerhafte Kapazitätsauslastung. Die Projektgeschäfte gleichen kurzfristige Nachfrageschwankungen aus, und die Personalgestellung schafft erhöhte Flexibilität und Kundennähe.

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Auch ein internationales Netzwerk an eigenen Standorten beziehungsweise Partnerunternehmen ermöglicht die Kompetenzbündelung, erweitert die Kapazitäten und sorgt für eine ausbalancierte Wertschöpfungstiefe zwischen In-house-Engineering und Subcontracting. Mehr denn je geht es für die Engineering-Dienstleister darum, welche Leistungen wo und durch wen intern oder extern erbracht werden.

Groß oder klein – Die strategische Perspektive

Bereits heute konzentrieren sich etwa zwei Drittel des europäischen Automotive-Engineering-Marktes auf die Top Ten der Branche – allen voran AVL, Bertrandt, EDAG, IAV und MBtech.

Künftig ist zu erwarten, dass diese Marktkonzentration weiter steigt. Dabei spielen die großen Dienstleister mit Umsätzen von jährlich mehr als 200 Millionen Euro ihre Skalen- und vor allem Verbundeffekte über eine Vielzahl an Know-how-Feldern und Kundenprojekten aus.

Mittelfristig zeichnen sich zwei grundlegende Strategiemuster ab: Auf der einen Seite können die Engineering-Dienstleister eine aktive Rolle in der weiteren Konsolidierung der Branche einnehmen. Damit verschaffen sie sich Zugang zu zusätzlichen Automotive-Kompetenzen und -Kapazitäten sowie gegebenenfalls auch einen Schlüssel zu neuen Märkten und Kunden.

Ein Beispiel dafür ist die mehrheitliche Übernahme der MBtech durch den französischen Dienstleister Akka Technologies. Auch eine breitere Geschäftsbasis außerhalb Automotive – beispielsweise Aerospace, Bahntechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Medizintechnik etc. – erhöht die Unabhängigkeit von Zyklen der Automobilindustrie.

Auf der anderen Seite stehen klare Nischenstrategien, die sich durch eine weitere Spezialisierung auf definierte Dienstleistungen auszeichnen. Dieses überlegene Know-how verschafft kleineren Engineering-Dienstleistern weiterhin eine attraktive Geschäftsperspektive. Dennoch könnten hier künftig auch Partnerschaften mit großen Engineering-Dienstleistern entstehen, um als „Tier-2“-Engineering-Partner spezifische Kompetenzfelder abdecken zu können.

Das Management der Engineering-Dienstleister steht demnach vor der Aufgabe, trotz der aktuell drängenden Herausforderungen des operativen Tagesgeschäfts strategisch die Weichen für die Zukunft zu stellen: Das Automotive-Geschäft bietet mittelfristig Möglichkeiten wie schon lange nicht mehr – doch die nächste Talfahrt kommt bestimmt. Die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle ist unumgänglich, um sich die Chancen zu weiterem profitablem Wachstum zu sichern und gleichzeitig für den nächsten Abschwung zu rüsten. Nur so bleibt die Achterbahn „in der Spur“ und die Insassen an Bord.

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