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Fahrbericht Renault Kadjar: Solide, unauffällig, vorzeigbar

| Redakteur: Sven Prawitz

Der elegante, aber wenig prägnant gestylte Franzose fällt im Straßenbild kaum auf. Der Renault Kadjar hat aber andere Vorzüge, für die sich ein Blick auf das SUV lohnt.

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Mit den stark ausgeformten Radhäusern zeigt der Kadjar Charakter.
Mit den stark ausgeformten Radhäusern zeigt der Kadjar Charakter.
(Bild: Jens Scheiner/»Automobil Industrie«)

Kein Hersteller kommt heute noch an SUVs vorbei – auch nicht Renault. Mit Captur, Kadjar und Koleos haben die Franzosen gleich drei Autos dieses verkaufsstarken Segments im Programm, die zusammen für rund ein Drittel der Zulassungen des Fabrikats in Deutschland stehen. Daraus zu folgern, dass SUVs ausschließlich normale Kompakt- oder Kleinautos verdrängt hätten, ist allerdings falsch. Denn früher spielten Vans und Hochdachkombis die Rolle des familienfreundlichen und geräumiges Alltagsautos, die heute die SUVs einnehmen.

In der Verkaufshitliste von Renault beispielsweise standen damals Modelle wie der Modus, der Scenic oder der Kangoo weit oben, die heute entweder gar nicht mehr angeboten werden oder einen Großteil ihres Absatzes eingebüßt haben. Dass dieser Wechsel der Karosserieform einen großen Einfluss auf die CO2-Emissionen hat, wie es viele Umweltlobbyisten behaupten, darf man getrost bezweifeln.

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Der Kadjar muss jedenfalls nicht befürchten, demnächst vom wütenden Mob als Umweltsünder an den Pranger gestellt zu werden. Zu unauffällig fügt er sich ins Straßenbild ein, zu wenig aggressiv fällt seine weichgezeichnete Formensprache aus. Abmessungen und Masse ähneln dem Familienvan Renault Scenic. Allrad gibt es ausschließlich in Kombination mit dem leistungsstärksten Dieselaggregat, den uns Renault zum Testen überlassen hat.

Leistungsstarker Diesel

In der Version Blue dCi 150 sorgt ein Vierzylinder-Turbomotor für Vortrieb, der in vielen Modellen der Kooperationspartner Renault-Nissan und Mercedes-Benz zum Einsatz kommt. Mit 110 kW/150 PS ist der 1,7 Tonnen schwere Kadjar richtig gut motorisiert. Der variable Allradantrieb schaltet sich nur bei Bedarf hinzu. Das reduziert den Kraftstoffverbrauch, der liegt laut Datenblatt bei 5,2 Liter je 100 Kilometer (kombiniert). Mit dem manuellen Getriebe konnten wir diesen Wert auf der Mittel- und Langstrecke fast erreichen. Im Stadtverkehr konnten wir die dafür angegebenen sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer nicht erreichen.

Im Vergleich zu den „echten“ Renaults wie dem Scenic zeigt der auf dem Nissan Qashqai basierende Kadjar im Innenraum eine gestalterische Schlichtheit. Wohin man blickt: schwarzer Kunststoff. Drei Drehschalter sind für die Bedienung der Klimaautomatik vorhanden; ansonsten werden alle Fahrzeugfunktionen über den Sieben-Zoll-Touchscreen des R-Link-Systems gesteuert. Es besitzt leider keine Schnellwahltasten, was den Wechsel zwischen Navi- und Radioanzeige etwas mühsam macht. Vom Bose-Soundsystem mit acht Lautsprechern der getesteten „Bose Edition“ hätten wir einen etwas wuchtigeren Klang erwartet.

Modellpflege mit neuen Assistenzsystemen

Das Platzangebot ist der Fahrzeugklasse angemessen und reicht für vier Erwachsene. Die im Testwagen verbauten teilbelederten Sitze sind gut konturiert und bieten eine bequeme Sitzposition. Eine variable Rücksitzanlage gibt es im Kadjar nicht, mehr als das Umklappen der geteilten Rücksitzlehne ist nicht drin. Das Gepäckraumvolumen beträgt 472 Liter (umgeklappt: 1.478 Liter).

Bei der Modellpflege Anfang 2019 hat Renault den Kadjar mit einem breiten Aufgebot an radar- und kamerabasierten Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Hierzu zählen in der Ausstattung „Bose Edition“ der Spurhaltewarner und die Verkehrszeichenerkennung mit Geschwindigkeitswarner und Fernlichtassistent. Optional kann darüber hinaus das Protection-Paket für 990 Euro bestellt werden, das einen Parkassistenten, einen Toter-Winkel-Warner und einen Notbremsassistenten enthält. Somit kommt der Testwagen auf 38.930 Euro. Der Grundpreis für die gut ausgestattete „Bose Edition“ mit dem Blue dCi 150-Motor liegt bei 37.190 Euro. Das Einstiegsmodell der Kadjar-Baureihe ist für 23.090 Euro zu haben. Zum Vergleich: Beim ähnlich großen Volkswagen Tiguan steht immer eine 3 vorne.

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