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Fahrbericht

Volkswagen Tiguan versus Seat Ateca

| Autor/ Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Der VW Tiguan und der Seat Ateca sind Vertreter einer aktuell sehr beliebten Fahrzeuggattung. Im Fahrbericht vergleichen wir die beiden SUVs.

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Der VW Tiguan ist der Bestseller im Typbereich von SUV und Geländewagen. Mit seinem markanten Outfit fährt auch der neue Tiguan weit vorne weg.
Der VW Tiguan ist der Bestseller im Typbereich von SUV und Geländewagen. Mit seinem markanten Outfit fährt auch der neue Tiguan weit vorne weg.
(Bild: Volkswagen)

SUVs und Geländewagen erfreuen sich anhaltend großen Zuspruchs. Der Bestseller dieses Typbereichs in Deutschland ist der VW Tiguan. Seit seinem Marktstart 2007 ist er der Favorit bei den Käufern. Mit markantem Outfit fährt er weit vorne weg, obwohl die Zahl der Wettbewerber in zehn Jahren stark angestiegen ist und mit rund 85 Modellen hierzulande derzeit 35 Prozent mehr SUVs im Angebot sind als 2007. Dabei erhält der Tiguan auch zunehmend Konkurrenz im eigenen Konzern: Fast zeitgleich mit ihm startete die VW-Tochter Seat mit dem flott gestylten Ateca ihren ersten SUV. Und wenn im nächsten Jahr der Sportwagenhersteller Lamborghini mit dem Urus ins Gelände fährt, gibt es von jeder der acht Pkw-Marken im Volkswagenkonzern mindestens ein SUV-Modell – im derzeit absatzstärksten Autobereich. Überhaupt könnten dieses Jahr SUV und Geländewagen an die Spitze der Zulassungsstatistik fahren und die Kompaktklasse überflügeln. Dass dazu neben dem VW Tiguan auch der Seat Ateca beitragen dürfte, zeigt unser Vergleich.

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Das Design

Die zweite Generation des Tiguan hebt sich deutlich vom Vorgänger ab. Obwohl sofort als charakteristisches Modell zu erkennen, zeigt sich schnell: das ist der Neue. Seine „scharf gebügelten“ Sicken prägen die Seitenansicht sowie die Motorhaube. Die Einheit von schmalen Scheinwerfern und Kühlergrill über die ganze Fahrzeugfront lässt den neuen Tiguan breiter wirken als das lediglich um drei Zentimeter auf 1,839 Meter geweitete „Hüftmaß“. Mit mehr Länge und größerem Radstand – jetzt 4,486 Meter (plus 6 cm) und 2,677 Meter (plus 7,7 cm) – bei einer um fast drei Zentimeter verringerten Höhe wirkt der neue Tiguan markanter als der Vorgänger – ein SUV im Businessoutfit.

Nicht im Sportdress, doch mit dynamischem Touch tritt der Seat Ateca auf. Die Designer der spanischen VW-Marke gelingt es, dem Ateca „Emoción“ zu verleihen, das gewisse Extra, das Käufer von Modellen wie Ibiza und Leon schätzen. Die Frontansicht prägen die einzeln gefassten Funktionseinheiten wie Scheinwerfer und Kühlergrill, die zum sportlichen Charakter beitragen. Die „Bügelfalten“ des Ateca sind ebenso straff wie beim neuen Tiguan, doch sie geben hier Schwung und Elan Konturen. Der Ateca ist zwar nicht so lang und so hoch wie der Tiguan, doch bietet er mit 1,841 Meter Breite, 4,363 Meter Länge und 1,611 Meter Höhe bequem Platz für alle Insassen – unser Testfahrer maß 1,85 Meter. Es versteht sich von selbst, dass der längere Tiguan im Fond mehr Beinfreiheit bietet und sein Gepäckraum mit 520 Liter/1655 Liter um zehn Liter/51 Liter größer ist, doch weil das „etwas weniger“ beim Innenraum des Alteca keinen Verzicht gegenüber dem neuen Tiguan bedeutet, ist er eine praktikable Alternative.

Raum und Fahrverhalten

Beide SUV überzeugen mit einer soliden Verarbeitung. Das Raumangebot ist gut, ebenso die Sitze. Beim Tiguan bietet der Fond so viel Raum, dass sich die 18-cm-Längsverschiebung der Rückbank wirklich nutzen lässt. Ateca und Tiguan sind einfach zu bedienen, die Lenkungen sind präzise, das Handling ist sehr gut und das Fahrverhalten untadelig, lediglich die Federung des Spaniers fällt etwas straffer aus als beim Wolfsburger. Ebenfalls als gut einzustufen ist die Sicherheitsausstattung beider SUV, wobei ihre Stabilitätssysteme früh eingreifen und das Fahrzeug stabilisieren. Optional können die Fahrzeuge mit vielen Assistenzsystemen ausgestattet werden, die zwangsläufig den Kaufpreis nach oben schnellen lassen.

Seat bietet sein Einstiegsmodell Ateca Reference 1.0 TSI mit Sechsgangschaltgetriebe für 19.990 Euro an. Der sparsame Dreizylinder-Benzinmotor leistet 85 kW/115 PS und kommt freilich aus dem VW-Konzern. Für 26.575 Euro gibt es den Tiguan Trendline 1.4 TSI in der Basisausstattung ebenfalls mit der Handschaltung. Der Vierzylinder-Benziner mit „BlueMotion Technology“ schöpft 92 kW/125 PS aus 1,4-l-Hubraum. Für die Tests haben wir die gängigen Motorisierungen gewählt, jeweils mit Handschaltgetriebe, das in Deutschland eine Einbaurate von 80 Prozent hat: den Ateca Style als Beziner 1.4 EcoTSI (110 kW/150 PS) in der zweiten Ausstattungsstufe und den Tiguan Comfortline als Diesel 2.0 TDI SRC BMT (110 kW/150 PS). Die frontgetriebenen SUV mit Sechsgangschaltung sind in der jeweiligen Ausstattung nicht direkt vergleichbar. Ohne eines der angebotenen nützlichen Extras beziehungsweise Assistenzsysteme kostet der Seat Ateca Style 1.4 EcoTSI 25.120 Euro und der VW Tiguan Comfortline 2.0 TDI SRC BMT 32.725 Euro – würde beim VW statt des teureren Diesels die gleiche Benzinmotorisierung wie im Seat gewählt, beträgt der Preis 30.150 Euro.

Verbrauch im Vergleich

Neben dem Neuwagenpreis ist der Kraftstoffverbrauch ein Kaufkriterium. Der Diesel mit 2,0 Liter Hubraum leistet 110 kW und stemmt 340 Nm maximales Drehmoment auf die Kurbelwelle, das zwischen 1.750 U/min und 3.000 U/min bereitsteht. Damit schafft der Tiguan 2.0 TDI den Spurt von null auf 100 km/h in 9,3 Sekunden und in der Spitze ein Tempo von 204 km/h. Sein Dieselverbrauch im EU-Testzyklus NEFZ beträgt kombiniert 4,8 l/100 km, entsprechend 123 g CO2/km, wobei der 2.0 TDI vollumfänglich die EU6-Abgasnorm erfüllt und die Emission der Stickoxide (NOx) durch die selektive katalytische Reduktion mit AdBlue in einem SCR-Katalysator reduziert. Im Fahralltag mit einem Anteil von 25 Prozent Autobahnfahrten konsumierte der Diesel des Tiguan 2.0 TDI SRC BMT durchschnittlich 5,6 l/100 km – minimal: 4,7 l/100 km; maximal: 6,0 l/100 km.

Der Benziner im Seat Ateca Style 1.4 EcoTSI erreicht mit 8,5 Sekunden etwas schneller die 100 km/h aus dem Stand als der Diesel des Tiguan, seine Spitzengeschwindigkeit beträgt 201 km/h. Der 1,4-l-Vierzylinder-Benziner mit ebenfalls 110 kW und maximal 250 Nm Drehmoment läuft kultiviert und leiser als der Diesel. Der kombinierte NEFZ-Wert des EU6-Motors wird mit 5,3 l/100 km angegeben (122 g CO2/km). Im Fahralltag mit einem Viertel Autobahnfahrten sind es dann im Mittel 6,6 l/100 km – minimal: 6,0 l/100 km; maximal: 7,5 l/100 km.

Benziner oder Diesel?

Bleibt die Frage, was sich besser rechnet: der Pkw mit Diesel- oder Benzinmotor. Auch weil es etwa den 110-kW-Diesel im Ateca Style 2.0 TDI „4Drive“ nur mit Allradantrieb ab 29.830 Euro gibt. Was bedeutet also ein Mehrverbrauch beispielsweise von einem Liter Kraftstoff zwischen einem Diesel der im Mittel 5,6 l/100 km verbraucht und einen Benziner mit 6,6 l/100km? Super E10 gibt es derzeit (17. März) zum Literpreis für rund 1,39 Euro und Diesel für 1,18 Euro. So sind für das Dieselfahrzeug mit 5,6 l/100 km rund 6,61 Euro zu zahlen und für den Benziner mit 6,6 l/100 km circa 9,17 Euro. Die Mehrkosten des Benziners betragen also 2,56 Euro je 100 km. Würde der Aufpreis für den angenommenen Dieselmotor 2.500 Euro betragen, amortisierten sich die Mehrkosten nach gefahrenen rund 98.000 km. Wobei für den Diesel-Pkw allgemein in Summe meist auch mehr für Steuer, Haftpflicht, Vollkasko und Wartung zu zahlen sind.

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Die Kunden in Deutschland setzen meist auf den Dieselmotor beim SUV. Und sie kauften im Jahr 2016 fast 20 Prozent mehr SUVs und Geländewagen als 2015, sodass deren Absatz im vergangenen Jahr einen Sprung auf 715.268 Fahrzeuge machte. Von den letztjährig gut 3,35 Millionen neu registrierten Pkw entfallen somit über 21 Prozent auf SUV und Geländewagen, die vor zehn Jahren lediglich einen Anteil von exakt 7,3 Prozent erreichten. Die Golfklasse war 2016 mit mehr als 850.00 Neuzulassungen und einem Anteil von über 25 Prozent zwar das absatzstärkste Pkw-Segment in Deutschland, doch nach der Schussfahrt im letzten Jahr ist es gut vorstellbar, dass SUVs und Geländewagen die Kompaktwagen bei den Neuzulassungen dieses Jahr überholen. Ihr Abstand zueinander betrug 2016 lediglich 130.000 Einheiten – da aber der Absatz von SUVs und Geländewagen überproportional wächst und ihr Absatzsprung im vergangenen Jahr rund 116.000 Fahrzeuge betrug, rückt dieses Szenario näher.

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