Modellvergleich

Hochdachkombis: Platz für die Familie

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Hochdachkombis sind eine gute Alternative zu Vans. Wir haben einige Modelle getestet.
Hochdachkombis sind eine gute Alternative zu Vans. Wir haben einige Modelle getestet. (Bild: Volkswagen)

Familien schätzen variable Autos – der Hochdachkombi ist hier die preiswerte Alternative zu Vans. Wir haben einige Modelle getestet.

Das passende Auto hat viele Gesichter. Familien schätzen hohe Variabilität. Wenn der Pkw mit großem Ladeabteil nicht mehr ausreicht, ist Van – ob mini oder maxi – eine Variante und der Hochdachkombi dazu die preiswerte Alternative. Eigentlich ist der Hochdachkombi ja ein „Loftauto“, weil seine Basis der gewerbliche Kastenwagen beziehungsweise Kleintransporter ist. Wir haben einige Modelle getestet. Die Probanden: Citroën Berlingo Multispace, Fiat Doblò, Mercedes Citan Tourer und Opel Combo, Peugeot Partner Tepee sowie Renault Kangoo und VW Caddy.

Die neuen Hochdachkombis sind gut gestaltet und wirken lediglich wuchtig, wenn sie als Langversion vorfahren. Bei PSA Citroën und Peugeot ist die lange Variante nur für den Kleintransporter vorgesehen, weil die Nachfrage bei Pkw zu gering und daher nicht wirtschaftlich ist, heißt es. Wohl ist eine Siebensitzervariante im Angebot. Das Wirtschaftliche spielt neben PSA, wo sich Citroën Berlingo Multispace und Peugeot Partner Tepee nur äußerlich etwas unterscheiden, auch bei den Hochdachkombis von Mercedes und Opel eine Rolle.

In der Partnerschaft von Daimler und Renault-Nissan baut Renault den Kangoo und den fast identischen Mercedes Citan. Beide unterscheiden sich nur marginal im Design und in der Ausstattung. Der Opel Combo ist der Fiat Doblò, Applikationen der Karosserie und der „Blitz“ auf dem Kühlergrill ändern das Basisdesign nicht. Fiat produziert beide Fahrzeuge mit gleicher Motorisierung und Ausstattung beim Partner Tofas in der Türkei. Der neue VW Caddy der vierten Generation rollt im neuen VW-Produktionswerk im polnischen Posen seit zwei Jahren vom Band und ist weiterhin der Bestseller in Deutschland.

Viel Platz in allen Modellen

Die Familienwagen der Marken erhalten ihr üppiges Raumangebot durch fast gleiche Außenmaße: Die Länge liegt zwischen 4,41 Meter (Caddy; Doblò) und 4,28 Meter (Kangoo), die Breite um rund 1,80 Meter sowie die Höhe um 1,80 Meter – Combo und Doblò legen etwas mehr zu, wobei der Fiat rund 1,90 Meter Höhe erreicht. Die von uns gefahrenen, frontgetriebenen Hochdachkombis in der Normalversion bieten Ladevolumen von maximal 2.600 Liter (Kangoo), gut 3.000 Liter (Citan; PSA; VW) bis 3.220 Liter (Combo/Doblò). Zuladen können sie 525 kg, wobei es bei Berlingo und Partner rund 75 kg weniger und beim Caddy mit 543 kg etwas mehr ist.

Was alle vom Kleintransporter geerbt haben, ist die starre Hinterachse. Dabei setzen die Hersteller auf unterschiedliche Konstruktionen, etwa Starrachsen mit Blattfedern beim Caddy, bis zur Verbundlenkerhinterachse mit Schraubenfedern im Berlingo. Damit erzielten die Testwagen im Fahrverhalten und im Federungskomfort einen sehr passablen Eindruck und verhielten sich in Kurven problemlos, obwohl der hohe Fahrzeugschwerpunkt bei schneller Kurvenfahrt das Wanken des Wagens erhöht – die elektronische Stabilitätskontrolle greift aber früh ein und hält das Gefährt sicher auf Kurs.

Die Käufer müssen sich wohl entscheiden, welche Technik sie nutzen wollen, denn es gibt signifikante Unterschiede bei den Modellen. Sollte es ein Automatikfahrzeug sein, ist das Angebot klein. Das einzige angebotene Modell mit durchweg automatisch schaltendem Doppelkupplungsgetriebe ist der VW Caddy. Egal ob mit Benzin- und Dieselmotor, oder sogar mit Erdgasantrieb: Wer nicht schalten will, dem wird das sogenannte Direktschaltgetriebe angeboten. Ansonsten finden die Automatikfahrer ein geringes Angebot. Ein Doppelkupplungsgetriebe wie im Caddy gibt es lediglich bei den Benziner Mercedes Citan Tourer 112 6G-DCT und Renault Kangoo 115 EDC mit identischem Motor und 84 kW/114 PS Leistung. Bei PSA gibt es das automatisierte Sechsgangschaltgetriebe im Citroën Berlingo und Peugeot Partner nur zur Dieselmotorisierung Blue HDi 100 mit 73 kW/ 99 PS, für die Benziner nur Schaltgetriebe. Die Kraftübertragung beim Fiat Doblò und Opel Combo übernehmen ausschließlich manuelle Schaltgetriebe.

Nur zwei mit elektromechanischer Lenkung

Während die Konkurrenten noch elektrohydraulische Lenkungen einsetzen, sind VW Caddy, Mercedes Citan und Renault Kangoo mit der elektromechanischen Lenkung (EPS) ausgerüstet. Sie funktioniert geschwindigkeitsabhängig, sichert eine aktive Lenkungsrückstellung und verbraucht weniger Energie – bis zu 0,3 Liter bis 0,5 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer gegenüber der elektrohydraulischen Lenkung. Darüber hinaus ist die EPS die Schlüsseltechnik für Assistenzsysteme mit Lenkeingriff. Einzig im VW Caddy gibt es den Parklenkassistenten, der den Caddy automatisch in Längs- und Querparklücken steuert und auch wieder ausparkt.

Auf den Testfahrten im urbanen Verkehr und auf der Autobahn wählten wir eine effiziente Fahrweise – zum Beispiel nicht mehr als die empfohlenen 130 km/h auf der Autobahn. Der jeweilige durchschnittliche Kraftstoffverbrauch je 100 Kilometer beinhaltet ein Viertel Autobahnverkehr. Wo wir konnten, testeten wir Modelle mit vergleichbaren Benzin- und Dieselmotoren, was sehr aufschlussreich war. Die aufgeführten Preise der Testwagen entsprechen der Basisversion des Modells und reichen von 18.300 Euro bis 23.750 Euro. Mit höherwertigen Ausstattungslinien, Sonderwünschen und dem „must have“ ist jedoch der steile Anstieg des Kaufpreises programmiert.

PSA und Dieselmotoren sind seit Langem eine sichere Bank. Der Citroën Berlingo Blue HDI 100 Start&Stopp kostet mit Fünfgangschaltung 22.400 Euro. Der 1,6-l-Dieselmotor leistet 73 kW/99 PS, hat maximal 254 Nm Drehmoment und beschleunigt von null auf 100 km/h in 12,4 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 166 km/h. Für den EU-Test „NEFZ kombiniert“ gibt der Hersteller 4,1 l/100 km entsprechend 109 g CO2/km an. Der Test ergab einen Dieselverbrauch von durchschnittlich 5,2 l/100 km. Sein etwas leistungsstärkerer Bruder Peugeot Partner Tepee Outdoor Blue HDI 120 Stop & Start mit Sechsgangschaltung kostet 23.750 Euro. Der 1,6-l-Diesel mit 88 kW/120 PS (300 Nm) ist in 11,4 s auf Tempo 100. Der Wagen erreicht 174 km/h, kommt im NEFZ auf 4,3 l/100 km (113 g CO2/km) und verbrauchte im Test 5,1 l/100 km.

Otto oder Diesel?

Beim Fiat Doblò und Opel Combo gibt es den direkten Vergleich zwischen Benzin- und Dieselmotor. Der Fiat Doblò Lounge 1.4 T-Jet mit Sechsgangschaltung und 88 kW/120 PS (206 Nm) kostet 21.350 Euro. In 12,4 s erreicht er die 100 km/h und schafft maximal 172 km/h. Im NEFZ verbrennt er 7,2 l/100 km (169 g CO2/km), im Alltagsverbrauch 8,7 l Benzin je 100 km. Der Zwilling Opel Combo 1.6 CDTI mit gleicher Kraftübertragung und Leistung kostet 23.215 Euro. Der 1,6-l-Diesel hat mit 320 Nm zwar ein größeres Drehmoment, braucht jedoch von null auf 100 km/h mit 13,1 s mehr Anlauf; Höchsttempo 176 km/h. Der Dieselverbrauch laut NEFZ beträgt 4,7 l/100 km (124 g CO2/km ), im Test waren es 6,4 l/100 km.

Wie hoch sind Verbrauchsunterschiede zwischen einem Benzinmotor mit Sechsgangschaltung und Sechsgang-DKG? Der Antrieb von Renault Kangoo Energy TCe 115 und Mercedes Citan Tourer 112 6G-DCT ist bis auf das DKG im Citan identisch. Den Kangoo „Happy Family“ gibt es ab 18.300 Euro. Sein 1,2-l-Vierzylinder leistet 84 kW/114 PS (190 Nm) und beschleunigt flott von null auf 100 km/h in 11,7 s; maximal auf 173 km/h. Auf dem Prüfstand im NEFZ verbraucht er 6,2 l/100 km (140 g CO2/km), im Alltagstest waren es mit 6,8 l/100 km etwas mehr. Der gleiche Motor mit DKG im Citan entwickelte im Test großen Durst. Der Mercedes mit 23.121,70 Euro Grundpreis hat einen NEFZ-Verbrauchswert von 6,4 l/100 km (144 g CO2/km) schluckte aber mit DKG-Automatik im Alltagsverkehr 7,9 l/100 km.

Beim Bestseller VW Caddy gibt es den Vergleich zwischen Benzin- und Dieselmotor mit Fünfgangschaltung und gleicher Leistung. Die 75 kW/102 PS aus dem 1,0-l-Dreizylinder und den 2,0-l-Vierzylinder werden offeriert im 1.0 TSI für rund 20.100 Euro und im 2.0 TDI SCR für rund 22.000 Euro, beide mit „Bluemotion-Technology“. Sie erreichen mit 172 km/h die gleiche Höchstgeschwindigkeit, der Beschleunigungswert des 1.0 TSI ist mit 12,1 s etwas besser als der des Diesels mit 12,9 s, der jedoch mit 250 Nm starke 75 Nm mehr Drehmoment auf die Kurbelwelle stemmt. Deutlich auseinander liegen die Werte jedoch beim Kraftstoffverbrauch je 100 km: im NEFZ werden für den 2.0 TDI 4,6 l (119 g CO2/km) und für den 1.0 TSI 5,3 l (123 g CO2/km ) angegeben. Durchschnittlich je 100 km im Test verbrauchte der Diesel 5,5 l und der Benziner 6,4 l – Werte, die gut zu Familienautos passen.

Zulassungs-Sieger Caddy

Neben den Hochdachkombis zählen auch Kleinbusse und Pickups zu den „Nützlingen“ des Segments „Utilities“ des Kraftfahrt-Bundesamtes. Laut KBA wurden im Jahr 2016 rund 150.000 neue Utilities zugelassen, bei insgesamt 3,35 Millionen Pkw-Neuzulassungen waren das 4,5 Prozent. Lediglich die Hälfte entfiel davon auf die Hochdachkombis. Und wer war der Bestseller unter den zwölf Modellen? Mit über 32.000 Einheiten der VW Caddy, gefolgt vom Citroën Berlingo mit fast 11.000 und dem Dacia Dokker mit knapp 6.000 Neuzulassungen.

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