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Automatisierung Roboter im Mittelstand: Beispiele für einen sinnvollen Einstieg

| Redakteur: Thomas Günnel

Automatisierung durch Roboter im Mittelstand – kann sich das lohnen? Kann es: Neue Industrieroboter verhelfen auch kleinen Unternehmen zu mehr Rentabilität.

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Roboter können sich auch für den Mittelstand lohnen, zum Beispiel in der Intralogistik.
Roboter können sich auch für den Mittelstand lohnen, zum Beispiel in der Intralogistik.
(Bild: Mobile Industrial Robots)

Auf der Suche nach passenden Strategien entdecken viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gerade die Vorteile der Robotik. Zum Beispiel in Form mannloser Nachtschichten oder teilautomatisierter Prozesse, die dem Nutzer eine Mehrmaschinenbedienung eröffnen. In der Regel geht es dabei nicht um High-End-Automation, sondern um weniger komplexe, aber flexible Automatisierungskonzepte. Wichtig ist dabei die Skalierbarkeit: „Die Automation muss mit der Erfahrung des Unternehmens mitwachsen und darf die Bediener nicht überfordern“, sagt Harald Dickertmann, Executive Vice President Sales Gripping Systems bei Schunk.

So sind etwa smarte Greifwerkzeuge mit einfachen Inbetriebnahmetools insbesondere dort eine Hilfe, wo Nutzer Handhabungsaufgaben mit dem Roboter zum ersten Mal lösen oder nur wenig Zeit haben, um eine Umrüstung vorzunehmen. Entscheidend sind zwei Faktoren: Eine intuitive Programmierung und die schnelle Integration von Greifern und sogenannten „End-of-Arm-Tools“. Auch Kuka hat gute Erfahrungen damit gemacht, wenn KMUs, die wenig oder keine Erfahrung mit Automatisierung haben, zunächst klein beginnen. „Es ist wichtig, sich mit der Technik vertraut zu machen und Erfahrungen zu sammeln“, sagt Steffen Günther, Business Development Manager Machine Tools bei Kuka.

Der richtige Einstieg

Für den Einstieg in die Automatisierung bieten sich zum Beispiel einfache Anwendungen wie Palettieren oder Pick-and-Place an, um erste Erfahrungen zu sammeln und Berührungsängste bei den Mitarbeitern abzubauen. So bauen sich Robotik-Kompetenzen auf; und auch aufwendigere Anwendungen lassen sich automatisieren. Generell sollte am Anfang einer möglichen Automatisierung immer eine Machbarkeitsstudie stehen.

Diese zeigt die Möglichkeiten und Grenzen der geplanten Anwendung. Die Gegebenheiten des Unternehmens sind entscheidend dafür, wie schnell es seine Prozesse mit Robotern automatisieren kann.

Bezahlbare Roboter

Auch eine „kleine“ Automatisierung kostet aber Geld. Vor allem für KMUs sind Investitionssicherheit und ein überschaubares Investitionsvolumen wichtig. Die Anschaffungskosten für Robotik sind in den vergangenen Jahren jedoch gesunken. Außerdem sind „downgesizte“ Produkte erhältlich; das heißt eine an die jeweilige Anwendung angepasste Variante.

Zu erschwinglichen Lösungen zählen auch kollaborierende Roboter (Cobots), die sich insbesondere durch ihre einfache Bedienbarkeit für KMUs eignen. Eine andere Option sind autonome Transportroboter für die Intralogistik. Diese sind flexibel einsetzbar und eignen sich für diverse Aufgaben. Jörg Faber, Sales Director Dach & Benelux bei MIR (Mobile Industrial Robots) hebt dabei vor allem die schnell mögliche Inbetriebnahme hervor. „Außerdem sind die Gesamtbetriebskosten niedrig. Weil Roboter rund um die Uhr einsetzbar sind, rechnen sich ihre Anschaffungskosten oft schon binnen eines Jahres.“

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Leasen statt kaufen

Trotz allem ist eine Neuanschaffung nicht immer möglich; und auch nicht notwendig. Wer nicht kaufen will, kann auch leasen. Diese Finanzierungsmodelle erleichtern den Einstieg in die Automatisierung, denn sie ermöglichen einen skalierbaren, bedarfsgerechten Robotereinsatz ohne langjährige Investments.

Roboter einfach anbinden und programmieren

Fast jeder Hersteller von Robotern und Werkzeugmaschinen arbeitet mit individuellen Schnittstellen. Die vom VDW initiierte Universal-Schnittstelle „Umati“ (Universal Machine Tool Interface) soll als herstellerübergreifender Standard das Normungs-Problem lösen. Über 70 Partner haben dazu auf der EMO 2019 Beispiele vorgestellt.
Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU geht einen anderen Weg: Es hat ein Konzept vorgestellt, das mittels künstlicher Intelligenz und Vision-Lösungen manuell ausgeführte Tätigkeiten kopiert und automatisiert den Roboter programmiert. Laut IWU sind dabei für den Anwender keine Programmierkenntnisse nötig, die Anbindung des Roboters an die Werkzeugmaschine erfolgt ohne individuell programmierbare Schnittstellen.

Die angebotenen Leistungspakete umfassen meist mehr als das bloße Nutzen der Roboter. Bei „Robots as a Service“ sind auch unterstützende Leistungen wie Systemintegration, Wartung und Instandhaltung inklusive. Ist ein Roboter defekt, kümmert sich also der Anbieter oder Vertriebspartner um die Reparatur, ohne unvorhergesehene Kosten. Zudem beziehen sich Leasingangebote stets auf das aktuelle Robotermodell. So sind Anwender automatisch auf dem aktuellen Stand der Technik und müssen nicht nach jedem Produkt-Update erneut investieren.

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