Suchen

LED-Technik Scheinwerfer-Reinigung wird zunehmend unnötig

| Autor / Redakteur: Holger Holzer/SP-X / Christian Otto

Das LED-Licht verdrängt zunehmend Xenon-Lösungen in den Fahrzeugen. Dadurch sinkt auch der Bedarf an Scheinwerferreinigungsanlagen. Mercedes verzichtet bei der überarbeiteten E-Klasse beispielsweise komplett auf das System.

Firmen zum Thema

Bei der E-Klasse verzichtet Mercedes erstmals komplett auf eine Reinigungsanlage für die Scheinwerfer. Auch andere OEMs dürften diesem Vorbild folgen.
Bei der E-Klasse verzichtet Mercedes erstmals komplett auf eine Reinigungsanlage für die Scheinwerfer. Auch andere OEMs dürften diesem Vorbild folgen.
(Foto: Daimler)

Mercedes verzichtet beim kürzlich erfolgten Facelift der E-Klasse auf Xenon-Licht und bietet stattdessen ausschließlich LED-Licht an. Das nutzen die Stuttgarter, um gleichzeitig die Scheinwerferreinigungsanlage komplett zu streichen.

LED-Scheinwerfer verdrängen immer mehr das bisher als Top-Option angebotene Xenon-Licht. Für dieses ist die Reinigungsanlage vorgeschrieben, da das sehr helle Licht bei verschmutzter Streuscheibe den Gegenverkehr stark blenden kann. Zwar strahlen LED-Scheinwerfer mindestens genauso hell, allerdings sind Wischer oder Waschdüsen hier nicht zwingend nötig.

Der Grund dafür liegt an einem anderen Messverfahren für die Helligkeit. Während diese bei Xenon-Licht direkt an der Lampe gemessen wird, erfolgt sie bei LED-Scheinwerfern erst an der Linse vor den Leuchtdioden. Das hat vor allem praktische Gründe, sind LED-Lichter doch als Modul gefertigt und die einzelnen Dioden somit gar nicht mehr erreichbar. Durch die filternde Linse erreichen die modernen Abblendlichter nicht mehr den Helligkeits-Grenzwert von 2.000 Lumen, ab dem eine Reinigungsanlage vorgeschrieben ist.

Audi kombiniert LED und Spritzdüse

Mercedes hat als einer der ersten Hersteller die neuen Möglichkeiten der Helligkeitsnorm erkannt und die Scheinwerferreinigung in der E-Klasse gleich komplett ausgemustert. Konkurrent Audi hingegen kombiniert etwa beim gerade gelifteten A8 auch die LED-Lichter mit der Spritzdüse. Allerdings möglicherweise auch deswegen, weil die Basismodelle weiterhin mit der älteren Xenon-Technik ausgerüstet sind. Das Streichen der Düsen wäre hier wenig sinnvoll, müssen die Technik und der Frontstoßfänger mit den entsprechenden Düsen-Öffnungen bei der Produktion doch trotzdem weiterhin vorgehalten werden.

Daimler hingegen kann mit der Streichung Kosten und Komplexität reduzieren. Und noch einen weiteren Vorteil sehen die Stuttgarter. Durch den Verzicht auf Düsen, Stellmotoren, Leitungen und Extra-Wischwasser sinken Fahrzeuggewicht und Verbrauch. Dass die wenigen Kilogramm beziehungsweise Millimeter sich im Portemonnaie des Käufers bemerkbar machen, darf allerdings bezweifelt werden.

Kunden befürchten Sicherheitsprobleme

Probleme bei der Verkehrssicherheit sieht Mercedes nicht. Tests hätten ergeben, dass die fehlende Reinigungsanlage bei LED-Scheinwerfern keinen Einfluss auf die Blendgefahr hat, so der Hersteller. Im Internet regt sich aber bereits leichter Protest. Vor allem bei Schnee oder schmutzigen Straßen könnte der Wegfall der Säuberungsmöglichkeit ein Problem sein, so das Argument. Und auch die Kunden in Skandinavien dürften sich kaum freuen, zählt die Scheinwerferreinigungsanlage doch dort fast so zum Standard wie hierzulande die Klimaanlage.

Künftig betrifft das Problem wohl aber nicht mehr allein Mercedes-Kunden. Denn im gleichen Maß, in dem LED-Scheinwerfer das Xenonlicht aus der Optionsliste verdrängen, wird wohl auch die Reinigungsanlage endgültig verschwinden.

(ID:42369017)