Strategie Heftige Spekulationen um Seats Zukunft als Automarke

Von Andreas Grimm , sp-x Lesedauer: 3 min

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Hinter der Zukunft von Seat als Automarke steht schon länger ein dickes Fragezeichen. Denn viel Kraft steckt der Konzern in den Aufbau von Cupra. Zu viel, sagen die Seat-Anhänger. Nun haben Aussagen am Rande der IAA für neue Verwirrung gesorgt.

Zur Zukunft von Seat gibt es aktuell heftige Spekulationen.
Zur Zukunft von Seat gibt es aktuell heftige Spekulationen.
(Bild: Seat)

Adiós, Seat? Mit einer Botschaft, gefallen angeblich in einem Gespräch von Thomas Schäfer, im Volkswagenkonzern verantwortlich für die Volumenmarken, am Rande der IAA Mobility in München, haben die britische Zeitschrift „Autocar“ und Agenturen für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Tenor: Bis 2030 werde die Marke Seat als Automobilbauer verschwinden, da der Volkswagen-Konzern komplett auf Cupra setze. Der Autobauer will die Schlagzeile so allerdings nicht stehen lassen – aber auch nicht glasklar dementieren.

Von der Konzernkommunikation heißt es auf Nachfrage dieser Redaktion, Thomas Schäfer habe während eines Roundtable-Gesprächs grundsätzlich über die „Möglichkeiten“ der Zukunft von Seat gesprochen, aber nicht über den konkreten Schritt einer Einstellung. Und weiter: „Nach wie vor ist die künftige Rolle von Seat offen“.

In der Darstellung von Seat, die über die VW-Pressestelle weitergeleitet wurden, heißt es ebenfalls, Medienberichte über einen Stopp der Autoproduktion unter der Marke Seat seien unzutreffend. Vielmehr seien Überarbeitungen der Modelle Ibiza, Arona und Leon geplant. Und nicht zuletzt: Die Zeit der Elektrifizierung von Seat werde kommen. „Wir arbeiten hart für dieses Ziel“. Allerdings wird auch die Möglichkeit angeführt, dass unter der Marke Seat „neue Formen der Mobilität wie Sharing, Abo und Mikromobilität, wie sie junge Leute benötigen“ angeboten werden könnten. Dabei wird explizit auf die E-Rollermarke Seat Mo verwiesen.

Die mediale Version, VW setze bei seiner spanischen Tochter Seat künftig nur noch auf Cupra, entspricht allerdings der weit verbreiteten Auffassung im Markt – bei Seat-Wettbewerbern ebenso wie bei Seat-Händlern. Ihnen zufolge fließt aller Invest derzeit in die Marke Cupra.

Die Cupra-Präsenz auf der IAA Mobility 2023: Opulenz ohne Ende, aber keine Spur von Seat.
Die Cupra-Präsenz auf der IAA Mobility 2023: Opulenz ohne Ende, aber keine Spur von Seat.
(Bild: Grimm – VCG)

Für jeden sichtbar rückt in den Autohäusern die Marke Seat optisch immer stärker gegenüber Cupra in den Hintergrund. Und auf der IAA Mobility ist ein riesiger Cupra-Auftritt in der Innenstadt zu sehen, der bestenfalls in seiner Opulenz noch von Mercedes übertroffen wird. Von Seat dagegen keine Spur. Und die Muttergesellschaft, die Seat S.A. spricht in ihrer Halbjahresbilanz zwar von einem Rekordergebnis, aber „angetrieben durch den Erfolg von Cupra“. Zudem gibt es konkrete Gedankenspiele zur Internationalisierung der Spanier – natürlich mit der Marke Cupra. Seat sollte auch mal eine globale Marke werden, insbesondere mit der Eroberung Chinas. Dieser Plan ist lange abgesagt.

Wirklich überraschend wäre die Entscheidung, Seat einzustellen, also nicht. Schon in den letzten Jahren hatte VW überwiegend in Cupra investiert und die Marke Seat deutlich wahrnehmbar vernachlässigt. Und vor etwas mehr als einem Jahr hatte der Seat-Betriebsratsvorsitzende das Seat-Ende für das Jahr 2029 prognostiziert.

Von der Ausstattungslinie zur Marke

Cupra ist aus einer vormaligen Seat-Ausstattungslinie hervorgegangen und wurde vor fünf Jahren als eigenständige Marke platziert und auf dynamisch getrimmt, manche sagen auch halbstark. Doch Cupra wird letztlich das Schicksal ereilen, zu einer reinen Elektromarke werden zu müssen; Anfang der 2030er Jahre sollen nur noch E-Autos angeboten werden. Ob die anvisierte Zielgruppe diesen Weg mitgeht, wird sich dann zeigen.

Eine Entscheidung gegen Seat wäre das Ende der Geschichte dieser vormals rein spanischen Marke als Automobilbauer. 1950 gegründet, fertigte Seat zunächst Fiat-Modelle in Lizenz. Seit 1986 gehört das Unternehmen zum Volkswagen-Konzern, brachte den Wolfsburgern viele Jahre lang aber hohe Verluste ein. Auch der Versuch, Seat als mediterrane Alternative zu Alfa Romeo zu positionieren, scheiterte komplett.

Nun soll Cupra mit Hilfe des VW-Konzerns jene Rolle einnehmen, die Seat bislang versagt geblieben ist. Durch das bei VW wie in allen Autokonzern vorherrschende Gleichteile-Konzept, wird es die junge Marke aber nicht leicht haben, sich zu positionieren. Letztlich bleiben ihr vor allem das Design und eine entsprechende Werbung, um sich von Marken wie Volkswagen oder Skoda abzusetzen.

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