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Ford Kuga Sechs Modelle, eine Fabrik

| Redakteur: Jens Meiners

Nach den Produktionsanläufen des neuen C-Max im März 2007, des neuen Focus am 3. Dezember 2007 und des neuen Focus ST am 11. Februar 2008 ist der Kuga nun bereits unser vierter Modellanlauf

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Nach den Produktionsanläufen des neuen C-Max im März 2007, des neuen Focus am 3. Dezember 2007 und des neuen Focus ST am 11. Februar 2008 ist der Kuga nun bereits unser vierter Modellanlauf in nur zwölf Monaten“, berichtet Jacques Pollenus, Werkleiter Ford Saarlouis. Diese bemerkenswerte Leistung sei nur durch die hochmotivierten und hochqualifizierten Mitarbeitern zu schaffen gewesen. Neben dem Focus Drei- und Fünftürer, Turnier, ST und C-Max läuft mit dem Kuga in Saarlouis nunmehr die sechste Variante vom Band. „Bei dieser Komplexität zahlt sich unser hoher Facharbeiteranteil von mehr als 60 Prozent aus“, bekräftigt Pollenus.

Die Serienproduktion des neuen Kuga startete am 26. Februar 2008. Im laufenden Jahr will Ford rund 45 000 Einheiten des so genannten Kompakt-SUV fertigen. 2009, im ersten vollen Jahr, sollen dann mindestens 56 500 Fahrzeuge oder 250 Wagen am Tag vom Band rollen – aber auch rund 70 000 Kuga sind bei großer Nachfrage möglich. Um diese Zahlen zu erreichen, wird Ford allerdings Teile der Focus-Fünftürer-Fertigung ins Schwester-Werk Valencia verschieben müssen.

Grundsätzlich nutzt der Kuga sehr viele Komponenten und Module der Focus-Familie. Dennoch hat er noch etwa 1 000 Neuteile – darunter der optional erhältliche 4x4-Allradantrieb mit Haldex-Kupplung. Entwickelt wurde das Kompakt-SUV im neuen Kinetic-Design – und zwar in Köln-Merkenich. Es hatte seinen Ursprung in der Designstudie Iosis X, die Ford 2006 auf dem Automobilsalon in Paris vorgestellt hat.

Weitere Highlights sind die neue, zweigeteilte Heckklappe, die vorderen Kunststoff-Kotflügel und das bereits aus dem C-Max bekannte Panoramadach. Darüber hinaus gibt es eigens für den Kuga entwickelte Farben, eine 230-Volt-Steckdose in der Mittelkonsole, einen geänderten Dachgepäckträger und das Key-Less-System mit so genanntem Power-Start-Button zum Starten und Stoppen des Motors.

In der Endmontage wurden dazu folgende Arbeitsstationen neu eingerichtet beziehungsweise verändert:

- automatische Montage des Panoramadachs, Anpassung an den Kuga

- Vormontage, Zuführung zur Linie und Montage der 19-Zoll-Räder

- Vormontage und Montage der Kardanwelle (4x4-Antrieb)

- Montage der Heckklappenscharniere

- Montage des Heckklappenmoduls an die Scharniere

- Verlegung der Dachgepäckträger-Montage

- neues Handlinggerät für die Montage des Hintersitzrahmens

- Verschraubung der hinteren Stoßdämpfer an die Karosserie mit Anwahl der Standhöhe des Mitarbeiters

- neue Linienabschaltung des Werkermitfahrbandes beim Herunterfahren des Teilewagens im Anschluss an die Medienbefüllung

Die Taktzeiten in der Trim betragen im Schnitt 72 Sekunden (Doppellinie) sowie 36 Sekunden für die „Hochzeit“ von Fahrgestell und Karosserie. Dabei bringen 14 Zulieferer aus den Industrieparks I und II (=Saarwellingen) über eine Förderbrücke respektive per Lkw insgesamt 17 verschiedene Komponenten just-in-sequence an die Focus-Linien (siehe Kastentext auf Seite 62). Dieses Konzept spart laut Pollenus täglich etwa 350 Lkw-Anlieferungen. Es startete 1998 mit der Focus-Fertigung am Standort Saarlouis. Mittlerweile ist es Standard in allen europäischen Ford-Werken.

Die größten Veränderungen brachte der Neuanlauf des Ford Kuga im Karosserie-Rohbau mit sich. „Ohne Werkzeuge haben wir einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag investiert“, sagt Dr. Reinhold Korte, Betriebsleiter Presswerk und Karosseriebau. Vorrangig war aber auch hier, soweit wie möglich bestehende Anlagen zu nutzen.

Komplett neu sind nur die beiden Linien zur Anbauteilefertigung: Auf einer Linie bauen die Mitarbeiter die vier Türen, auf der anderen die Motorhaube und die Heckklappe. Die Seitenwandfertigung und die Zusammenbau-Linie von Seitenwand und Dach wurden um den Kuga ergänzt. Bei der Bodengruppen-Fertigung und der Montagelinie für Karosserieanbauteile (Closures) hingegen musste kaum etwas getan werden. „Die Bodengruppe des Kuga hat sehr größe Ähnlichkeiten mit dem Focus ST und die Closures-Montagelinie haben wir bereits mit dem Anlauf des neuen Focus auf Laser-Messtechnik umgestellt“, erläutert Korte.

Der Umbau der bestehenden Anlagen musste bei laufender Produktion stattfinden. Die Hauptaktivitäten fanden deshalb in den Werksferien und über viele Monate hinweg an den schichtfreien Wochenenden statt. „Das setzt eine funktionierende und höchst engagierte Mannschaft voraus“, kommentiert Korte. Später im Prozess nutzte Ford die halbstündigen Pausen in den drei Schichten, um die neuen Teile und Vorserienfahrzeuge zu fertigen.

Zum ersten Mal in einer Serienproduktion setzt Ford bei der Motorhaube des Kuga die Fertigungstechnik des Rollbördelns ein: Außen- und Innenschale des Anbauteils werden in ein „Bett“ gelegt. Dann fährt ein Roboter mit einer Anpressrolle bis zu fünf Mal über den Falzflansch und drückt ihn bei. „Das Verfahren spart Werkzeugkosten gegenüber dem konventionellen Bördeln. Aber sie müssen auch die Zeit haben, es zu tun“, erklärt Korte. Ganz normal im Rohbau mit verbaut werden die Kunststoff-Kotflügel des Kuga. Dann durchlaufen sie den Standard-Lackierprozess und müssen danach zu Motorhaube, Türen und A-Säule passen. Weil sich die Kunststoff-Kotflügel durch die Hitze dimensional verändern, arbeitet Ford mit flexiblen Befestigungspunkten.

„Das Besondere für den Rohbau ist weniger das Verbauen der Kotflügel, sondern die Herausforderung, nach dem Lack noch eine vernünftige Frontpartie zu haben“, resümiert Korte.

Die deutsche Publikumspremiere des Ford Kuga steht noch im April auf der AMI-Messe in Leipzig ins Haus, bei den Händlern wird er im Juni zu sehen sein. In der Ausstattungsvariante „Trend“ startet der Wagen zu einem Preis von 26 500 Euro. Als Motorisierung gibt es zunächst ausschließlich den 2,0-Liter-Duratorq-TDCi-Dieselmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung und 100 kW (136 PS) sowie 6-Gang-Schaltgetriebe.

Angetrieben wird das Kompakt-SUV wahlweise über die Vorderräder (2x4) oder – für die große Freiheit – über ein intelligentes Allradsystem mit moderner Haldex-Kupplung (4x4). Für den Fronttriebler gibt Ford einen Normverbrauch von 6,3 Liter an (165 g/km CO2), vier angetriebene Räder verlangen 0,1 Liter mehr. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 169 g/km.

Das maximale Drehmoment liegt bei 340 Nm (Overboost) beziehungsweise 320 Nm. Zum serienmäßigen Lieferumfang zählt unter anderem das elektronische Sicherheits- und Stabilitätsprogramm ESP mit integrierter Überroll-Prävention ARM (Anti Rollover Mitigation) sowie das Antiblockier-Bremssystem ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD (Electronic Brakeforce Distribution).

Der Fünftürer ist 4,44 Meter lang und 1,84 Meter hoch. Er bietet Platz für fünf Personen. Die Heckklappe ist zweigeteilt und lässt sich auf Knopfdruck elektrisch öffnen. Dahinter befindet sich der 360 bis 1 355 Liter große Kofferraum, der Ladegut bis 75,8 cm Höhe fasst. Die geteilte Rückbank erlaubt eine ebene Ladefläche. Darunter wie auch unter den Sitzen der zweiten Reihe gibt es zusätzliche Staufächer.

Der Kuga wird von Saarlouis in zunächst 32 Länder exportiert. Die fünf wichtigsten Absatzmärkte sind Italien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien – in dieser Reihenfolge.

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