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Zulieferer „Sound.AI“: ZF will Fahrzeuge hören lassen

| Autor: Claus-Peter Köth

Im Rahmen seiner Bilanzpressekonferenz stellte die ZF Friedrichshafen AG jüngst vier neue Produkte für die Mobilität der Zukunft vor – mit „Sound.AI“ will der Automobilzulieferer Fahrzeugen das Hören beibringen.

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Im Rahmen seiner Bilanz-Pressekonferenz stellte die ZF Friedrichshafen AG jüngst vier neue Produkte für die Mobilität der Zukunft vor - unter anderem den „e.GO Mover“.
Im Rahmen seiner Bilanz-Pressekonferenz stellte die ZF Friedrichshafen AG jüngst vier neue Produkte für die Mobilität der Zukunft vor - unter anderem den „e.GO Mover“.
(Bild: ZF)

Heute lässt ZF die Fahrzeuge sehen, denken und handeln. Künftig will der Zulieferer mit seiner Neuentwicklung „Sound.AI“ den Autos auch das Hören beibringen – damit sie nicht sichtbare Gefahrenquellen vorzeitig wahrnehmen können. Ein Künstliche-Intelligenz(KI)-Modul erkennt Geräusche aus der Umgebung, beispielsweise das Martinshorn eines sich nähernden Polizei- oder Rettungswagens. Das System warnt daraufhin Autofahrer via Display, woher das Einsatzfahrzeug kommt und gibt eine Empfehlung ab, wie sie sich verhalten sollten.

Sound.AI ist in nur zehn Monaten aus einer Idee zweier Mitarbeiter entstanden. Inspiriert wurden sie von einem Start-up bei der ZF Pitch Night im März 2017. Im Sommer 2017 reichten sie ihre Idee bei der internen Digital Innovation Challenge ein und gewannen in der Kategorie Digitale Services und Produkte. Anfang 2018 präsentierten sie einen Prototyp, ausgestattet mit Mikrofonen und künstlicher Intelligenz zur Geräuscherkennung. Auf dieser Basis wurde das Projekt jüngst zur Weiterentwicklung und Industrialisierung an die Vorentwicklung und ein Geschäftsfeld von ZF übergeben.

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Start-up-Kultur bei Autozulieferer ZF

Für den neuen ZF-Chef Wolf-Henning Scheider ist Sound.AI beispielgebend für eine neue Arbeitsweise bei ZF. Er will die projektbezogene Zusammenarbeit im Konzern fördern, um der hohen Dynamik in der Branche noch besser gerecht zu werden. „Wir stärken den Einsatz bereichsübergreifender Teams mit hoher Eigenständigkeit bei Entscheidungen. Mit unseren Kunden arbeiten wir in diesen Projekten noch enger und frühzeitiger zusammen, um attraktive Produkte viel schneller in Serie zu bringen“, so Scheider auf der Bilanz-Pressekonferenz von ZF. Das heiße aber auch, ein Projekt rasch abzubrechen, wenn die Erwartungen nicht erfüllbar sind. „Mit diesem Denken ist eine Start-up-Kultur auch in einem großen Konzern möglich“, sagte Scheider.

Systemanbieter für neue Mobilitätskonzepte

Das Mobilitätskonzept „Snap“ der Schweizer Ideenschmiede Rinspeed fährt autonom, elektrisch und damit lokal emissionsfrei. Mit je nach Einsatzzweck austauschbaren Kabinen soll es den urbanen Personen- und Güterverkehr der Zukunft revolutionieren. Basis hierfür bietet die flexible Plattform Intelligent Dynamic Driving Chassis, kurz IDCC, von ZF. Mit einem Sensoren-Cluster aus Radar-, Kamera- und Lidar-Systemen im Verbund mit der KI-fähigen Steuerbox „ZF ProAI“ kann das IDDC autonom fahren.

In das modulare Hinterachssystem „mSTARS“ ist eine 150 Kilowatt starke elektrische Maschine samt Leistungselektronik integriert. Mit der aktiven Hinterachslenkung AKC und dem sogenannten EasyTurn-System an der Vorderachse kann der „Snap“ beinahe auf der Stelle wenden.

Deutlich näher an der Serienproduktion ist der People und Cargo Mover „e.GO Mover“ von e.GO Moove – ein Joint Venture der e.GO Mobile AG und der Zukunft Ventures GmbH von ZF. Der elektrische Kleinbus kann je nach Einsatzzweck Menschen oder Frachtgut transportieren. ZF bringt das Antriebssystem ein sowie seine ADAS-, Fahrwerks- sowie Sensor-Fusion-Technologien. Ebenfalls integriert wird die gemeinsam mit Nvidia entwickelte Steuerbox „ZF ProAI“, denn der e.GO Mover soll künftig nicht nur elektrisch, sondern auch autonom fahren.

Ein Elektroantrieb für Stadtbusse

Als neuesten Zugang im E-Mobility-Produktspektrum für Nutzfahrzeuge präsentierte ZF kürzlich auf der Fachmesse „Busworld 2017“ den elektrischen Zentralantrieb „CeTrax“. Nun stand der Elektrobus in Friedrichshafen. „Mit seinem „Plug-and-Drive“-Konzept lässt sich CeTrax in bestehende Fahrzeugplattformen integrieren. Durch die Kombinationsmöglichkeit mit Direkttriebachsen sowie mit konventionellen Niederflurachsen deckt das System sowohl Low-Entry-Busse wie auch Niederflurbusse ab. Fahrzeughersteller, die mittels einer Plattformstrategie vorhandene konventionelle Modelle zusätzlich auf eine strombetriebene Fahrweise umstellen wollen, reduzieren so Entwicklungs- und Installationsaufwendungen“, erklärte ZF-Entwickler Dr. Jochen Witzig. Mit einer maximalen Leistung von bis zu 300 Kilowatt und einem maximalen Drehmoment von 4.400 Newtonmetern stehe „CeTrax“ in Sachen Performance einem konventionellen Aggregat in nichts nach.

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 Claus-Peter Köth

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Chefredakteur