Suchen

Fahrbericht Ssangyong Tivoli: Endlich an der Reihe

| Autor: Jens Scheiner

Als letzter in der Modellpalette erhält der Ssangyong Tivoli ein tiefgreifendes Facelift. Dazu gehören ein aufgefrischtes Design, eine erweiterte Ausstattung sowie kraftvolle Aggregate und ein unschlagbarer Einstiegspreis.

Firmen zum Thema

Vier Jahre nach dem Start des Ssangyong Tivoli erhält das Crossover-SUV ein tiefgreifendes Facelift.
Vier Jahre nach dem Start des Ssangyong Tivoli erhält das Crossover-SUV ein tiefgreifendes Facelift.
(Bild: Thomas Günnel/»Automobil Industrie«)

In Deutschland führt der südkoreanische Hersteller Ssangyong ein Schattendasein. Das Belegen nicht zuletzt die Zulassungszahlen: Zwischen Januar und Dezember 2019 wurden gerade einmal 2.870 Fahrzeuge der Marke mit den Zwillingsdrachen zugelassen. Das ist zwar ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, verglichen mit den anderen beiden Südkoreanern Hyundai (11.399) und Kia (5.597) aber ausbaufähig. Deshalb bläst Ssangyong nun zum Großangriff: Nach dem Rexton im Jahr 2018, hat der zu Mahindra gehörende Autohersteller den Korando und den Tivoli fast zeitgleich einem Facelift unterzogen. Während der Korando bereits in die vierte Generation geht, bekommt der nach einer italienischen Stadt benannte Tivoli sein erstes Update seit seiner Markteinführung im Jahr 2015.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 12 Bildern

Typisch asiatisch mit einem Hauch europäisch

Das Blechkleid mit seinen markanten Sicken und Kanten sowie den schwungvoll ausgestellten Radkästen bleibt nahezu identisch. Dafür erhält die Frontpartie einen neuen Look: Kühlergrill, Nebelscheinwerfer und Tagfahrlichter sind schärfer gezeichnet, außerdem gibt es optionale Voll-LED-Scheinwerfer. Am Heck fallen besonders die neu gestalteten Rückleuchten auf, die ein eigenwilliges Design tragen. Während das Heck das Prädikat „typisch asiatisch“ verdient, trägt die Front nun ein sehr europäisches Design.

Gleiches gilt auch für den Innenraum, dessen Ambiente deutlich aufgewertet wurde. Haptik, Materialqualität und Verarbeitung gehen absolut in Ordnung. Obwohl Hartplastik dominiert haben die Designer versucht den Innenraum geschmackvoll einzurichten: Neben schwarzem Klavierlack und matter Aluoptik finden sich auch strahlend verchromte Applikationen im Interieur. Daneben sind das Lenkrad sowie die Sitze mit perforiertem Leder und die alltäglichen Griffbereiche überwiegend mit geschäumtem Kunststoff überzogen. Das sieht gut aus und fühlt sich auch gut an.

Gutes Navigationssystem

Trotz der vielen Schalter, Tasten und Regler wirkt das Armaturenbrett übersichtlich und aufgeräumt. Das liegt nicht zuletzt am neuen 9,2-Zoll großen Navigationsbildschirm, der sich mittels einwandfreier Touchfunktion bedienen lässt. Die Menüführung des Infotainments ist nicht unnötig verschachtelt und die Smartphone-Anbindung mittels Bluetooth funktioniert spielend. Das Navi mit seiner 3-D-Kartenfunktion ist erstaunlich genau und die Abbildung gestochen scharf.

Flankiert wird der Bildschirm in unserem Testwagen von einem analogen Cockpit mit einem mittig platzierten Display, das die wichtigsten Parameter gut leserlich darstellt. In der Top-Ausstattung „Sapphire“ ist eine digitale Instrumententafel im 10,25-Zoll-Format serienmäßig. Diese haben wir bereits im Korando getestet und waren positiv überrascht. Gleiches gilt für die Raumökonomie des kleinen Asiaten.

Ausgewogene Mischung zwischen Komfort und Sportlichkeit

Zwar sollte man bei 4,22 Meter Länge keine Wunder erwarten, dennoch bietet der Tivoli ausreichend Platz für vier Personen. Mit einem Kofferraumvolumen von 395 Liter sind immerhin Ausflüge mit kleinem Gepäck möglich. Dabei sind die vier Sitze auf langen Strecken richtig bequem und geben guten Seitenhalt in schnell gefahrenen Kurvenpassagen. Nicht zuletzt dank der guten Fahrwerksabstimmung, die die Wankbewegungen der Karosserie in Grenzen hält. Insgesamt haben die Ingenieure eine gute Balance zwischen Komfort und einem gewissen Maße an Sportlichkeit gefunden.

Zu diesem Eindruck trägt auch der neue 1,5 Liter große Turbomotor mit 120 kW/163 PS bei, der bereits im unteren Drehzahlbereich deutlich Druck aufbaut und das 1,5 Tonnen schwere SUV kraftvoll anschiebt. Zu der angegeben Höchstgeschwindigkeit von 181 km/h hat es auf unseren Testfahrten nicht gelangt, und das war auch gut so. Denn im oberen Drehzahlbereich steigt nicht nur der Verbrauch auf über zehn Liter, auch die Fahrbahn- und Windgeräusche nehmen im Innenraum deutlich zu und erschweren die Konversation mit den Fondpassagieren.

Nerviges Piepen

Das gilt auch für die nervigen Warngeräusche der zahlreichen Assistenten: Jedes Einlegen des Rückwärtsgangs wird mit einem drei Sekunden langen Piepen signalisiert, aber das nimmt man für einen Basispreis von 15.990 Euro aber gern in Kauf. Serienmäßig an Bord sind ein automatisches Notbremssystem mit Frontkollisionswarner, ein Spurverlasswarner, ein Spurhalteassistent, eine Sicherheitsabstandswarnung, eine Verkehrsschilderkennung, ein Verkehrsflussassistent, eine Müdigkeitserkennung, ein Fernlichtassistent sowie eine Berganfahr- und eine Bergabfahrhilfe. Nicht alle haben ihren Dienst zuverlässig verrichtet: Auf die Verkehrszeichenerkennung sollte man sich nicht immer Blind verlassen, besonders in Baustellen wo naturgemäß eine Flut von Verkehrsschildern die Kameras verwirren, ist es besser sich auf seine Augen zu verlassen. Dafür hat der Spurhalteassistent den Tivoli unaufgeregt in der richtigen Fahrbahn gehalten und auch der Fernlichtassistent hat zuverlässig funktioniert.

Man sollte sich allerdings nicht vom niedrigen Einstiegspreis blenden lassen, denn die optionale Ausstattungsliste des Ssangyong Tivoli ist endlos lang. Selbst wer die höchste Ausstattungslinie Sapphire ab 25.990 Euro ordert, kann immer noch ein paar Extras bestellen, die den Preis nach oben treiben.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46345161)

Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE