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Voestalpine Stahl im Automobilbau: Highlights und Perspektiven

| Redakteur: Michael Ziegler

Im Wettbewerb der Werkstoffe setzt Stahl im modernen Leichtbau ein kräftiges Lebenszeichen. An Bedeutung gewinnt dabei die ganzheitliche Betrachtung der ökologischen Bilanz. Peter Schwab, Forschungschef des Voestalpine-Konzerns, und Karl M. Radlmayr, Leiter Technologie der Metal Forming Division, über aktuelle Highlights und die Perspektiven von Stahl im Automobilbau.

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Bei der gesamten ökologischen Bilanz – dem sogenannten Life Cycle Assessment – schneidet Stahl gut ab.
Bei der gesamten ökologischen Bilanz – dem sogenannten Life Cycle Assessment – schneidet Stahl gut ab.
(Voestalpine)

Zunächst eine grundsätzliche Frage an den Voestalpine-Forschungschef: Wie passen Stahl und Ökologie zusammen?

Schwab: Es ist für uns wichtig, diesen Zusammenhang zu betonen.

Peter Schwab, Leiter der Konzernforschung, Voestalpine.
Peter Schwab, Leiter der Konzernforschung, Voestalpine.
(Voestalpine)

Es kommt darauf an, einzelne Schritte nicht isoliert zu sehen, sondern es muss die gesamte ökologische Bilanz in ihrer vollen Breite in Betracht gezogen werden, das sogenannte Life Cycle Assessment. Und da hat Stahl wirklich gute Karten: Voestalpine ist nicht nur in der Produktion Benchmark bei Energie-/Rohstoffeffizienz und Emissionsvermeidung, sondern auch über unsere Produkte ein ganz entscheidender Ermöglicher von nachhaltigen Verbesserungen. Davon profitieren unsere Kunden, weil wir uns um höchste Standards in allen Bereichen bemühen, vom Werkstoff über die Verarbeitung bis hin zum Recycling. Beispielsweise setzen wir Schrott und Altkunststoffe wieder im Produktionsprozess ein.

Der Werkstoff Stahl spielt beim Leichtbau zweifellos eine ganz entscheidende Rolle. Was kann Voestalpine den Kunden an neuen Perspektiven konkret anbieten?

Radlmayr: Aus meiner Sicht gibt es drei wichtige Bereiche, in denen wir führende Lösungen entwickelt haben.

Karl M. Radlmayr, Leiter Technologie der Metal Forming Division, Voestalpine.
Karl M. Radlmayr, Leiter Technologie der Metal Forming Division, Voestalpine.
(Voestalpine)

Erstens der Strukturbereich: Hier ist allen voran PHS-ultraform zu nennen, der erste presshärtende Stahl im höchstfesten Segment (bis zu 1.800 MPa), der einen echten kathodischen Korrosionsschutz aufweist. Er ermöglicht in dieser Festigkeitsklasse die einmalige Kombination von komplexen Bauteilgeometrien und höchster Maßgenauigkeit. Den nächsten Quantensprung haben wir bei Bauteilen mit maßgeschneiderten Eigenschaften (sogenannten tailored-property parts) vor kurzem in der Serie umgesetzt: Wir verbinden die Vorteile pressgehärteter Bauteile mit bewährtem Korrosionsschutz von verzinktem Stahlband und ermöglichen damit effektiven Leichtbau in einer neuen Dimension.

Schwab: Diese Innovation hat sich bereits erfolgreich am Markt etabliert, und wir sind derzeit dabei, unsere weltweiten Produktionskapazitäten zu erweitern. PHS-ultraform ist auch ein gutes Beispiel für das Know-how-Netzwerk im Voestalpine-Konzern, ohne das die Entwicklung nicht realisierbar gewesen wäre. Neben dem indirekten Prozess mit Kaltumformung haben wir auch den direkten Prozess entwickelt, in dem Bauteile mit kathodischem Korrosionsschutz nun erstmals auch ohne Kaltumformschritt darstellbar sind. Dieses Vorhaben wäre ohne den Vorteil, alle Kompetenzen in einer Hand zu haben, nicht zu verwirklichen gewesen; es bedarf nicht nur des Wissens über den Werkstoff in allen Details, sondern erfordert die Simulation der gesamten Prozesskette bis hin zu Bauteileigenschaften.

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