Suchen

Typzulassung Strengere Regeln bei der Zulassung neuer Autotypen

| Autor: Thomas Günnel

Neue Fahrzeugtypen müssen seit 1. September strenger geprüft werden, um in der EU zugelassen zu werden. Parallel dazu werden die Prüfdienste genauer beobachtet.

Firma zum Thema

Seit 1. September gelten strengere Richtlinien für die Zulassung neuer Fahrzeugtypen in der EU.
Seit 1. September gelten strengere Richtlinien für die Zulassung neuer Fahrzeugtypen in der EU.
(Bild: Volkswagen)

Seit dem 1. September gelten neue EU-Vorgaben zur sogenannten Typgenehmigung. Neue Fahrzeugmodelle müssen demnach vor der Zulassung für den europäischen Markt strenger geprüft werden. Dazu zählen auch Kontrollen von Fahrzeugen, die sich im Verkehr befinden. Die Mitgliedstaaten sind laut Europäischer Kommission verpflichtet, „regelmäßig eine Mindestzahl von Fahrzeugen zu prüfen“. Konkret bei mindestens einem von 40.000 neu zugelassenen Kraftfahrzeugen. Dabei geht es vorrangig um Emissionsprüfungen.

Außerdem können einzelne Länder ab sofort gegen nicht konforme Fahrzeuge in ihrem Hoheitsgebiet vorgehen – ohne dafür die Erlaubnis der Behörde abzuwarten, die die Typgenehmigung erteilt hat.

Die verantwortliche Kommission kann zusätzlich sogenannte Einhaltungs- und Konformitätsprüfungen in Laboren oder auf der Straße durchführen. Bei Verstößen gegen Vorschriften kann sie EU-weite Rückrufe anordnen und Bußgelder von bis zu 30.000 Euro verhängen – pro Fahrzeug. Bisher konnten das nur die nationalen Behörden, die das Fahrzeug typgenehmigt haben.

Grundsätzliche Probleme werden wieder nicht angegangen.

Die Grünen sind laut der Deutschen Presseagentur (dpa) skeptisch, ob die neuen Regeln Betrug wie den Diesel-Skandal künftig verhindern können. „Diese neuen Regeln sind gut und wichtig, leider werden grundsätzliche Probleme wieder nicht angegangen“, kritisierte Bundestags-Fraktionsvize Oliver Krischer. Automobilhersteller könnten sich laut Krischer immer noch selbst aussuchen, in welchem Land sie die Typgenehmigung vornehmen lassen wollen – zum Beispiel dort, wo Behörden „besonders schlafmützig“ sind. Die eigentlichen Prüfer seien technische Dienste wie der TÜV, die bei illegalen Abschaltvorrichtungen in der Vergangenheit weggeschaut hätten. „Diese missbrauchsanfällige Regelung wird weitergeführt“ kritisiert Krischer laut dpa.

Mehr Kontrolle technischer Dienste

Die EU-Kommission ist sich indes sicher, dass Betrug wie beim Diesel-Skandal künftig unterbunden werden kann. Technische Dienste, die neue Fahrzeugmodelle prüfen und inspizieren, sollen laut der EU künftig von unabhängigen Stellen basierend auf strengen Kriterien geprüft werden, um ihre Benennung durch die Mitgliedstaaten zu erhalten und beizubehalten. „Nationale Typgenehmigungsbehörden werden nun gegenseitigen Begutachtungen, sogenannten „Peer Reviews“, unterzogen. Das soll dafür sorgen, dass die geltenden Bestimmungen in der gesamten EU umgesetzt und konsequent durchgesetzt werden“, beschreibt die Europäische Kommission. Zudem darf die Kommission Fahrzeuge selbst prüfen bei Verstößen Strafen gegen die EU-Staaten verhängen. Auch technische Dienste können mit Geldbußen belegt werden, wenn sie nicht streng genug prüfen.

Hintergrund zur Typgenehmigung

Die Typgenehmigung bescheinigt dem Hersteller, dass ein Fahrzeug alle Anforderungen für das Inverkehrbringen erfüllt. Außerdem stellt sie sicher, dass die Hersteller geltendes EU-Recht einhalten, einschließlich der festgelegten Emissionsgrenzwerte. Die neuen Typgenehmigungsvorschriften wurden im Jahr 2016 nach dem Diesel-Skandal von der Kommission vorgeschlagen und 2018 vom Europäischen Parlament und vom Rat angenommen.

Vollständige Verordnung lesen

(ID:46834736)

Über den Autor

 Thomas Günnel

Thomas Günnel

Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE