Suchen

Supply Chain Management Supply Chain: Durch Simulation Lieferprobleme vermeiden

| Autor/ Redakteur: Michael Wallraven* / Maximiliane Reichhardt

Die Lieferketten der Automobilindustrie sind komplex und damit angreifbar. Das Software-Unternehmen Llamasoft will durch eine Simulation aller Komponenten mit seiner Supply-Chain-Management-Software die Risiken minimieren.

Firmen zum Thema

Autonomer Transporter für die Intralogistik.
Autonomer Transporter für die Intralogistik.
(Bild: BMW)

Die Automobilindustrie ist ein weit vernetzter Industriezweig. Die Lieferketten der Branche umfassen drei bis fünf Stufen, in die viele Händler und Zulieferer eingebunden sind. Doch je komplexer die Lieferkette eines Automobilkonzerns ist, desto anfälliger ist sie für Störungen. Ein einziger Faktor kann dabei Schäden in Millionenhöhe nach sich ziehen.

Michael Wallraven ist der Geschäftsführer von Llamasoft Deutschland.
Michael Wallraven ist der Geschäftsführer von Llamasoft Deutschland.
(Bild: Llamasoft)

Brexit stört internationale Supply Chains

Nur allzu häufig sind die Risiken nicht vorhersehbar. Das zeigt sich am Beispiel Großbritannien: Möglicherweise verändern sich mit dem Stichtag 31. Oktober 2019 die Voraussetzungen für den Im- und Export aus dem Vereinigten Königreich: Zoll- und Einfuhrbestimmungen fallen nicht mehr unter EU-Gesetz, eine Visapflicht ist denkbar, Währungsschwankungen wahrscheinlich. Was also tun, wenn künftig die Lastwagen an der Grenze stehen bleiben? Oder wenn höhere Zölle Bauteile deutlich verteuern? Schaeffler hat als einer der ersten Automobilzulieferer die Konsequenzen aus dieser Unsicherheit gezogen: Das Unternehmen trennt sich von zweien seiner drei Standorte in Großbritannien und setzt auf Werke in Deutschland, China, Südkorea und Amerika. Damit kommt es Problemen durch neue Zollbestimmungen und Verschärfungen der Exportbestimmungen zuvor – ein wichtiges Thema für den Konzern, denn nur 15 Prozent der von Schaeffler in Großbritannien gefertigten Güter bleiben derzeit im Land. Der Großteil wird nach Kontinentaleuropa exportiert.

Digitaler Zwilling ermöglicht Simulation verschiedenster Szenarien

Der Brexit ist zwar kein Präzedenzfall was die Gefährdung der Lieferkette angeht. Doch er zeigt deutlich, auf welche Fragestellungen sich Unternehmen vorbereiten müssen, wenn sie ihre Supply Chain in jeder Lage sichern wollen. Kapazitäten ins Ausland zu verlagern oder die Lagerbestände zu erhöhen können wirksame Maßnahmen sein, nehmen jedoch viel Zeit in Anspruch.

Llamasoft will Lösungen anbieten, die Daten von verschiedenen Berührungspunkten über verschiedene Stufen der Lieferkette hinweg erfassen sollen. Ein so entstandener digitaler Zwilling soll eine durchgängige, cloudbasierte End-to-End-Visualisierung ermöglichen. Die gestatte es, Szenarien zu vergleichen, durchzuspielen und im digitalen Modell neue Varianten zu planen. Unternehmen könnten so die Schwachstellen ihrer Lieferketten visualisieren und bereits im Vorfeld die beste Vorgehensweise ermitteln. Sie könnten damit nicht nur Kosteneinsparungen erzielen – sondern auch ihre Lieferketten neu aufstellen, auf die neuen Voraussetzungen anpassen und in dem Moment optimieren, in dem prognostizierte Änderungen oder ungeplante Ereignisse eintreten.

Den optimalen Lagerort für Komponenten ermitteln

Ein Beispiel hierfür kommt aus der Elektronik. In dieser Branche reicht das Produktspektrum von einzelnen Bauteilen über Halbleiter und Sensoren bis hin zu kompletten Baugruppen für verschiedene Fahrzeuganwendungen. Die Supply-Chain-Plattform soll Herstellern helfen herauszufinden, welche Komponenten an welchem Ort bevorratet werden sollten und wie sie zeitnah an den Kunden geliefert werden können. Die Simulationsfähigkeit innerhalb der Plattform ermögliche es den Unternehmen, die richtigen Entscheidungen innerhalb der Supply Chain zu treffen.

Das Llamasoft-Pilotprojekt

Die Leistungsfähigkeit der Plattform testete ein Elektronik-Hersteller anhand eines Pilotprojektes. Das Ziel: die Kapazität des Distributionszentrums zu untersuchen und ein Szenario für eine möglichst kostengünstige Lagerhaltung zu erstellen. Dazu stellte das Unternehmen zunächst mit der Software Lagerhaltungsregeln für Produkte mit schnellem, mittlerem und langsamem Durchsatz auf. Parallel dazu entwickelte es zudem ein Simulationsmodell auf Auftragsebene, um Parameter zu identifizieren und zu validieren sowie eine „Was wäre wenn“-Analyse durchzuführen. So versprach man sich, Regeln für die Auftragserteilung und die Zuordnung der Produkte zu finden.

Es zeigte sich, dass 18 Prozent der Produkte einen schnellen oder mittleren Umsatz haben, 50 Prozent einen langsamen. Das Lager wurde diesen Informationen entsprechend optimiert, was die Lagerhaltungskosten um 13 Prozent senkte. Inzwischen nutzt die Firma die Plattform, um zu prüfen, wie viele Pakete pro Auftrag wirklich nötig sind und wie sich diese Kennzahl verbessern lässt. Als erstes Ergebnis wurde der Arbeitsvorrat erhöht, während die Wiederbeschaffungshäufigkeit innerhalb des Lieferantennetzwerks gesenkt werden konnte. Damit ging eine Verbesserung des Service einher, die Anzahl der Pakete pro Bestellung und die Bearbeitungskosten sind gesunken. Die Einsparungen belaufen sich laut Llamasoft auf 1,5 Milliarden Pfund – 500.000 davon sind wiederholbar.

*Michael Wallraven ist Geschäftsführer von Llamasoft Deutschland

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46151454)