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Fahrbericht Suzuki S-Cross Hybrid: Sparsames Raumwunder mit E-Boost

Autor: Jens Scheiner

Suzuki hat dem S-Cross einen kleinen E-Motor und somit den Zusatz Hybrid im Namen spendiert. Das Aggregat hat nominell nun weniger Leistung, dafür einen E-Boost, der das Kompakt-SUV agiler macht.

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Anfang des Jahres hat Suzuki dem S-Cross Hybrid einen Elektroboost spendiert. Wir haben das Kompakt-SUV getestet.
Anfang des Jahres hat Suzuki dem S-Cross Hybrid einen Elektroboost spendiert. Wir haben das Kompakt-SUV getestet.
(Bild: Jens Scheiner/Automobil Industrie)

Bereits im Jahr 2018 hat Suzuki den S-Cross gründlich überarbeitet. Neben einer attraktiveren Linienführung haben die Designer die LED-Scheinwerfer des Kompakt-SUV schärfer gezeichnet und den mächtigen Kühlergrill mit reichlich Chrom aufpoliert. Den Motoren dahinter haben die Japaner Anfang dieses Jahres einen Elektro-Boost spendiert: Der neue 1,4-Liter-Turbobenziner ist jetzt serienmäßig mit einem 48-Volt-Mild-Hybrid-System ausgestattet, bietet aber nicht mehr die bisherige Leistung von 103 kW/140 PS, sondern nur noch 95 kW/129 PS.

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Dafür sorgt der in das Mild-Hybrid-System integrierte Startergenerator als 10 kW/14 PS starker Elektromotor für mehr Schwung beim Anfahren und Beschleunigen. Und er senkt den Verbrauch, bei unserem Testwagen mit Allradantrieb auf nur 4,9 Liter auf 100 Kilometer laut Herstellerangaben. Im Realbetrieb allerdings hat sich der Verbrauch beim gemütlichen Cruisen auf der Autobahn mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 km/h bei 6,3 Litern eingependelt. Haben wir den Testwagen in Richtung der Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h getrieben, hat das Aggregat logischerweise deutlich mehr Kraftstoff verlangt, aber in keinem Fall mehr als neun Liter pro 100 Kilometer.

Spritziges SUV mit Geländequalitäten

Insgesamt geht der Turbo-Vierzylinder mit seinen 129 PS und einem maximalen Drehmoment von 235 Newtonmetern spritzig zur Sache: Überholvorgänge auf der Landstraße sind für den knapp 1,4 Tonnen schweren SUV überhaupt kein Problem. Hier spielt der neue Antriebsmix seine Stärken aus und der kleine E-Motor boostet kurzfristig mit spürbar mehr Leistung. Nicht umsonst haben die Japaner dem Aggregat den Zusatz „Boosterjet“ verpasst. Die beiden Systeme arbeiten dermaßen harmonisch zusammen, sodass nur eine Grafik im Bordcomputer verrät, wann der Elektromotor mithilft. Dabei ist auch der Verbrenner im unteren Drehzahlbereich sehr laufruhig; mit steigendem Tempo nehmen allerdings auch die Antriebs- und Windgeräusche zu – sind bei Unterhaltungen mit den Fondpassagieren aber nicht weiter störend.

Abseits der Autobahn zeigt das SUV, dass es auch ein bisschen Gelände kann: Bei vielen sogenannten Stadt-SUVs suggeriert der angedeutete Unterfahrschutz die notwendige Geländekompetenz, aber die wenigsten sind dafür geeignet. Der S-Cross Hybrid hat immerhin Allradantrieb und mit dem Fahrmodi Snow arbeitet sich das SUV auch souverän durch matschige Feld- oder steinige Waldwege. Aufgrund der eingeschränkten Bodenfreiheit könnten anspruchsvollere Offroad-Abenteuer hingegen schnell ein Ende finden. Dafür ist die Lenkung extrem leichtgängig, bietet dennoch fühlbaren Kontakt zum Untergrund. Angenehm ist auch wie das Fahrwerk Unebenheiten oder grobe Schlaglöcher unauffällig wegbügelt.

Raumwunder mit reichlich Ausstattung

Sollte es doch einmal wackeliger zugehen, halten die gut konturierten Ledersitze den Fahrer und Beifahrer fest im Sattel. Die Sitze für die Fondpassagiere hingegen geben kaum Seitenhalt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Oberfläche des Leders extrem glatt ist, sodass die Fahrgäste in schnellen Kurven noch weniger Halt haben. Dafür haben die Heckpassagiere ordentlich Platz in alle Richtungen. Selbst wenn Fahrer und Beifahrer ihre Sitze bis zum Anschlag nach hinten schieben, stößt man sich dahinter nicht die Knie an. Daneben ist mit einer Körpergröße von 1,90 Metern noch reichlich Luft nach oben. Und auch der Kofferraum ist mit 430 Litern bzw. 1.269 Litern respektabel. Wir konnten sogar ein Mountainbike ohne Probleme transportieren.

Insgesamt finden sich viele kleine, praktische Ablagefächer im Innenraum des S-Cross. Einziger Wermutstropfen: das viele Hartplastik. Aber irgendwo müssen die Japaner ja sparen, um den Einstiegspreis von 24.116 Euro zu rechtfertigen. Dafür ist Suzuki-typisch bereits die Basisausstattung sehr gut bestückt: Serienmäßig mit dabei sind beispielsweise sieben Airbags, Berganfahrhilfe, ESP sowie RBS (Radar Brake Support System), eine radargestützte, aktive Bremsunterstützung mit Notbremsassistent. Außerdem sind unter anderem LED-Scheinwerfer mit automatischer Leuchtweitenregelung, Seitenaufprallschutz sowie ein adaptiver Tempomat mit an Bord. Unser Testwagen in der Top-Ausstattung „Comfort + Allgrip Hybrid“ kostet 29.965 Euro; dafür ist bei so ziemlich jedem Extra ein Haken gesetzt. Mit dabei sind beispielsweise ein elektrisches Panorama-Glasschiebedach mit Sonnenblende, Sitzheizung vorne, ein Audio-System (inkl. DAB) mit Smartphone-Anbindung inklusive Navi, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Lenkradbedienung sowie sieben Lautsprechern. Für die Sicherheit sorgen zusätzlich eine Rückfahrkamera, Einparkhilfe vorne und hinten mit akustischer und optischer Anzeige.

Kurz gesagt führt der Suzuki S-Cross Hybrid die erfolgreiche Philosophie des japanischen OEMs nahtlos fort: kleine, verbrauchsarme Aggregate, die jetzt auch von einem kleinen E-Motor unterstützt werden. Daneben der Verzicht auf unnötigen Schnickschnack im Interieur, dafür Allradantrieb und reichlich Ausstattung zu einem fairen Preis.

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Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE