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Elektromobilität Tesla zerlegt: Zentrales Steuergerät für große Datenmengen

| Autor/ Redakteur: Thomas Kuther / Svenja Gelowicz

Tesla hat in Sachen Elektromobilität die Nase vorn. Jetzt hat sich beim Zerlegen eines Model 3 gezeigt, dass der US-amerikanische E-Autohersteller seinen Mitbewerbern auch in Sachen Steuergerät voraus ist.

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Tesla mag bei den Verkaufszahlen noch nicht an die großen Automobilhersteller heranreichen, beim Thema Steuergerät ist das Unternehmen aber Jahre voraus.
Tesla mag bei den Verkaufszahlen noch nicht an die großen Automobilhersteller heranreichen, beim Thema Steuergerät ist das Unternehmen aber Jahre voraus.
(Bild: Tesla)

Wenn es um die Elektronik geht, hat das Unternehmen von Elon Musk gegenüber den Branchengiganten einen enormen Vorsprung. Zu dieser verblüffenden Erkenntnis kam die japanische Tageszeitung „Nikkei Asian Review“, die ein Tesla Model 3 zerlegen ließ. Das Model 3 ist mit einem Einstiegspreis von etwa 33.000 US-Dollar das preisgünstigste Modell aus der vollelektrischen Produktpalette des US-Automobilherstellers.

Ein Steuergerät, das andere nicht hinbekommen

Was Experten beim Zerlegen am meisten verblüffte, ist das zentrale Steuergerät, der „full self-driving computer“. Dieses Elektronikmodul mit der Bezeichnung „Hardware 3“ könnte die derzeit übliche Lieferkette der Automobilindustrie komplett auf den Kopf stellen.

Das Modul, das im letzten Frühjahr vorgestellt wurde und in allen neuen Fahrzeugen der Modelle 3, S und X zu finden ist, enthält zwei maßgeschneiderte KI-Chips mit einer Fläche von 260 Quadratmillimeter. Tesla hat die Chips und die Software selbst entwickelt. Der „full self-driving computer“ steuert die Funktionen zum autonomen Fahren sowie das Infotainment-System der Fahrzeuge. Ein Ingenieur eines großen japanischen Autoherstellers, der das Modul untersuchte, erklärte „Nikkei“ gegenüber: „Das würden wir nicht schaffen.“

Technologie kommt frühestens 2025

Eine solche elektronische Plattform mit einem leistungsstarken Rechner als Kernstück ist der Schlüssel, um die Datenmengen in den intelligenteren, autonomen Autos von morgen zu handhaben. Branchenkenner erwarten, dass sich diese Technologie frühestens im Jahr 2025 allgemein durchsetzen wird. Das bedeutet, dass Tesla seine Rivalen um sechs Jahre schlagen wird. Die Auswirkungen auf die gesamte Automobilindustrie sind enorm und – für einige – erschreckend.

Tesla hat das digitale Nervenzentrum durch eine Reihe von Upgrades des ursprünglichen Autopilotsystems von 2014 aufgebaut. Was auch als Hardware 1 bezeichnet wurde, war ein Fahrerassistenzsystem, mit dem das Auto anderen vor allem auf Autobahnen folgen konnte und automatisch die Spur hielt. Alle zwei oder drei Jahre ging das Unternehmen einen Schritt weiter und erreichte schließlich den „full self-driving computer“, der eine ganze Reihe anderer Steuergeräte ersetzt und somit Gewicht, Platz und Kosten spart.

Anderen Autoherstellern steht ihre Lieferkette im Weg

Wenn man die finanziellen Ressourcen und die Fachkräfte von Toyota oder VW in Betracht zieht, könnten diese Autohersteller auch schon vor 2025 soweit sein. Aber technologische Hürden sind nicht der Grund für die Verzögerung, so der von Nikkei zitierte japanische Ingenieur. Der wahre Grund für die Verzögerung: Die Autohersteller befürchten, dass Steuereinheiten wie das von Tesla die über Jahrzehnte gepflegten Lieferketten für Teile veralten lassen. Solche Systeme werden die Anzahl der elektronischen Steuergeräte in Autos drastisch reduzieren. Für Zulieferer, die auf diese Komponenten angewiesen sind, fiele ein großer Geschäftsbereich weg.

Die großen Autohersteller fühlen sich also offenbar gezwungen, weiterhin komplizierte Netze von Dutzenden von Steuergeräten zu verwenden, während im Modell 3 nur einige wenige gefunden wurden. Anders ausgedrückt: Die Lieferketten, die den heutigen Autogiganten zum Wachstum verholfen haben, beginnen nun ihre Innovationsfähigkeit zu behindern. Junge Unternehmen wie Tesla hingegen sind nicht an Zulieferer gefesselt und können die besten verfügbaren Technologien nutzen.

Die meisten Teile sind „Made by Tesla“

Die meisten Teile innerhalb des Modells 3 tragen nicht den Namen eines Lieferanten. Stattdessen tragen viele das Tesla-Logo, einschließlich der Chips im Inneren der Steuergeräte. Dies deutet darauf hin, dass das Unternehmen die Entwicklung fast aller Schlüsseltechnologien im Auto streng kontrolliert. Und mit dieser Hardware kann sich Tesla mittels „Over-the-Air“-Software-Updates weiterentwickeln. Im Moment sind die Fahrzeuge noch als Level 2 oder teilautonome Autos klassifiziert. Aber Elon Musk hat betont, dass sie über alle notwendigen Komponenten für das vollständige Selbstfahren verfügen.

Von der Software bis zu den elektrischen Antriebssystemen entwickelt Tesla immer mehr im eigenen Haus. Wenn diese Strategie Erfolg hat, werden die Konkurrenten kaum eine andere Wahl haben, als dem Beispiel zu folgen und ihre alten Geschäftsmodelle und Lieferketten umzukrempeln – während sie versuchen, Teslas Vorsprung aufzuholen.

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