Fahrzeugvernetzung

Test: Warum die Connected Services enttäuschen

| Autor: Svenja Gelowicz

Das Ergebnis der Expertentests von Connected Services: Die derzeitigen Angebote erzeugen keine Nutzerbegeisterung. Sie sind nicht zuverlässig genug und nicht wirklich durchgängig.
Das Ergebnis der Expertentests von Connected Services: Die derzeitigen Angebote erzeugen keine Nutzerbegeisterung. Sie sind nicht zuverlässig genug und nicht wirklich durchgängig. (Bild: P3)

Wie steht es um die User Experience im vernetzten Fahrzeug? Dieser Frage ist die Beratungsgesellschaft P3 nachgegangen: Sie hat zehn Leadfahrzeuge hinsichtlich ihrer Konnektivität getestet – und bescheinigt den OEMs Nachholbedarf.

Ende Oktober, später Abend in Berlin-Moabit: In einem ehemaligen Straßenbahndepot parken im gedämpften Licht zehn Autos, darunter sind ein Tesla, eine S-Klasse, ein Audi Q5. Neben jedem Auto ist Technik aufgebaut – Peripheriegeräte wie die Apple Watch, der Amazon Echo Dot, der Flic Button, Tablets, Smartphones. Um die Fahrzeuge herum stehen Experten. Sie sind vom P3 Kompetenzcenter Connected Mobility, die in das Industriearchitektur-Ambiente des Classic Remise zu den „P3 Connected Car Experience Days“ eingeladen haben. Genauer gesagt: zum ersten Tag des Live-Testing von Connected Services.

Luft nach oben bei User Experience

Diese Experten haben die Autos bereits in einer Studie ausführlich unter die Lupe genommen – und festgestellt, dass die User Experience im vernetzten Fahrzeug noch lange nicht die Erwartungen der Nutzer erfüllt. „Unsere Tests haben gezeigt, dass die Hersteller zwar auf einem guten Weg sind, jedoch immer noch zu sehr Technik- und Feature-getrieben denken. Ein durchgängiges Gesamterlebnis der Services über alle Touchpoints hinweg bietet noch keines der Fahrzeuge“, erklärt Tino Müller, Leiter des P3 Kompetenzcenters Connected Mobility, und er sagt: „Auch der Frage nach dem wahren Kundenmehrwert wird noch nicht konsequent nachgegangen.“ Denn: Die bloße Ansammlung von vielen Features führe nicht zur Kundenbegeisterung.

Was enttäuschte die Experten an den Leadfahrzeugen der OEMs? Zum einen die Zuverlässigkeit der Systeme allgemein: In der Mercedes-Benz S-Klasse waren beispielsweise verschiedene Services aufgrund eines Map-Updates im Hintergrund länger nicht nutzbar – und weder die Servicehotline noch der Händler konnten den Testpersonen dieses Problem erklären oder es lösen. Wiederum bei Volvo war die Sprachbedienung am schlechtesten umgesetzt: Dem Nutzer fehlen Infos, welche Sprachbefehle wann genutzt werden können; und die Spracherkennung war häufig schlecht.

Patchwork aus Services

Eine weiterer Störfaktor: Der Nutzer muss sich teils mehrere Apps herunterladen oder sich verschiedene Accounts erstellen, um Funktionen nutzen zu können. Porsche nutzt zum Beispiel ein eigenes System, teils aber auch eines von Vodafone.

Insgesamt seien die Services im Connected Car noch reines Patchwork. Die derzeitigen Angebote sind nicht gesamtheitlich konzipiert, nicht zuverlässig genug und nicht wirklich durchgängig. Kurz: Sie erzeugen keine Nutzerbegeisterung.

Der Sieger kommt aus Bayern

In der Relativbewertung bietet der BMW 520 d das beste Kundenerlebnis, was ihm Awards in sieben von zehn Kategorien einspielte. Der 520 d kann Gestensteuerung, hat das breiteste Angebot im Bereich Connectivity Services und bietet zusätzliche Features, die andere OEMs (noch) nicht implementiert haben – wie ein System namens „On-Street Parking Information“. Dem Fahrer wird in der Navigation angezeigt, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit am Ziel ein Parkplatz zur Verfügung steht. Ein weiterer Pluspunkt: Alle Remote-Funktionen sind in einer App gebündelt; also nicht über mehrere verteilt, wie bei Range Rover oder Mercedes.

Über die P3 Connected Car Days

Die P3-Studie in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin untersuchte die Connected Services im Fahrzeug in den Kategorien Entertainment, Remote App, Apple Car-Play, Personalization, Voice Control, Registration, Communication, End-to-End Navigation und Innovation. Hersteller, die in einer der Kategorien mit ihren Services besonders gut abschnitten, erhielten den P3 Connected Services Award.

Die P3 Connected Car Days haben erstmals vom 25. bis 27. Oktober in Berlin stattgefunden. Dort konnten die 120 Besucher der Veranstaltung testen, wie die User Experience im vernetzen Fahrzeug ist – eigenständig, live und individuell in zehn Leadfahrzeugen mit voller Ausstattung aller Peripheriegeräte. An dem dreitägigen Event nahmen Mitarbeiter von acht Fahrzeugherstellern sowie Medienvertreter und Studenten teil.

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