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Interview mit Christian Senger Volkswagen ID: „Es wird ein Tablet auf Rädern“

| Autor / Redakteur: Wolfgang Gomoll / Jens Scheiner

Mit der Studie „ID“ hat sich VW eindeutig zur E-Mobilität bekannt. 2020 soll das Fahrzeug in die Serie gehen. Wir haben bei E-Spartenchef Christian Senger nachgefragt, ob der ID wirklich ein realistischer Blick in die Zukunft ist oder doch nur eine Blendgranate.

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Christian Senger: „Wer heute einen Golf kauft, muss morgen auch einen ID kaufen.“
Christian Senger: „Wer heute einen Golf kauft, muss morgen auch einen ID kaufen.“
(Bild: VW)

Herr Senger, mit dem VW ID verspricht Volkswagen bis zum Jahr 2020 eine rein elektrische Reichweite von bis zu 600 Kilometern. Ist das ein echtes Versprechen oder eine bloße Absichtserklärung?

Ein Versprechen. Wir hören unseren Kunden genau zu und merken, dass Fahrzeuge mit einer Reichweite von 200 Kilometern eher als Zweitwagen und lediglich im urbanen Bereich genutzt werden. Mit einer Reichweite von 300 bis 400 Kilometern beginnt der Einstieg in die Alltagsmobilität und bei 600 Kilometern hinterfragen die Menschen sogar die Notwendigkeit eines Plug-in-Hybrids, weil das Fahrzeug voll langstreckentauglich ist.

Das bedeutet?

Unser Ziel ist es, Weltmarktführer in der Elektromobilität zu werden und mehr als eine Million Elektro-Autos zu verkaufen. Das heißt aber auch, dass wir in das Segment der Erst-Fahrzeuge gehen müssen, die für Familien und Geschäftsleute voll nutzbar sind. Wer heute einen Golf kauft, muss morgen auch einen ID kaufen.

Da ist VW aber nicht der einzige Hersteller …

Die Reichweite ist der wesentliche Faktor für den Erfolg. Deshalb entwickeln wir eine neue Plattform, einen komplett neuen Baukasten für Elektromobilität. Die Fahrzeuge müssen um die Batterie herum konzipiert sein – nur so lassen sich Speicher integrieren, die groß genug sind, um die Anforderungen an Reichweite zu erfüllen. Wie das aussehen wird, sehen Sie am ID. Wir schieben die Achsen weit auseinander, um möglichst viel Platz für eine geeignete Batterie zu haben. Die ist nicht nur groß, sondern auch eine Prinzip-einfache Batterie, denn unser Ziel ist es nicht, nur genügend Reichweite anzubieten, sondern diese auch bezahlbar zu machen.

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Von welcher Größenordnung reden wir da?

In den Komponenten des elektrischen Antriebs werden wir 2020 rund 30 Prozent im Vergleich zu heutigen Fahrzeugen einsparen.

Wie soll diese Batterie ausschauen?

Der MEB wird eine flache Batterie haben, bei der man wie Schokoladenriegel die Module einlegen kann. Auch die Verschaltungsart wird vereinfacht – so können wir die Kosten reduzieren. Außerdem können wir die Batterien so ohne viel Aufwand in der Größe skalieren. Wir werden Reichweite als Sonderausstattung anbieten, genauso wie es heute bei den Motorvarianten der Fall ist.

Welche Anforderungen haben Sie an die Batterie?

Die Batterie muss zunächst einmal robust sein. Das bezieht sich im Wesentlichen auf die Zellen. Und sie soll am Ende kostengünstig sein. Dafür haben wir die gesamte Wertschöpfungskette der Batterieproduktion durchdacht und arbeiten aktuell an der Optimierung.

Betrifft die Modularität auch die Zellform und -Art?

Das ist ja genau die Kunst eines modularen Konzepts. Wir haben bestimmte Rahmenbedingungen, in denen wir uns frei bewegen können. Das betrifft auch die Zellen und wir schließen explizit kein Zellformat aus.

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