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Wirtschaft Volkswagen Nutzfahrzeuge investiert 1,8 Milliarden Euro

| Autor / Redakteur: Ampnet/Dennis Gauert / Svenja Gelowicz

Auch die Nutzfahrzeugabteilung von Volkswagen setzt auf Elektromobilität – doch in Hannover geht es auch künftig nicht ohne Diesel und Benziner. Um sich für die Zukunft aufzustellen, nimmt Volkswagen Nutzfahrzeuge 1,8 Milliarden Euro in die Hand.

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Der Markenvorstand von Volkswagen Nutzfahrzeuge, Thomas Sedran, sagte, man sei in „guten Gesprächen über eine Beteiligung an Argo, der Ford-Tochter für autonomes Fahren“.
Der Markenvorstand von Volkswagen Nutzfahrzeuge, Thomas Sedran, sagte, man sei in „guten Gesprächen über eine Beteiligung an Argo, der Ford-Tochter für autonomes Fahren“.
(Bild: Volkswagen)

500.000 Einheiten hat Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) im vergangenen Jahr trotz WLTP und schlechter Marktlage in der Türkei absetzen können. Die Auslieferungen wurden also bei gleichem Umsatz gesteigert. Laut Markenvorstand Thomas Sedran ist das Basis genug, um noch in diesem Jahr ganze 1,8 Milliarden Euro zu investieren. Die Strategie „GRIP 2025+“ soll die Marke nun umfassend transformieren.

Die stolze Summe von 1,8 Milliarden Euro ist mit einer Modelloffensive verbunden, die mit dem T7 beginnt. 2021 soll er nun kommen und neben Diesel- und Benzinmotoren auch einen Plug-in-Hybrid in der Motorenpalette haben, der einige Kilometer emissionsfreies Fahren in der Stadt ermöglicht, ohne die Reichweite insgesamt technisch zu limitieren. Doch auch batterielektrische Fahrzeuge und Fahrzeuge mit Verbrennnungsmotor sollen in Hannover-Stöcken gebaut werden können. VWN will sich damit die Flexibilität erhalten, um auf Markttrends schnell zu reagieren.

Modelloffensive von Volkswagen Nutzfahrzeuge

Das Reichweitenproblem und die mangelnde Attraktivität von Elektromobilität sieht Thomas Sedran ohnehin vor allem bei der Politik: „Ein gesetzlicher Rahmen und steuerlicher Rahmen“ sei es, der die E-Mobilität auch in der Breite fördern solle. VWN geht mit seiner Modelloffensive einen starken Schritt voraus: 80 Prozent aller Modelle sollen bis 2025 elektrifiziert werden, ab 2022 kommt der ID Buzz – eine rein elektrische Interpretation des Bulli, die auch automatisiert fahren können soll. Anknüpfend an die Designwurzeln des T1-Bulli sei er gar „sexy“, wie vom Markenvorstand zu vernehmen ist.

Die Euphorie für neue Geschäftsbereiche und die Modernisierung der Produktion, wie im Werk Hannover-Stöcken, kommt nicht von ungefähr: Die Allianz mit Ford ist beschlossene Sache. Einen Rahmenvertrag für die Zusammenarbeit gibt es bereits, die Zusammenarbeit am Amarok-Nachfolger ist ebenfalls besiegelt. Durch den Austausch der beiden Konzerne lassen sich Entwicklungskosten einsparen und Marktfelder besetzen, die vorher verschlossen blieben. So können hohe Investitionen in digitale Services, neue E-Modelle und die Modernisierung des Werks getätigt werden.

Volkswagen Nutzfahrzeuge: E-Fuels als Alternative?

In Hannover-Stöcken haben sich Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung darauf geeinigt, dass bis 2028 keine betriebsbedingten Kündigungen kommen. „Wir sichern damit Beschäftigung in Hannover langfristig. Und wir machen die Belegschaft fit für die zukünftigen Aufgaben“ heißt es dazu vom Markenvorstand. Klar ist, dass sich die Belegschaft verändern wird, schließlich werden hier Arbeitsbereiche eröffnet, in denen aktuell die Expertise fehlt. Beim Sprung in die Herstellung alternativer Antriebe ist von allen Seiten Anpassung gefordert. Im Hintergrund trägt VWN auch noch die Brennstoffzelle mit sich herum und spricht über E-Fuels, die als vorübergehende Alternative zur Elektromobilität herhalten könnten.

Viel wichtiger für den Konzern ist allerdings die Gesamttransformation zum Mobilitätsdienstleister. Vom vernetzten Auto über mobile Onlinedienste bis hin zum einsatzfähigen autonomen Fahrzeug will VWN ein umfassendes Programm bieten. Die konzernweite Bündelung hat Entwicklungsvorstand Albert Hitzinger übernommen. Zudem betont Thomas Sedran, man sei in „guten Gesprächen über eine Beteiligung an Argo, der Ford-Tochter für autonomes Fahren“.

VWN: Mobilitätsservices für die Zukunft

Mit Moia, dem Mobilitätsdienstleister von Volkswagen selbst, startet in Hamburg zum 15. April eine Flotte von in Osnabrück entwickelten Shuttle-Bussen auf Crafter-Basis, bei der Passagiere flexibel zusteigen können. Mittels einer App kann der Fahrbetrieb auf spontane Ansammlungen von Fahrgästen sowie deren Ausstieg reagieren. So soll eine möglichst hohe Auslastung erzielt werden.

Digitale Dienstleistungen werden im Projekthaus „Mobile Online Dienste“ von 60 Mitarbeitern entwickelt, die seit 2017 zusammen arbeiten. Entwickler, Designer, Produktverantwortliche sowie Vertriebs- und Marketingspezialisten entwickeln hier zusammen neue Konzepte für Telematik-Apps und weitere Konnektivitätsanwendungen. Mit „We Connect Fleet“, einem digitalen Flottenmanagementsystem, das die Verwaltung des Fuhrparks mit GPS-Ortung und Routenverlauf ermöglichen soll, will VWN den Fuhrparkverantwortlichen neue Instrumente an die Hand geben. In die Telematik-App sollen auch Fremdfabrikate integriert werden können.

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