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VW-Chef Diess: „Ein dramatischer Umbau ist nötig“

| Autor/ Redakteur: Christoph Seyerlein / Maximiliane Reichhardt

Mehrere Volkswagen-Marken hatten 2018 mit sinkenden Renditen zu kämpfen. Belastet haben alle die Dieselkrise und WLTP-Probleme. Nun will Konzernchef Diess den Hersteller wieder stärker auf Effizienz trimmen – und kündigte in diesem Zuge harte Maßnahmen an.

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Volkswagen-Chef Herbert Diess warnt vor weiteren WLTP-Problemen.
Volkswagen-Chef Herbert Diess warnt vor weiteren WLTP-Problemen.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen-Chef Herbert Diess hat am Dienstag (11. März) bei der Jahrespressekonferenz des Konzerns Einblicke gegeben, wie stark die Probleme mit dem neuen Abgas-Prüfzyklus WLTP den Konzern im vergangenen Jahr belastet haben. „Wir waren nicht optimal vorbereitet und mussten wegen WLTP um jedes Auto kämpfen“, sagte Diess.

WLTP-Probleme kosten VW eine Milliarde Euro

Auch finanziell ging das nicht spurlos am Autohersteller vorbei: So sank etwa bei VW Pkw und Audi das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr. Finanzvorstand Frank Witter blieb am Dienstag bei seiner bisherigen Aussage, dass das WLTP-Debakel dem OEM rund eine Milliarde Euro gekostet habe. Er widersprach damit jüngsten Medienberichten, wonach es bis zu 3,5 Milliarden Euro gewesen seien.

VW und Audi reduzieren Zahl der Varianten

Noch immer sind die Schwierigkeiten nicht komplett überstanden, gerade Audi leidet weiter. Bei den Ingolstädtern werden laut Diess voraussichtlich erst gegen Ende des ersten Quartals wieder alle Modellvarianten verfügbar sein. Im September stehe dann bereits eine weitere Verschärfung der Abgastests an. Im Hinblick darauf sagte Diess: „WLTP wird uns auch 2019 beschäftigen, es kann erneut zu temporären Einschränkungen kommen.“

Allerdings habe man aus dem vergangenen Jahr gelernt: Bei VW sei die Komplexität der Modellvarianten um ein Viertel gesenkt worden – bei Audi sogar um 30 Prozent. Gleichzeitig habe man mehr Prüfstände installiert und Personal in jenem Bereich aufgebaut.

Weniger Gewinn bei VW, Audi und Skoda

Neben WLTP belasteten auch die Folgen der Dieselkrise den Konzern weiter. Finanzvorstand Frank Witter rechnet damit, dass noch bis mindestens 2020 finanzielle Nachwirkungen wegen der Affäre zu spüren sein werden. Bei der Marke VW Pkw lagen jene negativen Sondereinflüsse im vergangenen Jahr beispielsweise bei 1,9 Milliarden Euro (2017: 2,8 Milliarden Euro). Trotz eines Umsatzwachstums um 6,8 Prozent auf 84,6 Milliarden Euro sank das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen auf 3,2 Milliarden Euro (2017: 3,3 Milliarden Euro). Die Umsatzrendite fiel von 4,2 Prozent im Jahr 2017 auf 3,8 Prozent. Dazu trugen auch höhere Verkaufskosten durch die Umweltprämie, Wechselkurseffekte und Vorleistungen für neue Produkte bei.

Auch bei Audi fielen die entscheidenden Finanzzahlen schwächer aus als noch 2017: Die Sondereinflüsse aus der Dieselthematik stiegen auf 1,2 Milliarden Euro (2017: 400 Millionen Euro). Der Umsatz fiel auf 59,2 Milliarden Euro (2017: 59,8 Milliarden Euro), das Ergebnis vor Sondereinflüssen betrug 4,7 Milliarden Euro (2017: 5,1 Milliarden Euro). Die Rendite fiel auf 7,9 Prozent zurück (2017: 8,5 %).

Ausblick auf 2019

Auch einen Ausblick auf das Jahr 2019 gaben Diess und Witter: Im laufenden Jahr will der Konzern die 10,89 Millionen Auslieferungen weltweit aus dem Jahr 2018 „leicht übertreffen“. Herausforderungen erwarte der Konzern insbesondere aus dem konjunkturellen Umfeld, der steigenden Wettbewerbsintensität, volatilen Wechselkursverläufen sowie den verschärften WLTP-Anforderungen.

Drastischer Umbau kostet Arbeitsplätze

Der Umsatz soll um bis zu fünf Prozent wachsen, sagte Witter. Bei der Umsatzrendite peilt Volkswagen einen Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent an. Um jene Ziele zu erreichen, will Herbert Diess den internen Wandel hin zum Elektroauto- und Software-Anbieter beschleunigen. „Für die fundamentalen Veränderungen in unserem Geschäft, ist ein dramatischer Umbau nötig“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Der Manager machte auch klar, dass das Arbeitsplätze kosten werde: „Ein Elektroauto lässt sich mit etwa 30 Prozent weniger Aufwand bauen, als ein Verbrenner. Das heißt: Wir werden Stellen abbauen.“ Nur über Fluktuation und Altersteilzeitregelungen werde man das nicht regeln können. „Aber klar ist: Je erfolgreicher wir mit der Elektrifizierung sind, desto sicherer sind auch die Arbeitsplätze“, sagte Diess. Betriebsbedingte Kündigungen sind in Deutschland bei Volkswagen bis 2025 ausgeschlossen.

Diess verdiente 2018 rund 8,2 Millionen Euro

Ebenfalls am Dienstag veröffentlichte der Konzern seinen Geschäftsbericht für das Jahr 2018. Daraus geht unter anderem hervor, dass Herbert Diess im vergangenen Jahr deutlich mehr verdiente als noch 2017. Das Gehalt des Vorstandschefs belief sich 2018 auf rund 8,2 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte Diess als Markenvorstand von Volkswagen-Pkw 5,6 Millionen Euro verdient. 2018 übernahm der 60-Jährige im April das Amt von Matthias Müller.

Höchstgrenzen für Vorstandsgehälter

In den vergangenen Jahren hatten Boni für VW-Manager angesichts der Dieselkrise immer wieder Kritik ausgelöst. Der Konzern reformierte zum Geschäftsjahr 2017 sein System zur Bestimmung der Vorstandsgehälter. Seitdem gibt es für den Vorstandschef eine Höchstgrenze von 10 Millionen Euro, für Vorstandsmitglieder von 5,5 Millionen Euro. Während die festen Grundgehälter tendenziell angehoben werden, fallen die Regeln zur Berechnung erfolgsabhängiger Bonuszahlungen strikter aus und orientieren sich teils an der künftigen Entwicklung.

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