Neue Modelle VW Taigo: Benziner only

Autor: Christoph Seyerlein

VW erweitert sein SUV-Programm. Mit der Elektrooffensive des Konzerns hat der Taigo herzlich wenig zu tun: Das SUV-Coupé wird es nur mit Ottomotoren geben. Die Halbwertszeit des Taigo dürfte damit sehr überschaubar bleiben.

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Mit dem Taigo bringt VW noch im Sommer 2021 erstmals ein SUV-Coupé auf den Markt.
Mit dem Taigo bringt VW noch im Sommer 2021 erstmals ein SUV-Coupé auf den Markt.
(Bild: Volkswagen)

In zwei bis drei Jahren will Volkswagen mit Elektroautos in etwa so viel verdienen wie mit seinen Verbrennermodellen. Also alles auf Elektro, oder? Nicht ganz. Für den Sommer 2021 haben die Wolfsburger in Europa ein neues Modell angekündigt. Und das fängt nicht mit ID an und hört auch nicht mit einer Ziffer auf, sondern trägt den Namen Taigo. Auch ansonsten hat das Fahrzeug wenig mit den neuen Stars im VW-Kosmos zu tun: Den Taigo wird es (aller Voraussicht nach) nur mit Ottomotoren geben.

Wer beim Taigo direkt an Tiger (englisch ausgesprochen) denkt: Glückwunsch, genau das hat sich die VW-Marketingabteilung erhofft. Ein Tiger sei ein starkes, emotionales Tier, ließ der Hersteller bei der virtuellen Premiere des Autos wissen. Eigenschaften, die auch auf den Taigo zutreffen sollen.

Das T am Anfang des Namens deutet auch daraufhin, um was für ein Fahrzeug es geht. Denn jener Buchstabe ist bei den Wolfsburgern für SUVs vorgesehen. Eines unterscheidet den Taigo aber grundlegend von T-Cross, T-Roc, Tiguan oder Touareg: der Neuling ist das erste SUV-Coupé der Marke.

Aufgebaut ist der Taigo auf der MQB-Plattform für sogenannte A0-Fahrzeuge (Polo, T-Cross). Seine Wurzeln hat er in Brasilien: Dort gibt es schon seit einiger Zeit den Nivus, der eng verwandt, aber nicht komplett baugleich mit dem Taigo ist. Die Europa-Version wird in Pamplona, Spanien, auf einer Montagelinie mit dem Polo gebaut und soll noch im Spätsommer starten. Genaue Preise nennt VW noch nicht, das Basismodell wird es aber für weniger als 20.000 Euro geben, verspricht der Hersteller.

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Plug-in-Hybrid theoretisch möglich, BEV nicht

Doch womit soll der Taigo punkten? VW setzt beispielsweise auf die Optik. Das Auto soll „sehr breit, sehr sportlich, sehr dominant“ daherkommen. Wer nun auf GTI- oder gar R-Varianten hofft, sollte das schnell wieder begraben. Das SUV wird es zum Start mit drei Ottomotoren geben, zwei Drei- und ein Vierzylinder. Die Leistungsstufen liegen bei 70 kW (95 PS), 81 kW (110 PS) und 110 kW (150 PS). Stärkere Versionen schloss der Hersteller aus. Eine Hintertür ließ sich VW für einen möglichen Plug-in-Hybrid offen. Das könnte ein Thema werden, wenn man eine Nachfrage dafür feststellen sollte. Ein reinelektrischer Ableger ist nicht geplant. Dafür sehen die Wolfsburger ab 2025 ein ID-Modell unterhalb des ID 3 vor.

Wen das alles in puncto Sportlichkeit nicht ausreichend überzeugt, den will VW mit den Lifestyle-Eigenschaften des Taigo einfangen. Wem der T-Cross vielleicht zu bieder ist, soll bei dem Coupé genau richtig sein. Kunden sollen das Auto „stark individualisieren“ können, verspricht der OEM. Beispielsweise können Interessenten zwischen acht Farben wählen. Völlig neu im Portfolio ist dabei ein Lack namens „Visual Green“.

In seiner neuen „Y-Angebotsstruktur“ (wofür das Y steht, wurde während der Präsentation nicht vollends klar), sieht VW für den Taigo vier Ausstattungslinien vor (Taigo, Life, Style und R-Line). Schon in der Basis verspricht Volkswagen Interessenten die Features, die Polo-Kunden am liebsten optional buchen: LED-Scheinwerfer, digitales Cockpit, Klimaanlage und Multifunktionslenkrad zählen beispielsweise dazu.

Optional gibt es dann Technik, die nicht bei jeder Marke schon in kleineren Segmenten angekommen ist. Zu nennen ist dabei etwa der IQ Drive Travel Assist. Dabei verschmelzen das prädiktive Abstandsregelsystem ACC und der Spurhalteassistent. So ist bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h teilautomatisiertes Fahren möglich.

VW muss eigene Transformation finanzieren

Bei den eingangs erwähnten Elektro-Erwartungen der Wolfsburger stellt sich die Frage: Wofür genau brauchen sie dieses Auto? Vertriebsvorstand Klaus Zellmer erläuterte im Rahmen der Vorstellung: „Kleine Kompakt-SUVs sind auf fast allen Märkten stark nachgefragt.“ Da das Fahrzeug auf dem MQB basiert, gemeinsam mit dem Polo gebaut werden kann und nur wenige Motorenvarianten im Angebot hat, dürften sich die Einführungskosten im Vergleich zu anderen Modellen in Grenzen halten.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Taigo für VW ein Auto für's schnelle Geld werden soll. Mit möglichst geringem Aufwand einen boomenden Markt bedienen. Schließlich brauchen die Wolfsburger finanzielle Mittel, um die eigene Transformation finanzieren zu können. Die Frage, wie viele Einheiten VW vom neuen Modell hierzulande und in Europa verkaufen will, ließ der Hersteller unbeantwortet.

Als Klassiker wird der Taigo wohl kaum in die Geschichte eingehen, wenn sich Volkswagen wie angekündigt zwischen 2033 und 2035 in Europa vom Verbrennungsmotor verabschiedet. Dass er bis dahin seinen Zweck erfüllen wird, ist aber gut vorstellbar.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility / Entwicklungsredakteur