Strategie Weg von der Autoindustrie? Zulieferer diversifizieren zunehmend

Redakteur: Svenja Gelowicz

Autozulieferer streben stärker in Branchen jenseits vom Auto. Welche Kompetenzen ihnen dabei helfen können.

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Zulieferer halten nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau.
Zulieferer halten nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau.
(Bild: Thyssenkrupp)

Zulieferer investieren verstärkt in neue Geschäftsfelder, die außerhalb der klassischen Autoindustrie liegen. Während im Jahr 2011 weniger als die Hälfte der Zulieferer-Akquisitionen außerhalb des Autosektors lag, stieg dieser bis 2020 auf 65 Prozent. Die Unternehmensberatung Arthur D. Little hat dafür 50 Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt, die bei einem Zulieferer arbeiten sowie Investoren.

Von den befragten Unternehmen erwirtschaftet die Hälfte den Großteil – 75 bis 100 Prozent – ihres Umsatzes im Auto-Kerngeschäft. Knapp die Hälfte der Unternehmen ist in den vergangenen fünf Jahren in nicht-automobile Bereiche vorgedrungen. Noch diversifizierter sind demnach Automobilzulieferer, an denen Investoren beteiligt sind. Knapp die Hälfte der Befragten Unternehmen plant demnach, neue Geschäftsfelder abseits der Autobranche zu erschließen. Knapp 40 Prozent haben sich noch nicht endgültig entschieden.

Auto-Geschäft könnte sinken

Gut die Hälfte der Automobilzulieferer nimmt an, dass der Umsatzanteil des Auto-Geschäfts in den nächsten fünf Jahren sinken wird. Um in nicht-automobile Segmente vorzudringen, wollen die Unternehmen am liebsten neue Märkte durch Zukäufe erschließen.

Welche Branchen dabei besonders attraktiv sind, haben die Studienautoren nicht erhoben. „Die Frage nach den passenden Zielindustrien hängt stark an den individuellen Material-, Technologie-, Produkt- und Prozessfähigkeiten sowie der Ausgangslage und Motivation zur Diversifikation des jeweiligen Unternehmens“, sagt Automobilexperte und Co-Autor Florian Saeftel. Unternehmen, die diversifizieren, wollten bestehende Geschäftsfelder ergänzen oder Umsätze, die wegzubrechen drohen, kompensieren.

Wo Autozulieferer ihre Kompetenzen einbringen können

Dennoch gebe es naheliegende Optionen. Hersteller von Metallkomponenten beispielsweise könnten ihre Kompetenzen in den Bereichen Industrial Equipment oder Off-Highway nutzen. Andere Aktivitäten wiederum zielten vor allem darauf ab, Geschäftsfelder außerhalb der originären Auto-Wertschöpfungskette zu erschließen wie beispielsweise in den Geschäftsfeldern Software oder bei Ladeinfrastruktur.

Bei den Branchen, die nichts mit dem Auto am Hut haben, stünden wiederum Wachstumsbranchen im Fokus, wo sich Kompetenzen bei Prozessen, Materialien oder Technologien nutzen lassen. Das könnte die Medizintechnik oder die Gebäudeautomation sein.

„Diese Branchen sind deshalb interessant, weil sie Zulieferern erlauben, ihre Kompetenzen in wachstumsstärkere Marktumfelder zu transferieren“, sagt Saeftel. Zulieferer könnten dabei vor allem mit Fähigkeiten bei Prozessen punkten, die sich beispielsweise rund um Engineering, Materialtechnologie, Fertigung oder elektromechanische Kraftübertragung drehen. „Hier ist die Automobilzulieferer-Branche im Quervergleich aufgrund signifikanter Losgrößen wie einem starken Industrialisierungsgrad und hohen Qualitätsanforderungen anderen Branchen oft überlegen.“

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