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Produktion „Wer Geschäfte im Bereich E-Mobilität macht, kommt an China nicht vorbei“

| Redakteur: Maximiliane Reichhardt

Carl Schenck ist eine Tochter des Technologiekonzerns Dürr in Stuttgart. Jörg Brunke ist Mitglied des Vorstands und Chef der Sparte Schenck Rotec, der Dürr-Division „Measuring and Process Systems". Im Interview spricht er über die Pläne und die Zukunft des Unternehmens – vor allem in Sachen Asien.

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Das Schenck-Werk in Indien.
Das Schenck-Werk in Indien.
(Bild: Schenck)

Herr Brunke, welche Bedeutung hat der Markt China für Schenck?

Bei China handelt es sich mit Sicherheit um einen der größten und wichtigsten Märkte für das Balancing-Geschäft — und das über alle Produktlinien hinweg. Die Treiber sind dabei in erster Linie die Luftfahrt- und Automotive-Industrie. In beiden Industrien arbeiten wir seit Jahren mit allen OEMs zusammen und beraten diese vom Prototyping bis hin zum Auswuchten der Serienprodukte. Dass dieser Markt so interessant ist, hat insbesondere zwei Gründe: Zum einen wird er von den Bestrebungen, eine eigene chinesische Luftfahrtindustrie aufzubauen, beeinflusst. Zum anderen ist China Vorreiter im Bereich E-Mobilität und treibt das Thema mit staatlicher Unterstützung seit Jahren voran. Wer heute Geschäfte im Bereich E-Mobility betreibt, kommt an China nicht vorbei. Damit ist der Markt ideal für Schenck, um komplexe Greenfield-Projekte mit unseren Kunden umzusetzen. Das ist vielleicht auch der wichtigste Unterschied zu Europa, wo verstärkt Modernisierungen nachgefragt werden.

Gibt es Lokalisierungspläne für den Standort?

Schenck ist bereits seit vielen Jahren im asiatischen Raum vertreten und produziert dort Maschinen für den lokalen Markt. In China sind wir beispielsweise mit unserer Tochtergesellschaft Schenck Shanghai Machinery präsent. Dort entwickeln wir vor Ort auch eigene Produkte, die speziell an die Anforderungen des lokalen Markts angepasst ist. Darüber hinaus befindet sich in China unser globales Center für E-Mobility. Damit ist der Standort nicht nur für China, sondern für die weltweite Entwicklung von Schenck von großer Bedeutung. Aber auch in Indien sind wir vertreten.

Warum arbeiten Sie mit dem japanischen Auswuchtmaschinenhersteller Nagahama Seisakusho zusammen?

Japan ist einer der wichtigsten Industriemärkte. Das Joint Venture mit Nagahama Seisakusho ermöglicht uns einen Zugang zu diesem Markt. Insbesondere in der Produktentwicklung und Marktbearbeitung für globale japanische Kunden ist dies ein entscheidender Vorteil. Durch die Erneuerung des Joint Ventures intensivieren wir diese Kooperation und können so zum Beispiel unseren Kunden in Europa, Indien und den USA künftig auch Auswuchtmaschinen für Reifen anbieten. Damit schließen wir diese Lücke in unserem Produktportfolio.

Was bedeutet das Thema CO2-neutrale Produktion für das Geschäft?

In erster Linie bedeutet dies, dass wir energiesparende Produkte entwickeln und unsere Kunden bei der Reduktion ihres CO2-Ausstoßes unterstützen. So konnten wir beispielsweise den Energieverbrauch pro ausgewuchteter Kurbelwelle seit dem Jahr 2000 bis 2018 von 0,24kw/h um 90 Prozent auf 0,025kw/h senken. Diesen Wert konnten wir jetzt um weitere 15 Pozent auf 0,021kw/h reduzieren.

Welche Chancen bietet die Elektrifizierung für das Geschäft von Schenck?

Wir sind für den Trend E-Mobilität bestens aufgestellt: Mit unserem Produktportfolio an den Standorten Deutschland, China und Japan sind wir Weltmarktführer beim Auswuchten von E-Drives. Wir verfolgen bei Schenck einen ganzheitlichen Ansatz und beraten unsere Kunden von Anfang an. Die Zusammenarbeit starten wir mit dem Beginn der R&D-Phase des Elektromotors. So können wir helfen, Rotoren zu entwickeln, die von Anfang an möglichst wenig Unwucht aufweisen. Mit unseren Schleuderständen können wir zudem Rotoren bis an die Belastungsgrenzen und darüber hinaus prüfen und so frühzeitig auf mögliche Schwachstellen hinweisen. Doch auch bei Motoren mit Brennstoffzellen wollen wir unterstützen: So wuchten wir Verdichter-Räder für die Kompressoren von Brennstoffzellen aus und arbeiten mit ersten Kunden an der Entwicklung von Maschinen, um diese Prozesse auch im industriellen Serienumfeld umzusetzen.

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