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Produktion Wiederanlauf beim Zulieferer: „Kapazitätssteigerungen jetzt planen“

Autor: Svenja Gelowicz

Wie sich Zulieferer auf den Wiederanlauf vorbereiten können, wie sie den Stillstand nutzen können und warum das Thema Hygiene von Experten umgesetzt werden muss.

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(Bild: BMW)

Spätestens Ende April wollen die Autobauer ihre Produktionen wieder hochfahren – das ist zumindest der Plan. Auch die Lieferanten haben ihre Fertigungen gedrosselt oder pausieren ebenfalls. BMW nutzt die Zeit für Umbauten in den Werken, teilte der Konzern mit. In München und Dingolfing werden die Bänder für den Anlauf der Elektroautos i4 und iNext im kommenden Jahr vorbereitet.

Auch kleinere Unternehmen sollten die unfreiwilligen Werksferien nutzen, sagt Maximilian Klee. Er ist Senior Partner beim Beratungsunternehmen Kemény Boehme & Company (KBC).

Es sei ein Extremfall, dass man den Umbau einer Linie vollziehen kann. Auch mittelständische Lieferanten können die Zeit als Wartungsfenster für Umbauten an Maschinen nutzen. „Oder auch Renovieren, die IT-Systeme auf Vordermann bringen“, sagt Klee.

Zulieferer: Kapazitätssteigerungen vorbereiten

Und dann ist da noch der Wiederanlauf. Eine Kapazitätssteigerung aufgrund hoher Nachfrage in V-Form erwartet auch Klee nicht. „Das V wird bei der Hälfte stehen bleiben“, sagt er. Allerdings produzierten die Lieferanten ohnehin zumeist bei 90 bis 95 Prozent Auslastung, oft sogar über dem eingekauften Wert. „Wenn man zwei Monate in zehn aufholen möchte, müssten die Zulieferer bei 130 bis 150 Prozent Auslastung fertigen“, so Klee. Will ein Unternehmen nun einen fünftägigen Dreischichtbetrieb ausweiten, bräuchte man Genehmigungen und Mitarbeiter – auch das sollten Unternehmen schon jetzt vorbereiten.

Weitere Infos

Den Ratgeber „Corona Start-Up-Masterplan“ von Kemény Boehme & Company können Sie in einer Kurzversion herunterladen. Eine ausführliche Version (kostenlos) erhalten Sie nach Anfrage von Senior Partner Maximilian Klee (Kontakt: M.klee@kbc-consultants.com).

Download Ratgeber „Corona Start-Up-Masterplan“

In einer laufenden Produktion bremsten vor allem dazwischen produzierte Kleinserien oder Musterteile die Serienfertigung. Das sei ebenfalls ein Punkt, über den man sich mit den Autobauern bereits jetzt verständigen könnte: weniger Musterteile, mehr Serienfertigung.

Die Beratung KBC hat einen Handlungsplan für Manager ausgearbeitet.
Die Beratung KBC hat einen Handlungsplan für Manager ausgearbeitet.
(Bild: KBC)

Außerdem könne man sich überlegen, weitere Anlagen oder Maschinen zu nutzen. Oft gebe es ungenutzte Linien, die im Normalfall nicht wirtschaftlich seien. In einer Sondersituation, in der die OEMs „nach jedem Teil greifen“, spiele Geld keine Rolle. „Natürlich muss die Linie freigegeben werden. Auch das dauert. Die Kapazitätssteigerungen müssen jetzt geplant werden“, sagt Klee.

Und dann ist da noch ein großes Thema: Hygiene. Die bestehenden Funktionen in Unternehmen könnten die Vorgaben zumeist nicht umsetzen. „Wer stellt sicher, dass sich Tausende Mitarbeiter stündlich die Hände waschen“, sagt Klee. Er rät Unternehmen, dafür rechtzeitig Experten ins Haus zu holen – ein Produktionsausfall sei schließlich deutlich teurer.

Engpässe bei Teilen und Rohstoffen

Geht es nach Klee, sollten die Autobauer gemeinsam mit ihren Lieferanten die Produktionsprogramme anpassen und Entscheidungen treffen, wie man Engpasssituationen begegnen könnte. Weitere Lieferanten aufzubauen, sei in der Kürze der Zeit schwierig. Er rät dazu, die bestehende Lieferkette zu maximieren oder die Logistik kurzfristig anzupassen – Flieger statt Schiff, beispielsweise.

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Redakteurin Wirtschaft und Mobilität