E-Fuels-Diskussion „Wir lassen große Teile unserer Innovationskraft ungenutzt“

Das Gespräch führte Claus-Peter Köth

David Bothe von Frontier Economics plädiert für einen offenen Wettbewerb der Antriebstechnologien, denn auch E-Fuels könnten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die geltenden Vorschriften hemmen Innovationen und fördern planwirtschaftliches Handeln.

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Dr. David Bothe ist Director bei Frontier Economics Limited.
Dr. David Bothe ist Director bei Frontier Economics Limited.
(Bild: Frontier Economics)

Herr Bothe, laut Koalitionsvertrag sollen in Deutschland ab 2035 neben Elektroautos auch „nachweisbar mit E-Fuels betankbare Verbrenner-Fahrzeuge neu zugelassen werden können“. Ein neuer Hoffnungsschimmer für den Verbrennungsmotor und für die Befürworter von E-Fuels?

In der Tat zeigt der Koalitionsvertrag, dass auch der Politik langsam klar wird, dass wir die Mammutaufgabe der Umstellung der gesamten Mobilität auf erneuerbare Energiequellen nicht mit nur einem Technologiepfad wie der direkten Elektrifizierung schaffen werden, sondern „all in“ gehen müssen: Alle Technologien die geeignet sind, uns dem Ziel einer klimaneutralen Mobilität näher zu bringen, sollten gleichberechtigt in einen Technologiewettbewerb um den optimalen Lösungsmix treten können. Wettbewerb war noch immer der beste Anreiz für technischen Fortschritt. Zudem können den Endkunden Wahlmöglichkeiten geboten werden: Die Kunden haben die Wahl, mit Verbrennungsmotoren oder elektrisch klimaneutral mobil zu sein. Wir wissen aus der Verhaltensökonomie, das Wahlmöglichkeiten für die Akzeptanz von Maßnahmen äußerst wichtig sind.

Gebaut wird nicht mehr unbedingt, was die Kunden wünschen oder wo sich im Wettbewerb besondere Vorteile ergeben, sondern was regulatorisch vorgegeben wird.

Es wird jedoch massiv in die Batterietechnik und das Ladenetz investiert. Ist es für E-Fuels im Pkw nicht schon zu spät – zumindest in Europa?

Wir haben aktuell in Europa rund 250 Millionen Pkws, davon sind etwas mehr als ein Prozent mit einem Ladestecker ausgerüstet, wovon wiederum rund die Hälfte als Plug-in-Hybride auch einen Verbrennungsmotor enthalten. Wir stehen also erst ganz am Anfang. Wir reden nicht nur über ein paar Ladesäulen, die gebaut werden müssen, sondern das gesamte Stromsystem muss in signifikantem Maße und in einem bislang noch nie erreichten Tempo skaliert werden. Der Hochlauf der Infrastruktur für Elektromobilität wird also noch lange in Anspruch nehmen, und entsprechend können E-Fuels mittel- und langfristig einen zusätzlichen Beitrag leisten.