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Tradition

50 Jahre Audi 100 (C1): Geheimprojekt mit Mercedes-Genen

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Chronik

1959: Die Ingolstädter Auto Union wird eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Daimler-Benz AG.

1962: Das Prinzip der Zweitaktmotoren verliert an Popularität und die DKW-Verkaufszahlen sind kontinuierlich rückläufig. Daimler-Benz entsendet daraufhin den Ingenieur Ludwig Kraus als technischen Direktor nach Ingolstadt. Kraus wird beauftragt, einen ursprünglich für Daimler-Benz-Fahrzeuge konzipierten Viertaktmotor für den Einsatz im neuen DKW-Flaggschiff F 102 anzupassen.

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1964: Im März erfolgt der Großserienstart des Zweitakters DKW F 102.

1965: Zum 1. Januar übernimmt Volkswagen die Auto Union AG. Im April debütiert der DKW F 102 auch als viertürige Limousine. Dennoch werden ab August des Jahres weniger als 1.000 Neuzulassungen pro Monat erzielt. Zur Frankfurter IAA wird der Auto Union Audi vorgestellt. Volkswagen-Konzern-Chef Heinrich Nordhoff stellt Bundespräsident Heinrich Lübke den ersten Audi der Nachkriegsära am Frankfurter Messestand vor. Bei diesem „Audi“ mit Mitteldruckmotor und Viertaktprinzip von Daimler-Benz handelt es sich um eine Evolution des DKW F 102, die intern F 103 genannt wird. Die Produktionskapazitäten in Ingolstadt sollen vor allem für die Fertigung des VW Käfer genutzt werden. Dennoch entwickelt Ludwig Kraus im Geheimen das Flaggschiff Audi 100 als erste komplett neue Konstruktion in der Nachkriegsgeschichte von Audi.

1966: VW-Konzernchef Heinrich Nordhoff gibt am 14. November bei der Prototypen-Präsentation des künftigen Audi 100 (die Studie trug noch die Typenbezeichnung Audi 90) für die Produktion des neuen Audi-Flaggschiffs grünes Licht.

1968: Vorstellung des Audi 100 mit 1,8-Liter-Vierzylinder als neues Flaggschiff der Marke im Zeichen der Ringe. Zunächst gehen die Typen Audi 100 (59 kW/80 PS), Audi 100 S (66 kW/90 PS) und Audi 100 LS (74 kW/100 PS) an den Start. Die Preisliste beginnt bei 8.690 Mark für den Zweitürer und 8.890 Mark für den Viertürer, allerdings startet die Auslieferung des Zweitürers erst mit Verzögerung. Im Mai gefeierte Übergabe von viertürigen Audi-Limousinen an den Förderverein der Olympischen Spiele 1972 in München. Insgesamt wurden 1968 exakt 67.474 Audi ausgeliefert – gegenüber knapp 30.000 Einheiten im Vorjahr.

1969: „60 Jahre Audi“ wird in Ingolstadt mit einer Jubiläumsrallye gefeiert. Über das Volkswagen-Händlernetz startet der Audi-Vertrieb in den USA. Auf der Frankfurter IAA feiert das 100 Coupé S seine Weltpremiere. Kunden, die das Coupé schon auf der Messe vorbestellen wollen, müssen noch über ein Jahr bis zum Anlauf der Großserie warten. Der Osnabrücker Karossier Karmann präsentiert auf dem Audi-Stand bei der Frankfurter IAA die Studie eines Audi 100 Cabriolets. Im Dezember neue Preisliste, jetzt gibt es für Zwei- und Viertürer einen Einheitspreis, der in Basisversion mindestens 9.590 Mark beträgt, außerdem ist der Audi 100 nun mit Getriebeautomatik erhältlich. 67.852 Einheiten der Modellreihe werden gebaut, darunter die ersten drei Exemplare des Audi 100 Coupé S.

1970: Markteinführung des Audi 100 Coupé S mit 85 kW/115 PS Leistung aus 1,9 Liter Hubraum zu Preisen ab 13.900 Mark (September), während der Audi 100 LS ab 10.890 Mark kostet (gleich ob zwei- oder viertürig) und die Basisversion des Audi 100 sogar 5.000 Mark billiger ist. Das Audi-Marketing ermittelt, dass 95 Prozent der Käufer eines Audi 100 männlich sind, weshalb der Audi 100 in der Kommunikation auch wie damals üblich entsprechend inszeniert wird, also mit jungen Damen. In einer anderen Studie ermittelt Audi, dass drei Viertel der Coupé-Kaufinteressenten den exklusivsten Audi 100 als zu teuer bewerten. Mit 101.655 Einheiten, erstmals aus Fertigungen in Ingolstadt, Neckarsulm und Wolfsburg (letzteres nur in diesem Jahr) überschreitet die Jahres-Produktionsziffer die 100.000-Marke.

1971: Eine Kaufstudie ermittelt, dass zwei Drittel der Audi-100-Käufer von anderen Marken kommen, die meisten von Volkswagen, Ford und Opel, vier Prozent von Mercedes. Mit 63 kW/85-PS starkem 1,8-Liter-Motor ersetzt der Typ Audi 100 (mit gehobener Ausstattung auch als 100 LS lieferbar) die bisherigen Versionen mit 59 kW/80 PS und 66 kW/90 PS. Darüber angeordnet sind der Audi 100 LS mit 74 kW/100 PS und das neue Spitzenmodell Audi 100 GL mit 1,9-Liter-Vierzylinder und 82 kW/112 PS Leistung. Doppelscheinwerfern sind optisches Erkennungszeichen des 100 GL, der mindestens 11.720 Mark kostet. Auch das Audi 100 Coupé S zu Preisen ab 14.400 Mark verfügt jetzt über 82 kW/112 PS Leistung. Mit 8.406 produzierten Einheiten erzielt das Audi 100 Coupé S sein bestes Jahresergebnis. Insgesamt werden vom Audi 100 in diesem Jahr 109.568 Einheiten gefertigt. Die USA nehmen in diesem Jahr über 24.000 Audi 100 ab und avancieren zum zweitwichtigsten Exportmarkt nach Italien.

1972: Der Audi 100 (C1) erreicht den Zenit seiner Karriere mit 161.523 Einheiten in diesem Jahr trotz Einführung des neuen Audi 80.

1973: Sondermodell Audi 100 Extra wird von Dezember 1973 bis Februar 1974 gebaut in 6.000 Einheiten. Basis ist das Grundmodell Audi 100, das um Positionen wie Radio, Sonderfarben (Coronagelb und Tibetorange) sowie Stahlgürtelreifen erweitert wird. Das zweitbeste Produktionsjahr für den Audi 100 (C1) mit 159.216 Einheiten ungeachtet der Auswirkungen der ersten Ölkrise.

1974: Im Juni werden alle Pläne für ein Audi 100 Cabriolet endgültig aufgegeben. Konzepte gab es von Karmann, Deutsch und Crayford. Neue Vorderachskonstruktion für alle Audi 100 zum Modelljahr 1975 und neuer 1,6-Liter-Motor für Audi 100 L und Audi 100 S mit 63 kW/85 PS Leistung. In diesem Jahr rollen 93.735 Audi 100 von den Bändern in Ingolstadt und Neckarsulm.

1975: Insgesamt 85.821 Audi 100 werden in diesem Jahr gebaut, davon 1.476 Coupés.

1976: Die letzten 996 Audi 100 Coupé S werden ausgeliefert. Im August wird in Luxemburg die zweite Generation des Audi 100 (Typ 43) vorgestellt. Dies zunächst als viertürige Limousine mit zwei lieferbaren Motorversionen (1,6-Liter-Vierzylinder mit 85 PS ab November und 2,0-Liter-Vierzylinder mit 115 PS ab August). Diese Motoren waren bereits aus dem Vorgänger bekannt. Angekündigt und der Presse präsentiert wird außerdem ein neu entwickelter 2,1-Liter-Fünfzylinder, der mit Benzineinspritzung 136 PS leistet. In diesem Jahr werden 48.014 Audi 100 ausgeliefert.

1977: Im März Vertriebsende der US-Version des ersten Audi 100, der zuletzt parallel zum Nachfolger Audi 100 (C2) auf dem selben Fließband gebaut wurde. Insgesamt wurden 827.474 Fahrzeuge der Baureihe Audi 100 (C1) ausgeliefert.

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