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Wirtschaft 73 Milliarden Euro für Zukunftsthemen: Volkswagen spielt „voll auf Angriff“

Autor: Christoph Seyerlein

Für die Felder Elektromobilität, Hybridisierung und Digitalisierung nimmt Volkswagen eine gigantische Summe in die Hand. Einen der drei Bereiche rückt der Konzern nun besonders in den Mittelpunkt.

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Die drei wohl mächtigsten Männer bei Volkswagen (v.l.): Vorstandschef Herbert Diess, Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh.
Die drei wohl mächtigsten Männer bei Volkswagen (v.l.): Vorstandschef Herbert Diess, Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh.
(Bild: Volkswagen)

35 Milliarden Euro für Elektromobilität, 27 Milliarden Euro für Digitalisierung, 11 Milliarden Euro für Hybridisierung: Der Volkswagen-Konzern hat am Freitag seinen Investionsplan für die kommenden fünf Jahre abgesteckt. Bislang planten die Wolfsburger damit, dass die Ausgaben für Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung in Zukunftstechnologien damit 40 Prozent der Gesamtinvestitionssumme von rund 150 Milliarden Euro ausmachen sollen. Nun ist es nahezu die Hälfte.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch bezeichnete die finanzielle Ausgangsbasis des Autobauers als „grundsolide“. Konzernboss Herbert Diess sieht Volkswagen bei der Elektromobilität schon heute „weltweit führend“, will aber bei der Digitalisierung aufholen. „In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, auch bei der Software im Fahrzeug eine Spitzenposition einzunehmen. Nur als digitaler Mobilitätskonzern können wir den Bedürfnissen der Menschen nach individueller, nachhaltiger und vollvernetzter Mobilität in Zukunft gerecht werden“, so Diess.

Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh erklärte: „Die Investitionen zeigen eindrucksvoll, dass unser Konzern liefert und es wirklich ernst meint mit Transformation, E-Mobilität und Digitalisierung. Wir spielen die nächsten Jahre voll auf Angriff.“ Gleichzeitig appellierte er an die Politik, die Autobranche mehr zu unterstützen. Er denke dabei an „die Dauerbrenner-Themen wie Ladeinfrastruktur und schnelles Internet.“ Volkswagen setze auf klimafreundliche und vernetzte Mobilität. „Aber dafür benötigen wir und unsere Kundinnen und Kunden ein verlässliches Umfeld“, so Osterloh.

Das hat Volkswagen in den einzelnen Bereichen vor

  • Elektromobilität: Bis 2030 will der Konzern rund 70 reine E-Autos marktreif haben. Etwa 20 davon seien schon heute angelaufen. Insgesamt plant der Autobauer in den kommenden zehn Jahren mit rund 26 Millionen reinen Batterieautos.
  • Hybridisierung: Bis Ende des Jahrzehnts soll es rund 60 Hybride von Volkswagen geben. Etwas mehr als die Hälfte davon produziere der Konzern schon heute. Das Volumen bis 2030 schätzen die Wolfsburger auf rund sieben Millionen Einheiten.
  • Digitalisierung: Viel Geld fließt in die in diesem Jahr gestartete Car.Software-Organisation. Sie soll ein eigenes Betriebssystem für Konzernautos entwickeln. Erstmals zum Einsatz soll das im Rahmen des Audi-Projektes Artemis im Jahr 2024 kommen. Den Eigenanteil bei der Software will Volkswagen von heute 10 auf perspektivisch 60 Prozent steigern. Darüber hinaus investiert der Autobauer auch in Themen wie Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren sowie die Digitalisierung der eigenen Prozesse.

Das tut sich an einzelnen Standorten

  • Salzgitter: Gemeinsam mit Northvolt baut Volkswagen für rund eine Milliarde Euro eine eigene Batteriezellfertigung auf, die 2024 starten soll.
  • Wolfsburg: Das Stammwerk bekommt ein zusätzliches Modell. Neben dem VW Golf, dem VW Tiguan und dem Seat Tarraco soll dort ab 2024 ein weiteres SUV-Modell für den europäischen Markt vom Band laufen.
  • Hannover: Volkswagen Nutzfahrzeuge wird künftig in seinem Stammwerk auch drei vollelektrische D-SUV-Modelle für andere Konzernmarken bauen. Dem Hannoveraner Hersteller selbst zufolge soll es sich dabei um Premium-Modelle handeln.
  • Emden: Neben dem VW ID 4 soll dort ab 2023 ein weiteres Elektroauto gefertigt werden. Der Projektname lautet VW Aero, dabei handelt es sich um ein viertüriges Fahrzeug.
  • Bratislava: Der aktuell noch in Emden gebaute VW Passat wandert 2023 ins slowakische Werk. Dort wird er zusammen mit dem Skoda Superb produziert. Skoda wiederum erhält durch die Verlagerung des Superb mehr Kapazitäten im tschechischen Werk Kvasiny.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«