Automobilwirtschaft Analyse: Renditen der kleinen Zulieferer stark geschrumpft

Redakteur: Svenja Gelowicz

Die Folgen der Pandemie treffen kleine Zulieferer ungleich stärker als größere Unternehmen. Für die zweite Jahreshälfte rechnen Analysten mit einem Aufschwung.

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Fahrzeugproduktion in China: Der Markt gilt als Krisengewinner.
Fahrzeugproduktion in China: Der Markt gilt als Krisengewinner.
(Bild: Volkswagen)

Kleinere Zulieferer bekommen die Folgen der Pandemie besonders stark zu spüren. Eine neue Auswertung der Kreditbank IKB stützt diese Aussage nochmal eindrücklich. Analysten des Instituts haben Abschlüsse von 75 deutschen mittelständischen Automobilzulieferern ausgewertet, die mindestens 30 Millionen Euro Jahresumsatz aufweisen.

Bereits 2019 habe sich eine deutliche Eintrübung gezeigt. Überraschend schnell holte die Autoindustrie ab Mitte des vergangenen Jahrs dann aber nach dem ersten großen Lockdown auf. Die Effekte haben sich demnach vor allem im dritten Quartal gezeigt und in das Vierte hinein fortgesetzt: Die besonders schwierigen Monate April und Mai konnten sogar ausgeglichen werden.

Unternehmen mit China-Geschäft profitieren

Der wiederholte Lockdown zum Jahresende in vielen Ländern dürfte kurzfristig den Ausblick vieler Unternehmen belasten, allerdings deutlich weniger stark wie im zweiten Quartal des vergangenen Jahres. Die Folgen sind trotzdem spürbar: Die zweite, globale Lockdown-Welle schwächt die deutschen Exportmärkte vor allem im ersten Quartal 2021.

Für das verarbeitende Gewerbe könnte das einen erneuten Produktionsrückgang bedeuten, heißt es in der Analyse weiter. Der größte Automarkt China stütze die globale Konjunktur, das Reich der Mitte dürfte einer der Corona-Gewinner sein. Das spielt Unternehmen in die Karten, die ein China-Geschäft haben.

Die Rendite der analysierten Autozulieferer hat sich durchschnittlich im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr von 4,6 Prozent auf 3,1 Prozent verschlechtert. Unterschiede gibt es bei der Unternehmensgröße: Während mittlere (3,8 Prozent) und große Unternehmen (ab einer Milliarde Euro Umsatz, 3,7 Prozent) vergleichsweise gut dastanden, kämpfen kleine Zulieferer (unter 250 Millionen Euro Jahresumsatz) mit Renditen von durchschnittlich nur noch 1,7 Prozent.

Blick auf das Krisenjahr 2020

Das Finanzinstitut hat auch Zwischenzahlen von September für das Geschäftsjahr 2020 ausgewertet. Die Vorsteuer-Umsatzrendite habe sich deutlich verschlechtert, im Durchschnitt liege sie bei Minus 0,8 Prozent. Nahezu die Hälfte der Unternehmen ist demnach in die Verlustzone gerutscht. Bei kleinen Zulieferern sank die Durchschnittsrendite auf ein Minus von 2,4 Prozent.

Neben den Umsatzeinbußen dürften Personalaufwendungen die Unternehmen belastet haben, schätzen die Analysten. Die niedrigeren Materialkosten im Zuge der weltweiten Rezession hingegen hätten entlastet. Umsatzeinbrüche und Liquiditätssicherungen mit Krediten dürften die Fremdverschuldung erhöht und so die Eigenmittel stärker unter Druck gesetzt haben.

Insolvenzen konnten durch staatliche Hilfen und der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht bislang im Zaum gehalten werden. Das Risiko für eine Pleite liegt bei kleinen Zulieferern deutlich höher als für mittelgroße und große Unternehmen – vor allem, wenn 2021 nicht eine spürbare und schnelle Erholung eintritt.

Positiv notiert die IKB eine anhaltend hohe Investitionsquote trotz der Krise. Eine deutliche Verbesserung der konjunkturellen Rahmenbedingungen erwarten die Analysten ab der zweiten Jahreshälfte und vor allem im nächsten Jahr.

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