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Wirtschaft Betriebsratschef fordert andere Elektro-Strategie bei BMW

| Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Sven Prawitz

BMW stellt seine Elektro-Modelle auf die gleichen Plattformen wie die Verbrenner. Der Betriebsrat ruft nun zu einem Umdenken auf, um von Wettbewerbern „nicht überholt zu werden“.

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Der BMW i4 – hier noch als Studie – wird eines der nächsten E-Autos von BMW. Er wird auf der Basis des Dreiers stehen.
Der BMW i4 – hier noch als Studie – wird eines der nächsten E-Autos von BMW. Er wird auf der Basis des Dreiers stehen.
(Bild: BMW)

Mit dem i3 galt BMW in Sachen Elektromobilität einst als Vorreiter. Die derzeitige Strategie der Münchner erweckt daran manchen Zweifel – offenbar auch in den eigenen Reihen. Im Gespräch mit dem „Spiegel“ forderte Betriebsratschef Manfred Schoch von der Konzernspitze nun ein Umdenken. Statt weiter auf flexible Architekturen für alle Antriebsarten zu setzen, brauche es eine eigene Elektro-Plattform, so Schoch.

Angst vor Konkurrenz aus Kalifornien und China

„Nur mit einer eigenen E-Architektur können wir die Vorteile eines Elektrofahrzeugs voll ausschöpfen“, sagte der Betriebsratschef. Der Strategiewechsel wäre für BMW „dringend erforderlich, um von Wettbewerbern aus Kalifornien oder China nicht überholt zu werden“. Auch Volkswagen dürfte Schoch mit seinen Aussagen im Blick haben: Die Wolfsburger führen mit dem ID 3 aktuell ihr erstes Elektroauto auf der neuen eigenständigen Plattform MEB (Modularer E-Antriebs-Baukasten) ein.

BMW hatte den i3 einst komplett eigenständig entwickelt und im Jahr 2013 auf den Markt gebracht, sich nach den Erfahrungen mit dem Kleinwagen zu einer integrierten Entwicklung und Produktion elektrifizierter Modelle entschlossen. Neue Modelle des Herstellers lassen sich so sowohl mit klassischem Verbrenner- oder Hybridsystem sowie als Elektroauto realisieren. Der Großteil der dazu nötigen Vorgänge findet auf derselben Fertigungslinie statt.

Neben dem Betriebsrat sollen laut Spiegel auch einige BMW-Manager an dieser Vorgehensweise zweifeln. Die Chance auf weniger Gewicht und damit verbundenen höheren Reichweiten sowie mehr Platz im Innenraum seien Argumente, die manche Führungskraft für eine eigenständige E-Auto-Plattform anführten.

BMW sieht sich „optimal aufgestellt“

Der Hersteller selbst erklärte gegenüber dem Magazin allerdings, man sehe sich derzeit „optimal aufgestellt“. Spekulationen „über angebliche interne Diskussionen“ wolle man nicht kommentieren.

BMW-Chef Oliver Zipse hatte zuletzt angekündigt, der Konzern werde seine Flotte „wie geplant“ elektrifizieren. Bis Ende 2021 will der Autobauer fünf rein-elektrische Modelle im Angebot haben. Neben dem i3 und dem Elektro-Mini, die bereits (E-Mini seit Ende 2019) bzw. noch (i3 bis 2024) erhältlich sind, werden das der iX3 (E-Version des X3), der i4 (E-Gran-Coupé auf 3er-Basis) und der i-Next (E-SUV) sein. Letzterer soll auch als Zukunftsbaukasten für weitere Modelle dienen. Ab 2022 könnte zudem der dann erwartete neue BMW 7er auch als E-Auto kommen.

Daneben setzen die Münchner vor allem auf Plug-in-Hybride. Keine Rolle wird dabei künftig allerdings der BMW i8 mehr spielen: Dessen letztes Modell ist kürzlich in Leipzig vom Band gerollt.

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