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Fahrbericht BMW 330e: Plug-in-Hybrid mit Extra-Boost

| Autor: Sven Prawitz

BMW setzt stark auf Plug-in-Hybride und ist damit zur Zeit sehr erfolgreich. Wir sind den aktuellen 330e gefahren.

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Der BMW 330e ist ein Plug-in-Hybrid mit einem Basispreis von knapp über 50.000 Euro.
Der BMW 330e ist ein Plug-in-Hybrid mit einem Basispreis von knapp über 50.000 Euro.
(Bild: Sven Prawitz/»Automobil Industrie«)

So leer waren die Straßen in Bayern vermutlich zuletzt am 8. Juli 1990. Damals spielte in einer warmen Sommernacht die deutsche Nationalmannschaft im Finale der Fußball-WM gegen Argentinien – und gewann. Ein Ereignis, das kaum jemand verpassen wollte.

Im März 2020 gibt es nichts zu feiern und keinen Pokal zu gewinnen. Das Coronavirus in Deutschland sorgt für eine Vorstufe der Ausgangssperre: Wer in Bayern ohne triftigen Grund auf der Straße unterwegs ist, zahlt 150 Euro in die Staatskasse.

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Viele hochwertige Extras

Der falsche Zeitpunkt also, um ein Auto ausgiebig zu testen. Dabei hat der BMW 330e (Limousine) vieles zu bieten: Bei einem Preis von fast 71.000 Euro (Basispreis 51.550 Euro) gibt es viele Extras zu erleben. Zum Beispiel die Napster-Musikdatenbank – ideal für lange Fahrten. LED-Scheinwerfer mit Laser-Fernlicht (optional 2.000 Euro) für mehr Sicherheit in der Nacht.

Für 900 Euro gibt es ein Harman-Kardon-Soundsystem, das einen tollen Klang erzeugt aber – wie immer bei Harman Kardon – den Bässen zu wenig Aufmerksamkeit gibt. Außerdem bietet BMW das beste Head-up-Display (1.100 Euro) auf dem Markt. Das teuerste Extra an unserem Testwagen ist die sportliche Ausstattungslinie: sie schlägt mit 2.900 Euro zu Buche. Serienmäßig gibt es eine Standheizung bzw. Standkühlung.

Plug-in-Hybrid mit extra Leistung

Unter der Haube steckt die neueste Motorentechnik des bayerischen Autoherstellers: Ein Plug-in-Hybrid bestehend aus einem Zwei-Liter-Turbobenziner mit einer Leistung von 135 Kilowatt (300 Nm) und einem 83 kW starken E-Motor (265 Nm). Im sogenannten Boost-Modus bringt das Antriebssystem eine Gesamtleistung von 215 Kilowatt (max. 420 Nm). Übersetzt wird die Kraft von einer Acht-Gang-Automatik, die im Elektromodus nicht so sanft schaltet, wie man es bei den Verbrennern von BMW gewohnt ist.

Die Leistungskennzahlen verraten es schon: Der E-Antrieb ist sehr kraftvoll. Die meisten Fahrsituationen im Stadtverkehr kann man rein elektrisch bewerkstelligen. Die Antriebssteuerung hält sich sehr lange zurück, bevor der Ottomotor eingeschaltet wird. Selbst zügige Ampel-Starts oder Beschleunigungen an Steigungen übernimmt der 330e elektrisch. Laut BMW kann man mit dem 3er bis 110 km/h (Hybrid-Modus) bzw. 140 km/h (E-Modus) rein elektrisch fahren. Auf der Landstraße geht dem BMW-Boost die Kraft nicht so schnell aus: Gefühlt beschleunigt der E-3er stärker als der aktuelle Porsche Cayenne E-Hybrid Coupé.

Lange Ladezeit an Haushaltssteckdose

Das hat den Nachteil, dass die Energie der Batterie (12 kWh; 51 km Reichweite nach WLTP) sehr schnell aufgebraucht ist und sich während der Fahrt kaum noch auflädt. Nutzt man den Verbrenner, um die Batterie mit elektrischer Energie zu laden, klettert der Verbrauch schnell über neun Liter pro 100 Kilometer. An einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose können bis zu zwölf Stunden vergehen, bis der Akku vollständig geladen ist. Bei einer Anschlussleistung von 3,7 Kilowatt soll die Batterie in dreieinhalb Stunden geladen sein.

Der Fahrkomfort im 3er ist sehr hoch. Dafür sorgt der edle Innenraum. Bequeme Sitze, ein hochwertiges Interieur sowie alle Bedienelemente vermitteln Präzision, Haltbarkeit und Robustheit. Die Qualität unterstreicht, dass das Mittelklasse-Modell weit oben im Premiumsegment mitspiele möchte.

Gestensteuerung für Sprechfaule

Was bei Mercedes-Benz das MBUX, ist bei BMW die Gestensteuerung. Mit jedem Tastendruck wird auf dem Infotainment-Display die passende Geste angezeigt. So lernt man schnell die wichtigsten Handbewegungen, um Radio und Musik berührungslos und ohne Ablenkung zu bedienen.

Etwas klein fällt der Kofferraum aus. Kaum höher als eine Wasserkiste fasst er lediglich 375 Liter. Schön ist jedoch, das die Ladekante und der Boden fast auf einer Höhe sind.

Mit dem 330e hat BMW eine komfortable Mittelklasse-Limousine auf den Markt gebracht. Verarbeitung, digitale Dienste und Fahrleistung erfüllen selbst hohe Ansprüche. Auch wenn die Platzverhältnisse nicht üppig sind: Alleine oder zu zweit macht es einfach Spaß, im 3er Plug-in-Hybrid unterwegs zu sein.

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Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Technikjournalist