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Conti-Chef: Populismus senkt keine Emissionen

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Continental-Chef Elmar Degenhart hat heute (26. April) in Hannover davor gewarnt, nur auf rein batteriebetriebene Fahrzeuge zu setzen: zu riskant. Der Zulieferer hat außerdem seine Quartalszahlen vorgestellt – und den Teilbörsengang der Antriebssparte verschoben.

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Conti-Chef Elmar Degenhart (links) und CFO Wolfgang Schäfer informieren über das laufende Geschäftsjahr.
Conti-Chef Elmar Degenhart (links) und CFO Wolfgang Schäfer informieren über das laufende Geschäftsjahr.
(Bild: Marcus Prell/Continental)

Der Automobilzulieferer und Reifenhersteller Continental verschiebt den für die zweite Jahreshälfte 2019 anvisierten Teilbörsengang seiner Antriebssparte auf 2020. Die Vorbereitungen sollten voraussichtlich gegen Ende des zweiten Halbjahres 2019 abgeschlossen sein, teilte das Dax-Unternehmen am Freitag (26. April) in Hannover mit. Je nach Marktlage sei ab 2020 mit dem Teilbörsengang der Vitesco genannten Sparte zu rechnen. Continental will die Mehrheit an der Sparte behalten, die auch Elektroantriebe umfasst. Vitesco habe 2018 Aufträge über circa elf Milliarden Euro erhalten – davon rund zwei Milliarden Euro rund um E-Mobilität. In der komplett beim Konzern verbleibenden Autozuliefersparte konzentriert sich Conti vor allem auf Elektronik, Sensorik und Software.

Wegen der Schwäche auf den Automärkten erwirtschaftete das Unternehmen im ersten Quartal operativ deutlich weniger als vor einem Jahr. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach in dem Zeitraum um 17,1 Prozent auf 884,2 Millionen Euro ein. Damit schnitt Conti aber besser ab als von Analysten zuvor im Schnitt befürchtet. Der Umsatz lag mit rund elf Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Die Aktie lag vorsbörslich auf der Handelsplattform Tradegate 2,1 Prozent über dem Xetra-Schluss vom Donnerstag.

Continental-Vorstandschef Elmar Degenhart sprach von einem „soliden“ Ergebnis – da die weltweite Autoproduktion zu Beginn des Jahres wie erwartet stark gesunken sei. Vorläufigen Daten zufolge sei die Autoproduktion in den ersten drei Monaten auf Jahressicht um über sechs Prozent gesunken. Continental rechnet weiter mit einer Belebung des wirtschaftlichen Umfelds erst in der zweiten Jahreshälfte, an der eigenen Prognose hält Conti fest.

Conti-Chef Degenhart plädiert für Technologieoffenheit in puncto Antrieb

Degenhart warnte außerdem davor, ausschließlich auf batteriebetriebene E-Autos zu setzen. Das sei ein hohes Risiko. Für kleinere und leichte Fahrzeuge sei der batterieelektrische Antrieb „wahrscheinlich“ die beste Wahl - vor allem beim Einsatz in der Stadt. Bei größeren und schweren Fahrzeugen auf der Langstrecke komme die Brennstoffzelle ins Spiel. Kürzlich hatte VW-Konzernchef Herbert Diess gesagt, der Batterieantrieb sei auf absehbare Zeit die beste und effizienteste Möglichkeit, den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr zu senken. Zum Streit um den Antrieb sagte Degenhart weiter: „Populismus vermehrt nur die Emotionen. Er verringert nicht die Emissionen.“

Nach Degenharts Einschätzung dürfte nach 2030 die letzte Generation von Benzin- und Dieselmotoren an den Start gehen, nach 2040 dürfe deren Verkauf enden und ab 2050 seien „Straßen und Städte idealerweise frei von CO2-Emissionen“.

Künftig trieben zudem Systeme für assistiertes und für teilweise automatisiertes Fahren das Wachstum an. Dafür habe Continental in den vergangenen beiden Jahren Aufträge von durchschnittlich rund drei Milliarden Euro erhalten. Degenhart machte klar, dass die Autoindustrie zu wenig Erfahrung mit Software habe. Schon heute bestehe die Software im Auto aus mehr als 100 Millionen programmierten Code-Zeilen – in den nächsten sechs bis sieben Jahren werde sich die Zahl verzehnfachen.

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