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Wirtschaft Conti präsentiert tiefrote Zahlen: „Im Tal der schlimmsten Wirtschaftskrise“

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Im zweiten Quartal ist der Zulieferer aus Hannover tief in die roten Zahlen gerutscht. Continental setzt auf einen harten Sparkurs, der auch für die nächsten Jahre gelte.

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Continental ist im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust betrug etwa 740 Millionen Euro.
Continental ist im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust betrug etwa 740 Millionen Euro.
(Bild: Continental)

Der Automobilzulieferer mit Sitz in Hannover ist wegen der Coronakrise auch unter dem Strich tief in die Verlustzone gerutscht. Der Nettoverlust betrug zwischen April und Ende Juni 741,1 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern am Mittwoch (5. August) in Hannover mitteilte. Vor einem Jahr hatte Conti noch 484,8 Millionen Gewinn gemacht. „Im Tal der schlimmsten Wirtschaftskrise der Autoindustrie seit dem zweiten Weltkrieg haben wir besser abgeschnitten als unsere Märkte“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart laut Mitteilung.

Conti will auch angesichts des bereits bekannten Umsatzeinbruchs von 41,2 Prozent auf 6,62 Milliarden Euro weitermachen mit den Einsparmaßnahmen. „Unser harter Tritt auf die Kostenbremse wirkt spürbar und schnell“, sagte Degenhart. Im zweiten Quartal habe Conti die Fixkosten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 400 Millionen Euro gesenkt. Conti hatte unter anderem allein in Deutschland zwischenzeitlich 30.000 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet, als die Werke nur auf Sparflamme produzierten. Am stärksten waren die Umsatzeinbrüche im Geschäft unter anderem mit Elektronik, Sensorik und Bremssystemen, aber auch in der Antriebssparte.

Im Gesamtjahr sollen die ausgabewirksamen Fixkosten um insgesamt mehr als fünf Prozent zurückgehen, die Investitionen um über 25 Prozent. Angesichts von jährlichen Fixkosten von rund 10 Milliarden Euro liege das Ziel für dieses Jahr damit bei mehr als 500 Millionen Euro, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX.

Für Forschung und Entwicklung gab das Unternehmen im zweiten Quartal 809 Millionen Euro aus, im Vorjahreszeitraum waren es noch 917 Millionen Euro.

Werke unzureichend ausgelastet

Der Automobilzulieferer kämpft derweil auch weiter mit in Teilen zu gering ausgelasteten Werken. Zwar sind alle Produktionen seit Juni wieder am laufen, doch manche davon laufen „erheblich unter Vorkrisenniveau“.

Trotz all dem sieht sich der Zulieferer „auf Krisen gut vorbereitet“, was sich auch im Geschäft mit Industrie und Ersatzreifen zeige: „Das macht uns ein Stück weit unabhängiger vom Auf und Ab der Autoindustrie“, so Degenhart. Im zweiten Quartal ging Continentals Geschäft mit Industrie- und Endkunden um 23 Prozent zurück und zeigte sich damit deutlich robuster als die weltweite Fahrzeugproduktion, die im selben Zeitraum um 45 Prozent nachgab.

Auf einen konkreten Jahresausblick verzichtet Conti weiter, auch im dritten Quartal dürfte die weltweite Fahrzeugproduktion um 10 bis 20 Prozent unter Vorjahr liegen. Im zweiten Quartal waren es laut Conti 45 Prozent.

Continental: Software als Sauerstoff

Trotz der Krise setzt der Konzern aus Hannover weiter auf Software für mehr Funktionen im Fahrzeug. Degenhart: „Software ist der Sauerstoff der Industrie. Wir rechnen weiter mit einem enormen, profitablen Wachstum.“ Continental habe sich mit der Entwicklung von Hochleistungscomputern schon jetzt Umsätze von über drei Milliarden Euro gesichert, gerechnet über die Laufzeit der jeweiligen Automodelle. Ein Beispiel sei ein besonders leistungsstarker Fahrzeugserver für Volkswagens ID-Modelle, ein sogenannter „InCar-Application-Server“. Bis 2022 rechnet Continental mit mehr als zehn weiteren Projekten.

Mit Material von dpa

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