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Continental stellt Hydraulik-Geschäft ein und schließt Werke

| Autor/ Redakteur: dpa/Thomas Günnel / Thomas Günnel

Continental schließt Werke in Deutschland und weltweit. Der Aufsichtsrat stimmte heute den entsprechenden Maßnahmen zu.

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Continental schließt Werke in Deutschland und weltweit. Laut Vorstandschef Elmar Degenhardt (Mitte) seien Kündigungen aber nur als „allerletztes Mittel“ denkbar.
Continental schließt Werke in Deutschland und weltweit. Laut Vorstandschef Elmar Degenhardt (Mitte) seien Kündigungen aber nur als „allerletztes Mittel“ denkbar.
(Bild: Continental)

Der Aufsichtsrat der Continental AG hat heute (20. November) „strukturellen Anpassungen“ an diversen Standorten in Deutschland und weltweit zugestimmt. Soll heißen: Der Automobilzulieferer wird einige seiner Werke schließen. Die Pläne dazu hatte der Aufsichtsrat bereits in seiner Sitzung am 25. September diskutiert. Auslöser ist die Entscheidung des Vorstands, das Geschäft mit Hydraulikkomponenten für Benzin- und Dieselantriebe in den kommenden Jahren zu beenden. Diese werden deutlich weniger nachgefragt – Grund ist der Wandel in der Autoindustrie zur Elektromobilität. Außerdem führe der abrupte Umstieg der Industrie von analogen auf digitale Technologien zu einer sich rapide verschlechternden Wettbewerbssituation und akut steigendem Kostendruck.

Diese Werke sind betroffen

  • Roding: Einstellung der Produktion und Entwicklung von hydraulischen Komponenten für Benzin- und Dieselmotoren (Hochdruckpumpen) im Jahr 2024 mit daraus resultierender Schließung des Standorts. Betroffen sind nach derzeitigem Stand rund 520 Arbeitsplätze.
  • Newport News, Virginia (USA): Schließung des Standorts mit derzeit rund 720 Arbeitsplätzen im Jahr 2024. Dort werden hydraulische Komponenten für Benzinmotoren (Injektoren) produziert.
  • Limbach-Oberfrohna: Das Geschäft mit hydraulischen Komponenten für Dieselmotoren (Injektoren) läuft 2028 aus. Betroffen sind nach derzeitigem Stand rund 850 Arbeitsplätze am Standort.
  • Pisa (Italien): Die Produktion hydraulischer Komponenten (Injektoren) für Benzinmotoren läuft zwischen 2023 und 2028 aus. Davon sind nach derzeitigem Stand rund 750 Arbeitsplätze am Standort betroffen.
  • Babenhausen: Schrittweise Einstellung der Serienproduktion von Anzeige- und Bedientechnologien des Geschäftsbereichs Instrumentation & Driver HMI bis Ende 2025. Darüber hinaus sollen bis Ende 2021 bestimmte Forschungs- und Entwicklungsarbeiten an andere Standorte transferiert werden. Betroffen sind nach derzeitigem Stand über 2.200 Arbeitsplätze. Der Standort Babenhausen bleibt als Leitungsstandort des Geschäftsbereiches mit Entwicklung und Administration bestehen.
  • Rubí (Spanien): Dort sollen außerdem unverzüglich „ergebnisoffene Gespräche mit dem lokalen Betriebsrat zur Zukunftsperspektive des ansässigen Standorts“ beginnen. In Rubí beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 760 Mitarbeiter und produziert überwiegend analoge Anzeige- und Bedieninstrumente.

Proteste vor Zentrale in Hannover

Hunderte Mitarbeiter von Continental demonstrierten wegen der geplanten Maßnahmen am Mittwoch (20. November) vor der Firmenzentrale in Hannover. Sie waren von Standorten aus ganz Deutschland angereist und appellierten vor einer Aufsichtsratssitzung an die Unternehmensleitung, das Konzept zur Neuausrichtung des Autozulieferers zu überdenken. Die IG Metall sprach von 870 Beschäftigten. In den Werken selbst liefen parallele „Aktionstage“, die Chemiegewerkschaft IG BCE schloss sich den Protesten an.

Wir brauchen mehr Zeit.

Christiane Benner, stellv. Vorsitzende des Conit-Aufsichtsrats und IG-Metall-Vizechefin

IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner – zugleich stellvertretende Vorsitzende des Continental-Aufsichtsrats – kritisierte, der Umbauplan sei überhastet: „Wir wollen die Prozesse verbessern. Aber wir brauchen mehr Zeit.“ Das Management dürfe die Veränderungen nicht einfach mit Verweis auf die schwierige Lage der Autobranche möglichst schnell durchdrücken. Bisher sei zudem unklar, wie genau die Spitze den Konzern langfristig aufstellen wolle – dabei dürfte es auch noch lange eine Nachfrage nach Technik für Diesel- und Ottomotoren geben. Die bislang vorgesehenen Qualifizierungsmaßnahmen reichten nicht aus, meinte Benner: „Es müssen alle Beschäftigten mitgenommen werden.“

Vorstandschef Elmar Degenhart hatte zugesagt, dass Kündigungen nur als „allerletztes Mittel“ denkbar seien. Grundsätzlich will Continental den Umbau über möglichst viele Umschulungen und über die Nicht-Nachbesetzung von Stellen abfedern. Die „Anpassungen“ leite der Zulieferer „umgehend und vorausschauend über drei bis sieben Jahre“ ein, sagte Personalvorständin Ariane Reinhart. Weltweit könnten laut Conti bis 2023 rund 15.000 Jobs von „Veränderungen“ betroffen sein, davon 5.000 in Deutschland. Die IG Metall sieht auch Managementfehler als Ursache für den Stellenabbau.

Qualifizierung für die Zeit danach

Für die vom Strukturprogramm betroffenen Mitarbeiter hat Continental gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern den unternehmensweiten internen Arbeitsmarkt erheblich ausgebaut. Darüber hinaus hat das Unternehmen jüngst das Institut für Technologie und Transformation (CITT) gegründet. Es bietet den Mitarbeitern Schulungen, Seminare und Trainings zur gezielten Qualifizierung an. Das Ziel: nachhaltige berufliche Perspektiven und erweiterte Beschäftigungschancen eröffnen – intern und extern.

Auf lokaler Ebene arbeitet Continental darüber hinaus mit anderen Unternehmen in den betroffenen Regionen zusammen, um Mitarbeiter bei der Suche nach einer neuen Beschäftigung zu unterstützen.

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