Halbleiterkrise „Die Autoindustrie kauft im Grunde ‚veraltete‘ Mikrochips“

| Aktualisiert am 15.09.2021Autor / Redakteur: Tina Rumpelt / Thomas Günnel

Der Chipmangel zeigt: Mit althergebrachten Sourcing-Strategien fährt die Autoindustrie an die Wand. Wie IHS-Marktexperte Henner Lehne die Lage einschätzt und was er der Branche rät.

Henner Lehne, Vice President, Global Automotive, IHS Markit: „Kein Tier1-Supplier wird sich auf ein bestimmtes Einkaufsvolumen von Microchips festlegen, wenn er keine entsprechende Auftragszusage vom Kunden hat.“
Henner Lehne, Vice President, Global Automotive, IHS Markit: „Kein Tier1-Supplier wird sich auf ein bestimmtes Einkaufsvolumen von Microchips festlegen, wenn er keine entsprechende Auftragszusage vom Kunden hat.“
(Bild: IHS Markit)

Herr Lehne, fast alle OEMs beklagen wegen des Chipmangels Produktionsausfälle. Lässt sich der Ausfall beziffern?

Wir erfassen die Daten wöchentlich. Aktueller Stand ist, dass die OEMs für das Gesamtjahr 2021 weltweit rund zehn Millionen Einheiten aufgrund des Chipmangels nicht fertigen können. Die von den OEMs bis dato gemeldeten tatsächlichen Ausfälle summierten sich bis KW 36 auf rund 7,1 Millionen Einheiten.

Rund 1,3 Millionen Fahrzeuge werden in den USA aufgrund fehlender Halbleiter bis September nicht gefertigt.

Henner Lehne, IHS Markit

Hätten diese vier Millionen nicht produzierten Autos tatsächlich verkauft werden können?

Wir können nicht im Detail nachvollziehen, ob die Automobilhersteller die Ausfälle von Fahrzeugen melden, die von Kunden tatsächlich schon geordert wurden. Oder reporten sie die Volumen, die kapazitativ möglich gewesen wären, wenn die Nachfrage da gewesen wäre. Das macht eine entsprechende klare Einordnung sehr schwierig.

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 Tina Rumpelt

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Freie Journalistin