Der Automobilzulieferer Gentex bietet einen digitalen Rückspiegel an, unter anderem für den Range Rover Evoque. Eine Studie zeigt nun, wie die Technik bei Nutzern ankommt – und welche Probleme sie mit dem System haben.
Wie gehen Nutzer mit digitalen Rückspiegeln um? Dieser Frage ging Gentex gemeinsam mit den Hochschulen Kempten und München nach.
(Bild: Gentex)
„Es ist eher eine Evolution als eine Revolution“, beschreibt Brad Bosma, Vice President of Vision Systems bei Gentex, die Marktentwicklung für digitale Spiegelsysteme. Immerhin, der neue Range Rover Evoque ist mit dem digitalen Rückspiegel des Automobilzulieferers ausgestattet. Entscheidend für Bosma ist die Kundenakzeptanz. Deshalb hat Gentex das „Adrive Living Lab“ der Hochschule Kempten und Mdynamix, einem An-Institut der Hochschule München, mit einer Probandenstudie beauftragt.
Die Untersuchung soll zeigen, wie gut Nutzer mit digitalen Rückspiegeln umgehen können und wie sie das System bewerten. „Über 71 Prozent der Studienteilnehmer halten das System für technisch ausgereift und 55 Prozent würden es kaufen“, präsentiert Seda Aydogdu, Projektingenieur bei Mdynamix, die wichtigsten Kennzahlen – als Kaufpreis wurde den Befragten die Spanne 500 bis 600 Euro genannt. Entscheidender Faktor für die positive Bewertung, so Aydogdu, ist der deutlich größere Sichtbereich nach hinten. Die Zufriedenheit in diesem Punkt ist der Studie zufolge doppelt so hoch als bei konventionellen Spiegeln.
Kameras am Fahrzeug können – je nach Einbauort – nahezu den kompletten Bereich hinter dem Fahrzeug erfassen. Die Bilder können in Echtzeit auf das Display des digitalen Rückspiegels übertragen werden. Das reduziert den Bereich des toten Winkels auf einen sehr kleinen Wert. „Störer“ bei einem konventionellen Spiegelsystem sind etwa Kopfstützen, die C-Säulen oder Heckklappen mit sehr kleinem Fenster.
Das Bild auf dem Display ist der Darstellung auf dem Spiegel zunächst sehr ähnlich. Es gibt jedoch einige gravierende Unterschiede: Das Bild des LCDs ist zweidimensional, damit wird es schwerer, Distanzen einzuschätzen. Nutzer von Rückfahrkameras kennen das, dort unterstützen Linien und Markierungen auf dem Display den Fahrer. Außerdem belastet der Blick auf ein Display die Augen anders, als der Blick in einen Spiegel.
Zehn Prozent der Studienteilnehmer gaben an, Probleme mit der Fokussierung auf das Display-Bild zu haben – weitere 15 Prozent hatten teilweise dieses Problem. „Wir schätzen, dass zwischen zehn und 15 Prozent der Autofahrer digitale Spiegelsysteme ablehnen“, prognostiziert Bosma.
„Autofahrer wünschen sich mehr Sicht nach hinten“, beschreibt Prof. Bernhard Schick, Leiter des Forschungsbereiches Fahrdynamik und Fahrerassistenzsysteme sowie des Forschungslabors Adrive Living Lab der Hochschule Kempten. Als Herausforderung für die digitalen Systeme sieht er Wetterverhältnisse wie Regen oder Schnee, eine tiefstehende Sonne oder blendende Frontscheinwerfer. Die Probanden nannten weitere Punkte, die Probleme bereiteten: So falle es schwer, die Größe der dargestellten Objekte richtig einzuschätzen. Das wirke sich zudem negativ beim Einparken aus.
Um dem entgegenzuwirken hat Gentex sein Spiegelsystem als Hybrid ausgelegt. Der digitale Rückspiegel des Zulieferers hat einen Kipphebel – ähnlich wie die Kippfunktion bei alten Rückspiegeln –, mit dem zwischen Spiegel und Display umgeschaltet wird. Der Fahrer kann entscheiden, in welcher Situation er welches System nutzt. Bosma zitiert eine Kundenbefragung in den USA: Dort wurde der digitale Spiegel von Gentex 2016 mit dem Cadillac CT6 eingeführt – die Mehrzahl der Fahrer wählt situationsabhängig zwischen den Modi. Lediglich 17 Prozent gaben an, das digitale System nicht zu nutzen.
Laut Gentex wird Jaguar Land Rover das digitale Spiegelsystem nach und nach in weiteren Modellen anbieten. Bei der Präsentation der Studienergebnisse zeigte der Zulieferer zudem einen Volvo XC90, bei dem die Kameras in den Außenspiegeln integriert sind. Dabei sind die Sensoren hinter dem Glas versteckt und somit nicht sichtbar. Außerdem hat der Prototyp eine weitere Kamera in der Dachantenne. In absehbarer Zeit soll es laut Gentex Hybridsysteme geben, bei denen Spiegel und Videoanzeigen nebeneinander verwendbar sind. Zudem sind Symbole und Hinweise im Display darstellbar.
Die Hochschulen Kempten und München haben eine Studie zur Nutzung und Akzeptanz von digitalen Rückspiegeln durchgeführt. Eingesetzt wurden zwei Audi A6, die mit dem „Full Display Mirror“ des Auftraggebers Gentex ausgerüstet wurden. Die Studie wurde mit 60 Probanden im Alter zwischen 18 und 66 Jahren durchgeführt (30 Prozent Frauen; 70 Prozent Männer). Die Teilnehmer legten insgesamt 3.440 Kilometer in knapp 54 Stunden zurück. Ergänzt wurde die Studie durch eine Online-Befragung von weiteren 331 Personen.
Stand: 08.12.2025
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Das Adrive Living Lab ist eine Einrichtung der Fachhochschule Kempten und Teil des Allgäuer Forschungszentrums. Es wurde 2017 von Prof. Bernhard Schick gegründet und beschäftigt heute rund 30 Vollzeitkräfte.