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Fahrbericht E-2008: Peugeots zweites E-Auto ist ein SUV

| Autor/ Redakteur: Peter Maahn/SP-X / Jens Scheiner

Als zweites SUV im PSA-Konzern neben DS 3 Crossback E-Tense bekommt der Peugeot 2008 einen rein elektrischen Antrieb. Von seinem Schwestermodell der hauseigenen Nobelmarke hebt es sich jedoch deutlich ab.

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Peugeot schickt die Neuauflage seines Bestsellers 2008 an die Ladesäule anstatt an den Zapfhahn.
Peugeot schickt die Neuauflage seines Bestsellers 2008 an die Ladesäule anstatt an den Zapfhahn.
(Bild: Peugeot)

Schon wieder nimmt ein doch so umstrittenes Kompakt-SUV seinen Kritikern die Argumente weg. Jetzt schickt auch Peugeot die Neuauflage seines Bestsellers 2008 an die Ladesäule anstatt an den Zapfhahn. Das Motto fürs gute Gewissen: Vernünftige Reichweite von über 300 Kilometern, stadttaugliche Abmessungen und natürlich zumindest vor Ort abgasfreies Fahren. In all diesen Kapiteln kann der neue E-2008 einen Haken setzen.

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Es kommt auf den Blickwinkel an. Je nachdem von welcher Seite her man sich der Front des neuen E-2008 nähert, schimmert der ansonsten silberne Löwe im Kühlergrill in grün oder blau. Schmeichelnde Farben als Symbol des beginnenden elektrischen Zeitalters. Ansonsten gibt sich Peugeot zurückhaltend, um das Besondere am 4,30 Meter langen Kompakt-SUV kenntlich zu machen. Jeweils ein kleines „e“ unterhalb der beiden Enden der A-Säule und der filigrane Schriftzug „e-2008“ auf der Heckklappe. Gut, dass es in Deutschland das große „E“ als letzte Stelle im Nummernschild gibt. Sonst würden die Nachbarn nie erfahren, wie trendy der Neuwagen-Käufer von nebenan unterwegs ist.

Technik der Konzernbrüder

Rein elektrisch also, diese Neuauflage des Bestsellers, die etwas später zu den Händlern kommt als das technisch eng verwandte Schwestermodell der Konzern-Nobelmarke. Der um gut 3.000 Euro teurere DS 3 Crossback E-Tense wird schon ab Dezember zu haben sein, der E-2008 folgt im April und hält mit 35.250 Euro einen deutlicheren Abstand zur 40.000-Euro-Hürde. Zumindest, was den Einstiegspreis betrifft.

Der zweite Stromer mit Peugeot-Löwen an Bug und Heck übernimmt weitgehend die Technik der jüngst präsentierten Kleinwagen E-208 . Das gilt für die Akku-Kapazität von 50 Kilowattstunden, die Leistung von 100 kW/136 PS, die Ladezeiten von 30 Minuten an der Supersäule bis zu mehr als 24 Stunden an der guten alten Haushaltssteckdose. Das Elektro-Paket der Franzosen passt in verschiedene Modelle auf der gleichen neuen Plattform. Das spart Geld bei der Produktion, drückt somit auch den Preis für den künftigen Besitzer. Da der E-2008 schwerer und höher ist als die kleine Limousine, kommt er natürlich mit 310 Kilometern nicht ganz so weit wie der kleine E-208, der 30 Kilometer weiter fahren kann.

Wie im Zeichentrickfilm

Fakten, die hinter dem oben abgeflachten Lenkrad schnell verfliegen. Der Blick aufs virtuelle Cockpit mit 3-D-Optik – des Zulieferers Visteon – zeigt die Strecke an, die die Batterieladung noch erlaubt. Der Zehn-Zoll-HD-Farbmonitor verrät auf Wunsch in einer Art Zeichentrickfilm, was die elektronische Kommandozentrale im Innenleben des Fünftürers gerade so treibt. Wird geladen, weil der Franzose gerade bergab rollt oder der Fahrer den Fuß vom Pedal genommen hat? Oder holt sich der Elektromotor sein Lebenselixier gerade aus der Batterie und zählt gleichzeitig die Reichweitenanzeige in Zehnerschritten nach unten. Der spannende Fahrspaß in einem elektrischen Auto. Das ist in einem auspufflosen SUV nicht anders als in einem kleinen elektrischen Smart oder den gelben Stromern der Post.

Der Unterschied zu den traditionellen 2008-Modellen mit Benzin- oder Dieselmotor, die es natürlich auch beim Modellwechsel noch gibt, ist auf der bergigen Auf- und Abfahrt auf Nebenstraßen in der französischen Provence erlebbar. Dank der doch recht schweren Batterie im Untergeschoß hat der E-2008 einen tieferen Schwerpunkt, liegt wie das sprichwörtliche Brett, folgt präzise den Lenkbewegungen, twistet bei Bedarf alles andere als schwerfällig um enge Biegungen. Natürlich, da gibt es auch den Sportmodus, bei dem das E-Gehirn nur die Power im Sinn hat und auch auf die versprochenen 150 km/h auf der Autobahn kommt. Doch wozu? Schon in der Stellung „Normal“ tobt das SUV ohne Schaltrucke los, wenn zum Beispiel ein Lkw überholt werden muss. Um dann wieder ins geruhsame, fast lautlose Gleiten zurückzukehren.

„Das bekommen wir alles noch hin“

Vor dem Start hatten die Peugeot-Techniker zur Umsicht geraten. Unser E-2008 sei ein sogenanntes Vorserienmodell. Die Airbag-Technik war noch nicht angeschlossen, einige der bestellbaren Assistenzsysteme noch nicht an Bord und auch die Verarbeitung hatte noch nicht den bemerkenswerten Stand der Verbrenner-Modelle, die früher auf den Markt kommen. So bleibt den Ingenieuren noch Zeit für den letzten Schliff. Zum Beispiel für die Justierung der Reichweitenanzeige, deren Werte derzeit nicht immer logisch sind. Wo kommt nach 15 Kilometer gerader Strecke plötzlich die Steigerung der Reichweite um 30 Kilometer her? Um dann zwei Kilometer weiter wieder 40 Kilometer weniger anzuzeigen. „Das bekommen wir alles noch hin“, verspricht Peugeot.

Derzeit rechnen die Verkäufer mit einem Anteil der E-Version an den Gesamtverkäufen von unter zehn Prozent. Dank der aktuellen (4.000 Euro) und kommenden „Beihilfen“ von Staat und Industrie (6.000 Euro) könnten sich die Zahlen schnell erhöhen. Wenn Peugeot die dafür nötigen Batterien aus China auch pünktlich geliefert bekommt.

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