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Elektromobilität

E-Mobilität bei Eaton: „Wir kombinieren unser Know-how“

| Autor: Thomas Günnel

Eaton hat die Sparte „eMobility“ gegründet und fokussiert damit den Markt für elektrifizierte Fahrzeuge. Im Interview spricht Scott Adams, Senior Vice President Produktstrategie, Vertrieb und Marketing E-Mobility, über die Ziele des Geschäftsbereiches.

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Scott Adams, Senior Vice President Produktstrategie, Vertrieb und Marketing E-Mobility.
Scott Adams, Senior Vice President Produktstrategie, Vertrieb und Marketing E-Mobility.
(Bild: Eaton)

Herr Adams, Eaton hat den Geschäftsbereich „eMobility“ gegründet. Welche Gründe gab es, und was erwarten Sie sich von diesem Schritt?

Wir verstehen aus unserer Historie heraus die Anforderungen an elektrifizierte Systeme – und wir kennen uns mit Fahrzeugen aus. Mehr als die Hälfte des gesamten Unternehmens gehört zum Geschäftsbereich Eaton Electrical – wir kombinieren jetzt das Know-how aus beiden Bereichen. Wir brauchen den Fokus auf diesem Thema – vor allem, weil die Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen stark steigt. Außerdem verbessern wir so die Abläufe intern und extern in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden – wir kommunizieren einheitlich aus den unterschiedlichen Fachbereichen.

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Zur Person

Scott Adams ist Bachelor der Chemietechnik sowie Master der Betriebswirtschaft der Universität Michigan und Master in Ingenieurwesen der „Case Western Reserve“-Universität Cleveland. Er trat Eaton im Jahr 1994 bei und ist seit März 2018 Senior Vice President Produktstrategie, Vertrieb und Marketing E-Mobility.

Zuvor war Adams in diversen Positionen im Unternehmen tätig, u. a. als Vizepräsident Produktentwicklung, Marketing und Strategie der Vehicle Group, Geschäftsführer für Vertrieb in Nordamerika, Geschäftsführer Getriebe und Off-Highway-Anwendungen der Transportersparte der Vehicle Group in Brasilien und Leiter Fahrzeugkonzepte der früheren Truck Group. Weitere führende Positionen hatte er in der Geschäftsentwicklung, Produktentwicklung und Projektplanung inne.

Was unterscheidet Eaton von anderen Unternehmen in diesem Bereich?

Wir sind eines der führenden Unternehmen der Fahrzeugelektrifizierung und entwickeln seit über 15 Jahren Hybrid- und Plug-in-Hybridsysteme – von denen rund 15.000 in den USA, Europa, China und der Region Asien-Pazifik auf den Straßen sind. Wir sind mit schnellen Hochspannungssicherungen in beinahe der Hälfte aller elektrifizierten Fahrzeuge weltweit vertreten; außerdem liefern wir Leistungselektronik in eine führende europäische, rein elektrische Fahrzeugplattform. Unser Electrical-Geschäftsbereich bietet zudem viele Hochspannungsprodukte – die wir in die Fahrzeuge „übersetzen“ können; und die wir übrigens auch auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover ausstellen werden. Das Thema ist also nicht neu für uns. Und: Wir verfügen aus dem bestehenden Geschäftsbereich Electrical bereits über umfangreiche Testmöglichkeiten und testen damit auch für unsere Kunden.

Derzeit arbeiten rund 1.200 Mitarbeiter für E-Mobility. Gibt es hier Wachstumspläne und wie sehen diese aus?

Der Markt ist zwar noch relativ klein, aber die Wachstumsraten sind beachtlich: zwischen 20 und 40 Prozent jährlich, je nachdem, ob es sich zum Beispiel um Hybride oder batterieelektrische Fahrzeuge handelt. Wir erwarten einen deutlich stärkeren Markt zwischen den Jahren 2020 und 2025. Derzeit stellen wir weitere Mitarbeiter ein, vor allem in China, Europa und Nordamerika.

Das bedeutet, dass bestehende Produktionsstätten nicht ausreichen könnten?

Richtig. Wir produzieren heute bereits in 20 Werken weltweit, einige davon nutzen wir anteilig. Es ist aber schwer vorherzusagen, ob wir für mehr Kapazitäten bestehende Werke erweitern, neue errichten oder in bestehenden Werken noch effizienter produzieren. Über diese Investitionen entscheiden wir bei Bedarf.

Eatons Bussman-Serie sichert das Hochspannungsnetz elektrifizierter Fahrzeuge bis zu 500 Volt Gleichspannung in Stufen von 50 bis 400 Ampere ab.
Eatons Bussman-Serie sichert das Hochspannungsnetz elektrifizierter Fahrzeuge bis zu 500 Volt Gleichspannung in Stufen von 50 bis 400 Ampere ab.
(Bild: Peter Obenaus/Eaton)

Welche Summe will Eaton in den kommenden fünf Jahren in die Elektromobilität investieren?

Wir planen mit mehr als 500 Millionen US-Dollar, die wir in neue Produkte und Technologien investieren, vor allem intelligente Diagnosetechnik, Leistungselektronik und vorausschauende Systemzustandsüberwachung, Stichwort: predictive maintenance. Die heute verfügbaren elektrisch angetriebenen Fahrzeuge sind zudem unterschiedlich weit entwickelt – hier wollen wir unseren Kunden helfen. In den Bereichen Stromver­teilung/-Wandlung und Hochspannungs­stromverteilung/-absicherung können wir grundlegende Funktionen liefern; einige unserer Kunden benötigen aber Konzepte für sehr spezifische Anwendungsfälle oder schon für kommende Fahrzeuggenerationen. Wir wollen für beide Anforderungen gerüstet sein: die Standard-Performance und spezielle Anfragen.

Welches Wachstum trauen Sie den unterschiedlichen Modelltypen, Hybrid, Plug-in-Hybrid, rein batterieelektrisch, in den kommenden Jahren zu?

Wir rechnen mit einem Wachstum der batterieelektrischen Fahrzeuge auf 15 Millionen Einheiten, und weitere 30 Millionen Hybride – von Mild- bis Plug-in-Hybrid – bis zum Jahr 2030. Das ist ein deutlicher Zuwachs. Der Verbrennungsmotor wird aber auf absehbare Zeit nicht verschwinden. Wo sich welche Antriebsform durchsetzt, darüber entscheiden vor allem bei Pkws viele Faktoren, lokale Vorgaben, die Ladeinfrastruktur und sicherlich auch der Kraftstoffpreis. Boni für Elektrofahrzeuge sind hier ein wichtiger Hebel. Wir haben dazu unsere eigene Vorhersage erstellt. Beispiel batterieelektrische Fahrzeuge: Die Akzeptanz der Antriebsform wird bei Transportern und für kurze, vorhersehbare Strecken größer sein, dann auch für mittlere und schwere Trucks. Kalifornien arbeitet hier schon viel mit Zuschüssen, zum Beispiel für die Lieferdienste.

In China erhalten Besitzer von batterieelektrischen Fahrzeugen und Plug-in-Hybriden heute höhere Boni als Nutzer von Fahrzeugen ohne Plug-in-Funktion. Es hängt auch davon ab, welchen Automobilhersteller Sie betrachten: Wenn die Modelle des OEMs ohnehin höherpreisig sind, kann er vielleicht einfacher batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride verkaufen. Und natürlich kommen mögliche Fahrverbote und speziell in Europa das Thema Diesel hinzu – hier setzen viele Hersteller auf Mildhybride, um die CO2-Anforderungen zu erfüllen.

Gleichspannungswandler wandeln das angelegte Hochspannungsniveau, zum Beispiel auf das niedrigere Niveau von Infotainment- und Sicherheitssystemen. Seine Produktreihe stellt Eaton auf der IAA Nutzfahrzeuge aus.
Gleichspannungswandler wandeln das angelegte Hochspannungsniveau, zum Beispiel auf das niedrigere Niveau von Infotainment- und Sicherheitssystemen. Seine Produktreihe stellt Eaton auf der IAA Nutzfahrzeuge aus.
(Bild: Peter Obenaus/Eaton)

Was sind für Sie heute die größten Hürden für die Elektromobilität?

Die beiden größten Hürden sind ganz klar die Reichweite und die Ladezeiten. Die Reichweitenangst nimmt aber allmählich ab, weil leistungsstärkere Batterien in den Fahrzeugen verbaut sind und weil mehr Fahrzeuge schnellladefähig sind.

Wie eng beziehen Automobilhersteller Sie in die Entwicklung elektrifizierter Fahrzeuge ein?

Das hängt sehr vom Hersteller ab, und wir sehen hier keinen signifikanten Unterschied zur Entwicklung verbrennungsmotorischer Fahrzeuge – manche OEMs beziehen ihre Zulieferer sehr früh ein, manche sehr spät. Grundsätzlich sind die Automobilhersteller aber weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern angewiesen – und wir arbeiten derzeit mit vielen Herstellern an umfangreichen Projekten zur Fahrzeugelektrifizierung.

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Über den Autor

 Thomas Günnel

Thomas Günnel

Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE